Bekannte Firma im Saarland Chef vom Abschleppdienst in Saarbrücken hat kuriosen Nachnamen – „Viele Kunden lachen erst mal“

Saarbrücken · Für viele Anrufer klingt es wie ein Witz, wenn sich der Geschäftsführer eines der größten Abschlepp-Unternehmen im Saarland am Telefon meldet. Denn sein Nachname klingt so dermaßen kurios.

Björn Schleppi, Geschäftsführer des Abschleppdienstes Gerd Müller.

Björn Schleppi, Geschäftsführer des Abschleppdienstes Gerd Müller.

Foto: Thomas Schäfer

„Sehr viele Kunden lachen am Telefon erst mal. Oder verkneifen sich das Lachen.“ Klar denkt man an einen Witz, wenn man beim Abschleppdienst anruft und seinen Namen hört.

Er ist Chef eines der größten Abschleppdienste des Saarlandes

Sein Name ist Schleppi, Björn Schleppi. Ja, es stimmt: Björn Schleppi ist der Chef eines der größten und bekanntesten Abschleppdienste im Saarland, der Gerd Müller GmbH mit Standorten in Saarbrücken, Homburg und Lebach. Mehr Nomen est omen geht kaum.

Schleppi ist seit 2017 Chef des Abschleppdienstes

Gemeinsam mit dem Sohn des Firmengründers, Karsten Müller, steht der 39-Jährige an der Spitze der in Kirkel-Limbach gegründeten Firma, die nächstes Jahr 50. Geburtstag feiert. Müller ist seit anderthalb Jahren wieder im Betrieb, Schleppi seit 2017 Geschäftsführer, einst hat er als Aushilfe begonnen. Sein Name war immer ein Vorteil, sagt er: „Die Leute finden das lustig oder süß. Viele denken auch an einen Kosenamen. Wenn ich dann aber meine E-Mail sage, fragen sie schon nochmal nach.“ Sein Name hat klare Vorteile fürs Geschäft. Der Bekanntheitsgrad sei groß, die Leute könnten sich Schleppi natürlich gut merken: „Wer den Namen einmal gehört hat, vergisst ihn nicht.“

 Björn Schleppi (rechts) und Karsten Müller führen gemeinsam die Gerd Müller GmbH.

Björn Schleppi (rechts) und Karsten Müller führen gemeinsam die Gerd Müller GmbH.

Foto: Thomas Schäfer

Was sein Name genau bedeutet, hat Schleppi noch nicht herausgefunden, wohl aber, dass er aus der Schweiz stammt. So stehe es in einem dicken Ordner, den er von seinem Opa bekommen hat. „Vierzehnhundertirgendwas“ sei der Name in der Gemeinde Lenk erstmals erwähnt worden, noch heute gebe es dort einige Schläppis, also mit „ä“. Tatsächlich findet man im Internet unter anderem eine Schreinerei mit dem Namen und die „Bergmetzgerei Schläppi“ und außerdem den Hinweis, dass im 18. Jahrhundert Menschen ins Saarland ausgewandert sind.

Im Saarland gibt es einige Schleppis, auch eine berühmte Rostwurstbude

Im Saarland, vor allem im Ostsaarland, stehen einige Schleppis im Telefonbuch, natürlich auch der „Schleppi Holzkohlegrill“ in St. Ingbert, eine berühmte Rostwurstbude – wo aber kein echter Schleppi am Grill seht, sondern Josef Altmeier, Spitzname „Schleppi“.

Schleppi war 2018 beim schweren Unwetter in Bliesransbach im Dauereinsatz.

Schleppi war 2018 beim schweren Unwetter in Bliesransbach im Dauereinsatz.

Foto: dpa/Beckerbredel

Irgendwie sei er bestimmt verwandt mit den echten Schleppis im Saarland, sagt Björn Schleppi, den eigentlich niemand Björn nennt. Doch schon der kleine Björn hatte eine Leidenschaft für Autos, er schaute oft seinem Vater zu, wie der Autos und Landmaschinen reparierte, daraus ergab sich ein Grundverständnis für die Technik von Fahrzeugen, sein Berufsweg war damit fast schon vorgezeichnet. Nach einer Lehre als IT-Systemelektroniker heuerte er dann tatsächlich beim Abschleppdienst Gerd Müller an, machte bald den Lkw-Führerschein, probierte nach und nach alles aus, was auf dem Hof stand und kann heute alles auch selbst fahren, was die Firma hat. Mehr als ein Dutzend Fahrzeuge hat sie, insgesamt rund 40 Mitarbeiter, die rund um Uhr und 365 Tage im Jahr im Einsatz sind und praktisch alles abschleppen – vom E-Bike bis zum 40-Tonner.

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Dauereinsatz bei schwerem Unwetter 2018

Einer der beiden Chefs, Schleppi oder Karsten Müller, sei immer zu erreichen, „auch nachts natürlich“, das sei in dem Geschäft, wo man Verträge mit Versicherungen und Behörden hat, und als ADAC-Partner eine „Grundvoraussetzung“, erklärt Müller: „Da gibt es kein, wir haben jetzt Weihnachtsfeier oder wir fahren über Ostern 14 Tage weg.“

An welche Einsätze sich Schleppi besonders erinnert? Spontan denkt er an das schwere Unwetter 2018 in Bliesransbach und Umgebung, als in wenigen Tagen über 70 oft kaputte Autos abgeschleppt werden mussten. Die hätten kreuz und quer übereinander gestanden, auch hochkant zwischen Hauswänden. „Das hat ganz schlimm ausgesehen“, sagt Schleppi, sogar ein totes Pferd hätte er bergen müssen. Um insgesamt drei tote Pferde musste er sich schon kümmern, eines war auf Bahngleise gelaufen, ein anderes von der Koppel auf die Autobahn.

 Schleppi war 2018 beim schweren Unwetter in Bliesransbach im Dauereinsatz.

Schleppi war 2018 beim schweren Unwetter in Bliesransbach im Dauereinsatz.

Foto: BeckerBredel

Über 1000 Autos in anderthalb Jahren am Hauptbahnhof abgeschleppt

Zu Unfällen muss der Abschleppdienst häufig ausrücken, einmal war bei Neunkirchen ein Laster mit Schweinehälften umgekippt, kurz danach ein Lkw mit 178 Auto-Motoren. Einer der kuriosesten Einsätze war der Transport einer nachgebauten Apollo-13-Raumkapsel im Nordsaarland. Die hat man bereits mehrfach durch die Gegend gefahren.

Das Abschleppen von Falschparkern spielt natürlich eine Hauptrolle ins Schleppis Berufsleben, auch wenn zumindest die Stadt Saarbrücken aktuell einen Konkurrenten dafür beauftragt hat. Vor einiger Zeit, so erzählt Schleppi, habe er am Saarbrücker Hauptbahnhof für eine Firma innerhalb von anderthalb Jahren mal weit über 1000 Autos abschleppen müssen, da sei man an manchen Tagen ständig hin und her gependelt zwischen Bahnhof und dem Betriebsgelände von Gerd Müller am Eschberg, wo Schleppi, der in Kirkel wohnt, die meiste Zeit arbeitet. Und auch hautnah mitbekommt, wenn abgeschleppte Fahrzeuge abgeholt werden.

Manchmal muss Schleppi die Polizei rufen

Dass Falschparker voller Wut auf den Hof stürmen, komme selten vor, Schleppi schätzt, dass es in drei von 100 Fällen passiert: „Die meisten anderen sind entspannt und wissen, dass sie einen Fehler gemacht haben. Und dass wir nur die ausführende Kraft sind. Manche geben sogar Trinkgeld und entschuldigen sich, wenn sie die Rechnung bezahlen.“ 300 bis 400 Euro kostet Falschparken, wenn man sein Auto zum Beispiel auf einem Supermarktgelände oder einem anderen Privatgrundstück parkt, obwohl es verboten ist. Gerade die Supermärkte wüssten genau, wo wie lange jedes Auto steht.

Von körperlichen Übergriffen von Falschparkern ist Schleppi bislang verschont geblieben. Es sei zwar schon mal eng geworden, weil jemand beim Abholen „frech“ geworden oder mit mehreren Leuten vorgefahren sei und nicht bezahlen wollte. Im Ernstfall verständigt Schleppi dann die Polizei. Auch dort kennt man seinen Namen inzwischen natürlich gut…

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