Abend mit Eva Kammigan auf Saarbrücker Theaterschiff "Maria Helena"

Ein Abend mit Eva Kammigan : Auf dem Saarbrücker Theaterschiff war’s zum Gruseln schön

Die ersten Sätze aus den „Nachtwachen“, einem satirischen Roman von August Klingemann (1777‑1831) deklamierend, schritt Eva Kammigan am Halloween‑Abend auf die Bühne des Theaterschiffs Maria Helena.

Ihr Soloprogramm „Ach, wenn’s mir nur gruselte“ transportierte die Botschaft: „Stellen wir uns gemeinsam unseren Ängsten!“

Dafür nutzte Kammigan Beispiele aus der Literatur. Um den grünen Ledersessel, von dem aus sie agierte, waren diverse Bücher verteilt. Doch einzig Bram Stokers „Dracula“, aus dem sie einige Abschnitte vorlas, behielt Kammigan stets bei sich und fragte provokant, ob das Werk ein Klassiker sei.

Sie zeigte, dass diverse furchteinflößende Phänomene im Volksglauben längst existierten, bevor Literaten sie verarbeiteten. Der Vampirismus zum Beispiel: Vom frevelhaften Lebenswandel bis zu zufällig über Leichen springendes Getier kann einem da so allerlei zum Verhängnis werden. Auch Ertrunkene können mutieren, weshalb Kammigan sich zwischendurch sicherheitshalber bei „Kapitän“ Frank Lion erkundigte, ob denn das Theaterschiff  im Untergehen begriffen sei. War es zum Glück nicht.

Die Gäste erfuhren Wissenswertes über den Fürsten der Walachei, Vlad III. Dracul (1431‑1477), und dessen weibliches Pendant, die ungarische Gräfin Elisabeth Báthory (1560‑1614), die Stoker zu seinem Dracula inspiriert haben dürften. Anschließend rezitierte Kammigan diverse Gedichte, bei denen sie vor allem bei „Der Knabe im Moor“ dessen Entsetzen stimmlich und gestisch exzellent zu gestalten wusste.

Nach den Infos zum Nachtmahr gab es noch Zubereitungstipps für gebratene Nachtigallen mit Blutbrot. Zum Abschluss listete Kammigan zu „Red Right Hand“ von Nick Cave & The Bad Seeds die ganze Bandbreite der grauenvollsten Strafen und Schicksale aus Grimm’schen Märchen auf. Mit vollem stimmlichem Einsatz schilderte Kammigan das Sortiment des Schrecklichen, machte die Ängste der literarischen Gestalten erlebbar. Im Theaterschiff fühlte man sich trotzdem gut aufgehoben, und am Ende wusste jeder, was Gruseln ist. Wie der eine, der auszog, das Fürchten zu lernen.

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