| 20:19 Uhr

Entlastung für Eltern
Ab August sinken die Kita-Gebühren

 Viele kleine Gummistiefel hängen in einer Kindertageseinrichtung an der Wand. Das Bildungsministerium will Geld vom Bund dafür einsetzen, die Kita-Gebühren auch im Regionalverband zu senken.
Viele kleine Gummistiefel hängen in einer Kindertageseinrichtung an der Wand. Das Bildungsministerium will Geld vom Bund dafür einsetzen, die Kita-Gebühren auch im Regionalverband zu senken. FOTO: dpa / Rolf Vennenbernd
Regionalverband. Ministerium: 2022 zahlen Eltern noch die Hälfte – städtische Kitas in Saarbrücken im Regionalverband am teuersten. Von Markus Saeftel

Der Wohnort ist entscheidend, ob und wie viel Eltern für die Krippe oder den Kindergarten bezahlen müssen. Das hat eine bundesweite Studie des Kölner Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) ergeben. Das IW untersuchte dabei die Gebühren der städtischen Kitas in Kommunen über 250 000 Einwohner und in den kleineren Landeshauptstädten für Familien mit einem Kind.


Weil viele Großstädte nach den Vorgaben der Bundesländer die Gebühren nach Einkommen gestaffelt haben, Saarbrücken aber nicht, schneidet die Landeshauptstadt bei geringen Jahreseinkommen der Eltern von Krippenkindern, zum Beispiel 30 000 Euro, in der Studie schlecht ab. So verlangt Mainz für den Ganztagesplatz in einer Krippe nach Angaben des IW 136 Euro pro Monat, Stuttgart 195 Euro, Saarbrücken aber 368 Euro. Beim dreifachen Einkommen steigt die Gebühr dagegen in Mainz auf 502 Euro, in Stuttgart auf 238 Euro, Saarbrücken bleibt unverändert. In Berlin kostet die Kita gar nichts. Wenn man die Staffelung nach Einkommen herausrechnet, liegt Saarbrücken laut der Studie bei den Gebühren im Mittelfeld, wenn es um einen Ganztagsplatz in Krippe oder Kita geht. 20 von 32 Kommunen haben eine Einkommens-Staffelung. Dagegen landet Saarbrücken bei einem Elterneinkommen von 30 000 Euro laut IW beim Krippen-Ganztagsplatz auf Rang 1 der Städte mit den höchsten Gebühren, beim Kindergarten auf Rang 3. Im Regionalverband ist die Stadt Saarbrücken spitze bei den Gebühren für Ganztagsplätze.

Thomas Blug, Sprecher der Stadt Saarbrücken: „Ein Vergleich der Elternbeiträge und der Qualität der Betreuung ist wegen der verschiedenen gesetzlichen Rahmenbedingungen in den Ländern schwierig. Unterschiede können insbesondere im Personalschlüssel, in der Qualifikation des Personals und bei den Öffnungszeiten liegen.“ Im Landesgesetz steht, dass die Stadt bis zu 25 Prozent der Personalkosten von den Eltern fordern kann. Das heißt, bei Tarifsteigerungen mussten die Eltern jeweils mehr zahlen. 2016 hatte der Stadtrat dann beschlossen, die Elternbeiträge zu deckeln.



Die Eltern im Saarland können aber auf sinkende Kita-Gebühren hoffen. Der Bundestag hat im vergangenen Jahr dem „Gute-Kita-Gesetz“ zugestimmt. Die Bundesregierung stellt 5,5 Milliarden Euro bereit, um die Betreuung zu verbessern. „Das Bildungsministerium hat angekündigt, das Geld aus dem ‚Gute-KiTa-Gesetz‘ dazu zu verwenden, die Elternbeiträge schrittweise bis 2022 um die Hälfte zu senken und gleichzeitig in die qualitative Verbesserung der Betreuung zu investieren“, teilt Blug mit. Das bestätigt Fabian Bosse von der Pressestelle des Bildungsministeriums: „Ab 1. August 2019 zahlen Eltern vier Prozentpunkte weniger (derzeit maximal 25 Prozent der Personalkosten), 2020 acht Prozentpunkte weniger, 2022 sind es nur noch höchstens 12,5 Prozent der Personalkosten.“ Wer bisher 300 Euro im Monat zahlt, spare in den nächsten drei Jahren über 3400 Euro, sagt Bosse. Das Ministerium werde die Gebühren aber nicht nach dem Einkommen staffeln. „Unser Ziel ist die komplette Beitragsfreiheit. Bei einer Staffelung nach Einkommen müsste ein großer und teurer Verwaltungsapparat aufgebaut werden.“ Stadtsprecher Thomas Blug sagt, die vom Land angekündigte Regelung werde die Stadt auf der Basis des heute gültigen Elternbeitrages eins zu eins umsetzen. Bosse ergänzt, mit den 65,5 Millionen Euro für das Saarland vom Bund solle auch die Qualität der Betreuung verbessert werden. Außerdem gebe es darüber hinaus Geld vom Bund für eine „Fachkräfteoffensive für Erzieherinnen und Erzieher“.