89-Jährige Zeitzeugin erinnert sich an die Bombardierung Saarbrückens 1944

Erinnerungen an die Bombennacht vom 05. Oktober 1944 : „Als die Sirenen losgingen, fielen die Bomben“

75 Jahre nach der Zerstörung der Ludwigskirche durch britische Bomber findet ein feierliches Gedenken in Saarbrücken statt.

Die Ludwigskirche ist nicht nur ein Ort für Gläubige in Saarbrücken, sie ist auch das Wahrzeichen der Landeshauptstadt. Vor 75 Jahren fiel das bedeutende Barock-Bauwerk den Bomben britischer Flieger zum Opfer. Am Donnerstag beginnt aus diesem Anlass eine Ausstellung in der Ludwigskirche. Im Vorfeld haben wir mit Ruth Etteldorf (89) aus Saarbrücken gesprochen, die die Luftangriffe in der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober 1944 als 15-jähriges Mädchen miterlebt hat.

Frau Etteldorf, als Saarbrücken Anfang Oktober 1944 von den britischen Luftstreitkräften angegriffen wurde, waren Sie ein junges Mädchen. Wie haben Sie die Bombennacht erlebt?

Etteldorf: Die Bombenangriffe in der Nacht waren schlimm. Es hat ja auch viele Tote gegeben. Wir hatten damals eine Sirene auf dem Dach. Zum Bunker war es auch nicht weit. Der war nur etwa drei Minuten entfernt. Aber als die Sirenen losgingen, fielen auch schon die Bomben. So haben wir es auch nicht mehr in den Bunker geschafft. Wir sind dann in einen Unterstand gegangen, wo man allerdings nicht stehen und nicht sitzen konnte. Um uns vor dem Luftdruck durch die Bomben zu schützen, mussten wir uns mit dem Bauch auf den Boden liegen. Am Schlossplatz haben sie schließlich mit dem Bomben aufgehört. Nach dem Angriff hatten meine Mutter und ich dann den Mut gehabt, durch die Talstraße, in der wir damals wohnten, zu gehen. Gebrannt hat da nichts. Da war nur Zerstörung durch die Bomben. In der Eisenbahnstraße haben wir dann auch schon gesehen, dass die Ludwigskirche kaputt war. Ich weiß auch noch, dass es in der Straße mal ein Café „Sartorio“ gab. In dem Keller hat man dann eine Frau sitzend mit einer Geldkassette auf dem Schoß gefunden. Durch den Luftdruck einer Bombe war ihr die Lunge geplatzt.

Bereits vor dem 5. Oktober 1944 war die Stadt immer wieder Ziel von alliierten Bombenangriffen. Was war das für ein Gefühl für Sie?

Etteldorf: Die Angst hat immer mitgespielt. Die war immer da. Bis dahin war ich absolut sichere Bunker gewöhnt. Das waren solche, in denen man nichts gehört und nichts gesehen hat. Als ich dann aber die Flieger in dieser Nacht sah, fing ich am ganzen Körper an zu zittern. Das war die Hölle für mich.

Die Zerstörung der Ludwigskirche in der Nacht vom 5. zum
6. Oktober 1944 blieb vielen Saarbrückern im Gedächtnis. Welche Bedeutung hatte die Zerstörung für Sie?

Etteldorf: Die Ludwigskirche lag auf meinem Schulweg. Da waren diese Absperrketten, über die ich als Kind immer drüber gesprungen bin. Das war dann schon schlimm, die Trümmer zu sehen.

Die Zerstörung der Ludwigskirche und großen Teilen Saarbrückens ist mittlerweile 75 Jahre her. Für viele junge Menschen ist der Zweite Weltkrieg nur ein weiteres Kapitel im Geschichtsunterricht. Was würden Sie diesen Leuten sagen?

Etteldorf: Man sollte das meiner Meinung nach schon in Erinnerung bringen. Die Enkelkinder meiner Cousine sind immer gespannt und wollen, dass ich von früher erzähle. Ich glaube auch, dass die Jugend von heute das wissen will. Woher sollen sie es denn sonst wissen? Auch wenn der Krieg schon länger vorbei ist, muss man daran erinnern, damit keine neuen Kriege entstehen. Was bringen die denn auch? Nur Elend und Tränen – das war alles so furchtbar.

Am Donnerstag soll in Saarbrücken die Ausstellung zur Bombennacht von vor 75 Jahren starten. Werden Sie sie sich anschauen?

Etteldorf: Leider nein. Ich bin nicht mehr so gut zu Fuß und das geht leider nicht mehr, obwohl ich früher gerne sowas besucht habe.

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