60 000 Tonnen CO2 weniger pro Jahr

Kostenpflichtiger Inhalt: 60 000 Tonnen CO2 weniger pro Jahr : Saarbrücken bekommt ein neues Kraftwerk

Gas und Sonnenkraft statt Kohle: Energie SaarLorLux investiert 80 Millionen Euro an der Römerbrücke – und gut aussehen soll’s auch.

Joachim Morsch hat ganz offensichtlich Freude an seinem Job.  Das liegt daran, dass der Vorstand und Sprecher von Energie SaarLorLux, wie er sagt, „gute Botschaften“ hat. Während andere Energieunternehmen in der Klimadebatte unter Druck geraten, verkündet Morsch, dass sein Unternehmen komplett aus der Kohle aussteigt und so 60 000 Tonnen CO2 pro Jahr einspart. Dazu investiert Energie SaarLorLux rund 80 Millionen Euro in ein neues Gaskraftwerk. Die fünf Gasmotoren, die neben das Heizkraftwerk Römerbrücke gebaut werden, sollen ab April 2020 nicht nur rund 30 000 Haushalte mit Strom und Wärme versorgen, es soll auch gut aussehen.

  „Wir sind Techniker, für uns steht die Funktionalität im Vordergrund“, sagt Joachim Morsch. Aber man wolle trotzdem nicht einfach einen Betonklotz mitten in die Stadt bauen. Denn Saarbrücken sei die einzige Stadt, die er kenne, in der ein Kraftwerk zu einem Wahrzeichen geworden ist. Deshalb sei man sich mit der Stadtverwaltung schnell einig gewesen: Mit Hilfe eines Architektenwettbewerbs sollte eine passende Ergänzung zum bestehenden Kraftwerk gefunden werden.

Mit dem Ergebnis sei man „sehr zufrieden“, sagt Morsch. Obwohl der Wettbewerb international ausgeschrieben war, hat am Ende ein Büro aus Saarlouis gewonnen:  „CBAG. STUDIO Architekten“, zusammen mit dem „Atelier Le Balto Landschaftsarchitekten“ in Berlin. Was die Jury beindruckt habe, sei die Verneigung der Architekten vor dem bestehenden Kraftwerk. Es sei nämlich darum gegangen, dass sich das Neue in den Bestand „eingliedere“ und „kein Störfaktor“ sei, zumal das Kraftwerk für Besucher, die über die Autobahn in die Stadt kommen, einer der ersten Eindrücke von Saarbrücken ist, sagt Stefan Eichacker, der bei Energie SaarLorLux fürs Marketing zuständig ist.

Das Heizkraftwerk Römerbrücke stehe „wie kein zweites Kraftwerk für ein Umdenken in unserer Energieerzeugung“, schreiben die Architekten. „Der hohe Wirkungsgrad seiner Kraft-Wärme-Kopplung war wegweisend und wurde nicht umsonst mit dem UNO-Umweltpreis ausgezeichnet“, erklären sie in einer Projektbeschreibung. Vor diesem Hintergrund habe man das neue Kraftwerk entworfen.

Die Fassade des Gaskraftwerks zur Saarseite hin wird „wie gefaltet“ aussehen und aus Photovoltaikplatten bestehen. „Wo immer es die Möglichkeit gibt und es sich wirtschaftlich darstellt, machen wir etwas mit Photovoltaik“, sagt Morsch. Da sei es ein „Glück, dass die Fassade zur Südseite liegt“.

Wenn die Gasturbinen alle in Betrieb sind, könne man endlich komplett auf das Verfeuern von Kohle verzichten. Als das Kraftwerk vor gut 50 Jahren gebaut wurde, sei es auf die saarländische Kohle ausgerichtet gewesen. Es sei um kurze Wege gegangenen. Die Zeiten seien lange vorbei. „Kohle ist kein Zukunftsmodell. Das ist nicht neu, das ist länger bekannt“, sagt Morsch. Anders als andere Unternehmen rede Energie SaarLorLux aber nicht nur vom Kohleausstieg, sondern sei mittendrin.

Eigentlich habe man schon früher aussteigen wollen, aber dann wurde  eine Fernwärmeleitung geschlossen, die nicht mehr zu reparieren war. Die Alternativen seien gewesen: Wieder teilweise mit Kohle zu arbeiten, „oder Burbach bleibt kalt“, erklärt Eichacker. Nun ersetze man die Kohle durch Gas und Sonnenenergie aus der Fassade. „Wir richten das Kraftwerk so für die nächsten Jahrzehnte aus“, sagt Morsch.

Gas sei der Haupt-Energieträger für diese Zeit. „Zu Gas wird es auf absehbare Zeit keine Alternative geben, die erneuerbaren Energien sind noch nicht so weit“, erklärt Morsch. Im März wolle man mit dem Bau beginnen. Bis zum nächsten Winter soll der Rohbau stehen. Im April 2022 sollen dann sowohl die Gasturbinen und die Photovoltaikanlage am Netz sein.

So soll das neue Gaskraftwerk neben dem jetzigen Kraftwerk aussehen. Foto: EnergieSaarLorLux/Architekturbüro CBAG.Studio
Joachim Morsch, Vorstand und Sprecher der Energie SaarLorLux Foto: ESLL. Foto: ESLL

Bis dahin werde auch geklärt, was mit der Fläche zwischen Kraftwerk und Saar passiert. Ob da, wie auf den ersten Entwürfen, eine Frau durch ein Blumenfeld geht oder Flächen für Urban Gardening angelegt werden, sei noch offen, sagt Eichacker. Joachim Morsch ist aber sicher: „Das wird schön.“