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Nach uns die Sintflut
240 000 Euro im Jahr für Müll-Vandalen

Blick vom Satelliten auf die Folsterhöhe: links unten im Bild die Grundschule mit der Schwimmhalle, rechts oben die Einkaufszentren, der Weg Heidenhübel führt von den Wohnblocks hinab zur Grundschule und von dort wieder hoch zu den Einkaufszentren.      Quelle: Google Earth
Blick vom Satelliten auf die Folsterhöhe: links unten im Bild die Grundschule mit der Schwimmhalle, rechts oben die Einkaufszentren, der Weg Heidenhübel führt von den Wohnblocks hinab zur Grundschule und von dort wieder hoch zu den Einkaufszentren.     Quelle: Google Earth FOTO: Google Earth
Alt-Saarbrücken. SZ-Leser melden, dass auf der Folsterhöhe und in deren Umgebung immer mehr Abfall in der Landschaft gammelt. Von Jörg Laskowski

Müll-Europameister – ein klingender Titel – den sich die Deutschen redlich verdient haben. Keine andere EU-Nation wirft so viel weg. Im Schnitt allein 213 Kilo Verpackungen pro Nase jedes Jahr. Aber was soll’s? Aus den Augen aus dem Sinn. So lange die Müll-Gebühr bezahlt ist, geht das niemanden was an. Oder?


Doch genau an diesem Punkt wird die Sache mancherorts problematisch. So auch auf der Folsterhöhe. Denn dort wohnen offenbar etliche Menschen, die entweder die Müll-Gebühr fürchten oder einfach gerne Müll sehen – und ihn deshalb säckeweise in die Siedlung oder in deren nähere Umgebung pfeffern. Das berichten SZ-Leser.

So schrieb uns beispielsweise Kai Schettle, dass auf der Folsterhöhe rund um den Edeka-Markt sowie entlang der Wege Heidenhübel und Am Glockenwald, die von der Siedlung zur Grundschule und Schwimmhalle führen, neuerdings immer mehr Müll in der Landschaft liegt.

Laut Schettle vergammeln dort nicht mehr nur die üblichen achtlos weggeworfenen Verpackungen, sondern auch Gegenstände „die eigentlich auf eine Deponie gehören“. Und Schettle fragt, „ob das der Stadt egal ist“ oder ob sie „eine Strategie dagegen“ entwickeln“ will.

Bei der Stadt ist der Zentrale Kommunale Entsorgungsbetrieb (ZKE) für den Müll zuständig – für den in den Tonnen und für den auf öffentlichen Grundstücken.



ZKE-Sprecherin Judith Pirrot  erklärt: „Die Besorgnis um die Sauberkeit und Attraktivität im Gebiet Folsterhöhe, das durch illegale Müllablagerungen beeinträchtigt wird, können wir von Seiten des ZKE nachvollziehen. Diese Verschmutzungen sind jedoch nicht auf mangelnde Reinigung zurückzuführen, sondern es handelt sich um ein Gesellschaftsproblem.“

Und damit habe der ZKE nicht nur auf der Folsterhöhe zu kämpfen. Die Rücksichtslosigkeit der Müll-Vandalen koste Saarbrücken – also die braven Gebührenzahler – jedes Jahr rund 240 000 Euro.

Wenn Bürger einen Müll-Haufen auf öffentlichen Wegen oder Flächen entdecken, reicht ein Anruf beim Dreck-Weg-Telefon des ZKE (Tel. 0800 / 8885678). Dann rückt die „Umweltkolonne“ an. Die besteht aus zwei Lkw mit je drei Mann Besatzung. Die holen den wilden Müll ab.

Falls der Müll auf einer Fläche liegt, für die ein spezielles Amt zuständig ist, informiert der ZKE dieses Amt. Und wenn der Müll auf einem Privatgrundstück liegt, informiert der ZKE den Eigentümer.

Laut Pirrot gibt es auf der Folsterhöhe mehrere private Flächen. Größter Eigentümer dort ist die Saarbrücker gemeinnützige Siedlungsgesellschaft (SGS). Aber die versichert, dass ihr die von SZ-Leser Kai Schettle genannten Grundstücke nicht gehören.

Gleichzeitig erklärt SGS-Sprecherin Heike Dillhöfer aber auch: „Wir haben im Quartier mit der geschilderten Müllproblematik zu tun und sind mit Kontrollen durch unsere Mitarbeiter und mehrmals wöchentlich stattfindender Säuberung der Müllstandplätze sowie Sperrmüllabfuhr bemüht, das Quartier sauber zu halten. Wir beobachten ebenfalls eine zunehmende Hemmungslosigkeit, wenn es um die aktuelle Entsorgungsmentalität geht. Dies bezieht sich allerdings nicht nur auf die angesprochenen Bereiche.“

Nach jüngsten Erhebungen der Stadtverwaltung wohnen auf der Folsterhöhe derzeit insgesamt 1576 Menschen (100 weniger als 2016). Der Ausländeranteil liegt heute bei 28 Prozent (in der Reststadt bei 19 Prozent).  132 Bewohner der Folsterhöhe stammen aus Syrien, 48 aus Rumänien, 30 aus Rußland, 30 aus der Ukraine, 28 aus Italien und 23 aus der Türkei.

Zur Leser-Frage nach einer Strategie im Kampf gegen die Müll-Vandalen, verweist der ZKE auf die Aktion „Sauber ist schöner“ der Stadtverwaltung. Sie solle die Bürger zum „Umdenken“ bewegen. Zusätzlich habe der ZKE ein umweltpädagogisches Programm für Kinder und Jugendliche aufgezogen. Außerdem informiere der ZKE regelmäßig über alle Aspekte des Themas – inklusive Kaugummis und Kippen auf der Bahnhofstraße.

Und 2007 hat Saarbrücken extra wegen der Müll-Vandalen seine Polizeiverordnung geändert. Seither kann die Stadt auch saftige Bußgelder gegen die Vandalen verhängen – wenn sie erwischt werden.