| 20:55 Uhr

Musikschule
2300 Schüler kommen zum Musizieren

Saarbrücken. Der Förderverein der Saarbrücker Musikschule hatte zu einer Talkrunde eingeladen. Zu den Themen gehörten auch die Folgen von G8. 

Was leistet die Musikschule der Landeshauptstadt für unsere Gesellschaft? Und was können die übrigen Kultur- und Bildungsinstitutionen tun, um die gegenseitigen Synergieeffekte weiter zu fördern? Zur Erörterung dieser Fragen lud der Förderverein der Musikschule zu einer lockeren Talkrunde.


Auf dem Podium, moderiert vom Fördervereins-Vorsitzenden Friedrich Spangemacher, saßen neben Musikschulchef Thomas Kitzig prominente Vertreter der hiesigen Kulturszene, die sich als Beiräte im Förderverein engagieren. Zur Einstimmung gab‘s eine Diashow mit Impressionen aus dem bunten Musikschulalltag, begleitet von der Schlagzeugklasse. Gefolgt von einer weiteren Projektionsrunde plus Film­einspielung und einem erörternden Vortrag von Thomas Kitzig über Aktivitäten, Strategien und Visionen der Musikschule.

Kontinuität, Qualität, Vielfalt! Durch zahlreiche Projekte mit Schulen ist es gelungen, die wöchentliche Schülerzahl von 700 Schülern vor rund 25 Jahren auf aktuell 2300 Schüler zu steigern – davon allein 1000 in Kooperation mit Grundschulen.



Daneben setzt die Musikschule auf Fördermaßnahmen in Form von Wettbewerben und auf zahlreiche Partner, darunter Jugend Musiziert oder die Monika-Meisch-Stiftung.

Kein Anlass zur Entspannung: Sorge bereitet etwa die Bildungsreform G8, weil den Jugendlichen weniger Zeit zum Musizieren bleibt. Immer wichtiger werde daher die Frühförderung: die Einbindung von Kindern, die zuhause keinen Zugang zu Kultur hätten, und die Betonung des Werts musischer Aktivitäten für die Entwicklung sozialer Kompetenzen, so Kitzig.

In der anschließenden Diskussionsrunde bekundeten alle Teilnehmer guten Willen. Bodo Busse, Generalintendant des Saarländischen Staatstheaters (SST) etwa kann sich eine Intensivierung der Zusammenarbeit vorstellen – statt einer Reprise des gemeinsamen Hoffests regte er allerdings kontinuierliche gemeinsame Projekte an, etwa eine Oper von Kindern mit Kindern für Kinder.

Daneben dachte Busse laut über Probenbesuche und kostenlose Vorstellungen für Musikschulkinder nach und plädierte dafür, nicht klein zu denken: „Je mehr wir uns vernetzen, desto mehr können wir auf Mäzene zugehen!“

Als begeisterter Netzwerker und Fan von persönlichen Kontakten outete sich auch Wolfgang Mayer, Rektor der Hochschule für Musik Saar (HfM). Er verwies auf diverse Verknüpfungen: Man beschäftige teils die gleichen Lehrbeauftragten wie die HfM; Absolventen wirkten als Multiplikatoren, etwa indem sie als Lehrkräfte an die Musikschule zurückkehrten. Mit „Wir müssen unten anfangen!“ betonte Mayer den Wert von Patenschaften und insbesondere der Elementaren Musikpädagogik – tatsächlich sei dieser HfM-Zweig unverzichtbar für seine Musikschule, bestätigte Kitzig.

Eine ganze Generation breche in der Vermittlung weg, warnte Bendikt Fohr, Orchestermanager der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern (DRP). Claus-Michael Lehr von der Universität des Saarlandes vermisste Angebote für „Leute zwischen 40 und 70“ und schlug vor, den Alumni-Gedanken zu intensivieren – mit der geballten Kulturpower Saarbrückens lasse sich werben, fand auch Fohr. Oberbürgermeisterin Charlotte Britz jedenfalls kann sich die Musikschule nicht mehr wegdenken und signalisierte auch für die Zukunft Unterstützung.