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20 gute Nachrichten aus dem Regionalverband Saarbrücken

Das Jahr im Regionalverband : 15 gute Nachrichten aus dem Regionalverband

Oft heißt es, die Medien würden nur Negatives berichten. Tatsächlich machte das Corona-Jahr 2020 viele schlimme Schlagzeilen – nicht nur in Saarbrücken, sondern der ganzen Welt. Trotzdem gab es sie, die positiven Meldungen und guten Nachrichten – manche klein, manche groß, einige davon sehr wichtig, andere dagegen eher subjektiv von Belang. Wir haben 15 davon aus dem Regionalverband Saarbrücken gesammelt.

Der 1. FC Saarbrücken schreibt Fußballgeschichte

Am Ende stand zwar eine Niederlage vor Corona-bedingt leeren Rängen: 0:3 verlor der 1. FC Saarbrücken am 6. Juni gegen Bayer 04 Leverkusen. Es überhaupt so weit zu schaffen, war aber bereits eine Sensation. Als erster Viertligist überhaupt erreichte die Saarbrücker Mannschaft das Halbfinale des DFB-Pokals – eine Underdog-Geschichte, die sogar der New York Times eine Nachricht wert war und das spätere Chaos um das Ludwigsparkstadion (fast) vergessen lässt. Die Fans nahmen ihren Helden das Ausscheiden aus dem Turnier ebenfalls nicht krumm und feierten trotzdem.

Heusweiler bekommt eine Fabrik für E-Batterien

Es war die wohl sensationellste Wirtschaftsnachricht des Jahres für das Saarland: Im November gab das chinesische Unternehmen SVolt bekannt, eine neue Fabrik für die Produktion und den Vertrieb von E-Akkus zu bauen – eine Investition von zwei Milliarden Euro. Ein Teil davon fließt in den Regionalverband, denn während die eigentliche Produktionsstätte in Überherrn im Landkreis Saarlouis gebaut wird, soll in Heusweiler-Eiweiler am Standort des früheren Laminateparks auf 50 000 Quadratmetern die „Modul- und Pack-Fabrik“ entstehen. Die Inbetriebnahme ist schon Mitte 2022 geplant. Eine zukunftsfähige Branche, die am Ende an beiden Standorten 2000 neue Arbeitsplätze schaffen soll – wenn das keine guten Aussichten sind.

Teilhabe für Menschen mit Behinderung auf die kreative Art

Zweifellos gibt es auch im Jahr 2021 im Bereich der Inklusion noch einiges zu tun. Ein Projekt hat allerdings bewiesen, dass bereits kleine Dinge große Veränderungen bewirken können: Seit Juli ist die Begegnungsstätte Welt:Raum am St. Johanner Markt barrierefrei zu erreichen – dank einer Rollstuhl-Rampe aus Legosteinen. Die Idee stammt aus dem Internet, aufgegriffen wurde sie von dem Saarbrücker Stefan Schulz. Der Vorteil (neben dem fröhlich-bunten Aussehen) ist die passgenaue Anfertigung. perfekt für historische, aber etwas schiefe Stufen, von denen es in der Innenstadt viele gibt, und eine sinnvolle Verwendungsmöglichkeit für alte Legos. Die nächsten Rampen sind jedenfalls bereits in Planung.

Auf Schnitzeljagd quer durch die Landeshauptstadt

Nicht nur Touristen, sondern auch alteingesessene Saarbrücker haben seit dem Sommer die Möglichkeit, ihren Heimatort auf völlig neue Art zu erkunden. Möglich macht es die App der „Saaristen“, mit der die ganze Landeshauptstadt zum Spielfeld einer aufregenden, modernen Schnitzeljagd wird. In der „Saarbrigge-Verschwörung“ müssen die Spieler Rätsel knacken, Hinweise entschlüsseln und die Stadt rechtzeitig vor skrupellosen Erpressern retten. Ein kurzweiliges Vergnügen im Geiste eines „Escape-Room“-Spiels, das die Entwickler in Wien kennengelernt und für Saarbrücken adaptiert haben – Gastauftritt von Regionalverbandsdirektor Peter Gillo inklusive. Sollte das Konzept Erfolg haben, versprechen die „Saaristen“ eine Fortsetzung.

Lebensmittel retten mit frischem Unternehmergeist

Nachhaltigkeit ist ein teurer Spaß, den man sich leisten können muss, so die weitverbreitete Meinung. Dass es auch anders geht, beweist Fabienne Ebertz mit ihrem Laden „Rettich“, der im August im Nauwieser Viertel eröffnete. Der Name ist hier Programm: Angeboten werden Lebensmittel, die bei großen Discountern bereits in der Mülltonne gelandet wären, obwohl sie noch völlig in Ordnung sind. Die Jung-Unternehmerin bewahrt die Waren vor diesem Schicksal und verkauft sie für kleines Geld. Ein Konzept, das in anderen Städten bereits erfolgreich war und auch hier Schule machen sollte, denn immer noch landen jedes Jahr 18 Millionen Tonnen Lebensmittel in Deutschland auf dem Müll – ein Lastwagenladung pro Minute.

Saarbrücker stellen sich gegen Rassismus und Polizeigewalt

Er war unbewaffnet und sagte mehrmals „Ich kann nicht atmen“ – trotzdem kniete ein weißer Polizist in Minneapolis auf George Floyds Nacken, bis der Afroamerikaner erstickte. Sein Tod erschütterte im Sommer ganz Amerika. Bald griffen die „Black Lives Matter“-Proteste auf die ganze Welt über. Überall gingen Menschen jeder Hautfarbe auf die Straßen, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu demonstrieren. Auch in Saarbrücken fanden die Kundgebungen starken Zulauf. Auch wenn der Anlass schrecklich war: Die Saarländer zeigten so, dass Hass und Gewalt in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Und das immerhin ist eine gute Nachricht.

In Saarbrücken startet der erste saarländische E-Scooter-Verleih

Zugegeben: Viele nahmen die Einführung der elektrisch betriebenen Miet-Roller des Unternehmens Tier alles andere als positiv auf. Nervig wurden die Scooter genannt, eine Platzverschwendung, sogar gefährlich. Viele hassen das neue Transportmittel seit dem Start des Verleihs im Frühsommer – aber die Roller haben auch Fans. Für die Nutzer ist der Service eine schnelle, günstigere Alternative zu den öffentlichen Verkehrsmitteln, und bei gutem Wetter sind begeisterte Rollerfahrer vom Staden nicht mehr wegzudenken. Egal, wie man zu den E-Scootern steht: Sie brachten ein Hauch urbanes Flair in die Landeshauptstadt und sind gerade für junge Menschen ohne eigenes Auto eine Attraktion, die viele nicht mehr missen möchten.

Finanzspritze für das Weltkulturerbe Völklinger Hütte

Es ist ein kulturelles Aushängeschild für das Saarland, historisches Denkmal unserer industriellen Vergangenheit, Veranstaltungsort hochkarätiger Ausstellungen. Damit das so bleibt, braucht es Geld – und davon gab es vor wenigen Wochen einen unverhofften Batzen: Statt der erwarteten 12,5 Millionen bis 2025 erhält das Weltkulturerbe vom Staatsministerium für Kultur und Medien, also aus Bundesmitteln, satte 30 Millionen – 17,5 Millionen und damit mehr als doppelt so viel wie bisher geplant. Einen „Meilenstein“ nannte Saar-Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) diese Förderung aus Bundesmitteln. Für das Saarland und den Regionalverband war das eine überraschende, aber hochwillkommene Nachricht kurz vor dem Jahresende.

Vereint gegen Gentrifizierung und steigende Mieten

In Großstädten wie Berlin oder München werden seit Jahren alteingesessene Mieter aus ihren Vierteln verdrängt. Soweit ist es in Saarbrücken glücklicherweise noch nicht. Damit das auch so bleibt und Wohnraum weiterhin bezahlbar ist, schloss sich dieses Jahr eine Mietergemeinschaft in der Landeshauptstadt zusammen. Ihr Ziel: Das Haus, in dem sie leben, selbst zu kaufen, statt es Immobilienspekulanten zu überlassen. Sie gründeten kurzerhand eine GmbH und wurden Teil von „Mietshäuser Syndikat“, einem Dachverband für deutschlandweit 160 Projekte dieser Art. Im Saarland ist es bisher einzigartig – jedenfalls noch.

Der Geschmack des Saarlandes ganz ohne Fleisch

Denkt man an typisch saarländisches Essen, kommt man an Schwenkern und Fleischkäs kaum vorbei. Wer sich allerdings vegetarisch oder vegan ernähren will, musste bislang auf diese Köstlichkeiten verzichten. Das in diesem Jahr gegründete Saarbrücker Unternehmen „Die Vegabunden“ hat sich dieses Problems angenommen und Alternativen konzipiert, die völlig ohne Fleisch auskommen. „Batzen“ nennen die Geschäftsführer den veganen Schwenker mit Kräutern aus dem eigenen Garten. Ihr „Vleischkeese“ wird vor dem Calypso-Spaßbad erfolgreich verkauft und verführte dabei auch schon den ein oder anderen Fleischesser zum Probieren. Echter saarländischer Unternehmergeist ganz nach dem Motto: Hauptsach gudd gess.

In Bliesransbach kommt der Strom bald von der Sonne

Wie Klimaschutz auf lokaler Ebene funktionieren kann, ist aktuell in Bliesransbach zu sehen. Nachdem ein ähnliches Projekt vor 15 Jahren keine Zustimmung fand, soll dort nun bald doch ein Bürger-Solarpark entstehen. Die bereits jetzt spürbaren Auswirkungen der Klimakrise machen es möglich, sagte Hans-Henning Krämer, Klimaschutzmanager der Biosphäre Bliesgau. „Und dass die Bürger selber finanziell von der Anlage profitieren können, spielt natürlich auch eine große Rolle.“ In Zukunft sollen so alle Haushalte Kleinblittersdorfs mit Strom versorgt werden. Mit der zwölf Millionen Euro teuren Anlage leistet die Gemeinde einen Beitrag zum Ausbau erneuerbarer Energien. Der Gemeinderat jedenfalls stimmte mit großer Mehrheit für das Projekt – die endgültige Entscheidung fällt dann 2021.

Mehr Platz zum Leben in der Saarbrücker Innenstadt

Paris, Madrid und London machen es vor: Die Tage, in denen die Innenstädte von Autos verstopft werden und jeder freie Quadratmeter für Parkplätze reserviert ist, sind dort gezählt. Und auch Saarbrücken kündigte im November an, fünf weitere Straßen in Fußgängerzonen umzuwandeln. Damit würde sich die Fläche, die in der historischen Altstadt für Fußgänger reserviert ist, von 16 000 auf 25 000 Quadratmeter vergrößern – ein Plus von über 50 Prozent. Das Vorhaben soll ab 2022 nicht nur die Gastronomie beleben, sondern auch allgemein mehr Lebensqualität in das Herz der Landeshauptstadt bringen. Ehrgeizige Pläne, mit denen Saarbrücken jedoch in bester Gesellschaft ist.

Das SOS-Kinderdorf hilft jungen Menschen beim Neustart

Die Corona-Krise stürzte viele in Existenznöte. Andere haben es aber bereits ihr gesamtes Leben sehr schwer. Umso wichtiger ist die Arbeit karitativer Organisationen, etwa des SOS-Kinderdorfs: Sie bieten Menschen eine Perspektive, die vom Rest der Gesellschaft längst aufgegeben wurden. In diesem Jahr dem 23-jährigen M., der aus einer zerrütteten Familie stammt und jahrelang kein Dach über dem Kopf hatte. Erst der Jugenddienst Völklingen half dem jungen Mann wieder auf die Beine, besorgte ihm eine Wohnung und einen Platz in einem Qualifizierungsprojekt, das vom Arbeitsamt finanziert wird und ihn auf eine Ausbildung vorbereitete. Ein Beispiel unter vielen, das beweist, was Fürsorge und Menschlichkeit leisten können.

60 Jahre deutsch-französische Freundschaft mit Blumen und Musik

So ganz festlich konnte es dieses Jahr leider nicht zugehen, als der Deutsch-Französische Garten sein 60-jähriges Bestehen feierte. Dennoch ist der Park, der 1960 als Gartenschau eröffnet wurde, immer noch ein Symbol für grenzüberschreitende Freundschaft – und als solches in Zeiten einer Pandemie vielleicht wichtiger denn je. Da passt es, dass die „Musik-Muschel“ den Beschränkungen durch die Pandemie trotzte und dennoch Kultur bot – live, Open air und Corona-konform mit Abstand. Und nicht zuletzt bekamen damit Künstler eine Bühne, die beim ausgefallenen Altstadtfest nicht auftreten konnten.

Lesestoff für die Nachbarschaft gegen alle Widerstände

Zwei Jahre ist es her, dass Walter Winter eine leerstehende Postbox in der Heinrich-Böcking-Straße kurzerhand zu einer kleinen Bücherbörse umfunktionierte. Fortan konnte sich jeder bedienen oder selbst Lesestoff hinterlassen – ein Projekt, das ihm sogar einen Preis einbrachte. Vandalen und Menschen, die den Bücherschrank mit Altpapier vollstopften, entmutigten den „Bücher-Guerilla“ zeitweilig. Aber weil die Nachbarschaft den Bücherschrank inzwischen lieb gewonnen hatte, entschloss er sich, nicht aufzugeben. Inzwischen ist der Platz wieder ein kleines Schmuckstück – und um eine gemütliche Sitzgelegenheit reicher.