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151 Personen in Wohnanlage in Kleinblittersdorf mit Corona infiziert

Corona-Ausbruch in Wohnanlage Rexroth-Höhe : 151 Infizierte in Behinderteneinrichtung in Kleinblittersdorf

In der Wohnanlage Rexroth-Höhe der Lebenshilfe Obere Saar in Kleinblittersdorf haben sich etliche Bewohner und Mitarbeiter mit Corona angesteckt.

Die Behinderteneinrichtung Rexroth-Höhe der Lebenshilfe Obere Saar in Kleinblittersdorf meldet einen massiven Corona-Ausbruch. Demnach haben sich 124  der 200 Bewohner und 27 der rund 100 Mitarbeiter infiziert. Das teilte Geschäftsführer Klaus Posselt am Donnerstag mit. „Den allermeisten Bewohnern und Mitarbeitern geht es gut. Sie zeigen schwache bis keine Symptome“, sagt Posselt. Drei Bewohner werden derzeit stationär in einer Klinik behandelt. Ihr Zustand sei stabil. Einer von ihnen dürfe voraussichtlich bald in die Wohnanlage zurückkehren.

Den ersten Corona-Fall hat es nach Angaben Posselts bereits vergangene Woche gegeben. Daraufhin seien weitere Tests veranlasst worden, die Bundeswehr unterstützte bei Abstrichen von 300 Personen. Dabei sei ein „länger im Verborgenen laufendes Infektionsgeschehen aufgedeckt“ worden. „Es ist zu vermuten, dass einige Bewohner und Mitarbeiter schon länger infiziert sind und nach den geltenden Regeln nicht am Anfang sondern eher am Ende einer Infektion stehen“, erklärt Posselt.

Die Einrichtung steht seit vergangener Woche unter Quarantäne. Alle Betroffenen und Angehörigen seien kontaktiert worden. Die Mitarbeiter würden nur noch mit Schutzausrüstung arbeiten, sagt Posselt. Die Betreuung der meist geistig Behinderten sei sichergestellt. Mitarbeiter aus anderen Bereichen der Lebenshilfe Obere Saar würden, wo nötig, aushelfen.

Seit Beginn der Corona-Pandemie würden in den Anlagen „umfangreiche Hygiene- und Schutzmaßnahmen“ eingehalten, wie von den Behörden vorgegeben. Dadurch sei es gelungen, „größere Infektionsausbrüche in all unseren Einrichtungen bis auf wenige Ausnahmen zu vermeiden“, sagt Posselt. Es gebe einen Krisenstab, der das Infektionsgeschehen genauestens verfolge.

Wie vom Saar-Gesundheitsministerium empfohlen, seien in allen Einrichtungen Kohorten gebildet worden – „feste, beständige, strikt voneinander getrennte Gruppen“. Die Größe der Gruppen sei reduziert worden, Fahrdienste entsprechend angepasst. Die Pausenzeiten für die Gruppen und Mitarbeiter seien zeitlich versetzt worden, Gruppenaktivitäten fänden teilweise nicht mehr statt. Der Verein habe FFP2-Masken zur Verfügung gestellt. „Ebenso findet seit Wochen tägliches Fiebermessen statt und unsere Mitarbeitenden müssen bei Dienstantritt eine Selbstverpflichtung über ihren gesundheitlichen Zustand erklären“, betont Posselt.

Besuche von Angehörigen seien nur noch in extra ausgewiesenen Besuchszonen möglich gewesen. Grundsätzlich sei es den Bewohnern möglich, sich innerhalb des Geländes frei zu bewegen, wobei das „hauptamtliche Personal den jeweiligen Häusern und Gruppen fest zugeordnet“ sei. Da es eine offene Einrichtung ist, dürfen die Bewohner das Gelände auch verlassen. Ausflüge seien jedoch „entsprechend begrenzt“ worden.

Die Lebenshilfe Obere Saar betreut nach eigenen Angaben tagtäglich 1267 Menschen mit Behinderung und beschäftigt 511 Mitarbeiter. Die Wohnanlage Rexroth-Höhe mit vier Gebäuden, wovon drei als Wohnhäuser genutzt werden, liegt am Ortsrand von Kleinblittersdorf. In dem Ort gibt es außerdem noch die Anlage Robert-Jeanrond-Haus und eine Tagesförderstätte. In Altenkessel gibt es eine therapeutische Wohngruppe für Menschen mit Verhaltensauffälligkeiten. Zudem betreibt die Lebenshilfe Obere Saar die Bübinger Werke in Saarbrücken und Püttlingen. Auch auf dem Wintringer Hof in Kleinblittersdorf gibt es Angebote für Menschen mit Behinderungen.

Durch die Trennung der Einrichtungen und Gruppen sei kein größeres Infektionsgeschehen „auf andere Bereiche außerhalb des Wohnverbundes Rexroth-Höhe der Lebenshilfe Obere Saar zu verzeichnen“, sagt Posselt.

Unterdessen hat das Saar-Gesundheitsministerium  mitgeteilt, die Teststratgie auszuweiten. Demnach sollen Einrichtungen der Jugendhilfe, Pflegeheime, Einrichtungen der Eingliederungshilfe, Krankenhäuser und Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen sowie Schulen und Kitas jetzt Antigen-Schnelltests nutzen können, und Personal, Bewohner und Besucher regelmäßig testen. Weil das Personal vor Ort mit den Testreihen aber häufig überfordert sei, schlägt die Arbeitskammer des Saarlandes (AK) vor, dass die Landesregierung den Behinderteneinrichtungen sowie den Alten- und Pflegeheimen mobile Testteams zur Verfügung stellen sollte.