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Neues Lothringer-Buch
15 Liebeserklärungen an die Lothringer

Saarbrücken. Von Silvia Buss

„Wir sind zunächst einmal Lothringer, folglich sind wir Melange, und wenn der Wind gut steht, können wir wegen mir auch noch Franzosen sein“, sagt die Wirtin des „Chez Tantine“ im Buch gleichen Namens von Walter Schwarz-Paqué. Moment mal. Schwarz-Paqué? Man kennt ihn als Saarbrücker Architekten und kurzzeitigen Kulturdezernenten. Doch der Mann hat nicht nur zusätzlich Literatur und Philosophie studiert, er hat auch literarische Ambitionen.


Nach „Farbenlehre“, einer Abrechnung mit der Politik aus seiner Dezernentenzeit, legt er jetzt ein zweites Buch vor, das sich eines ungleich heitereren Themas widmet: „Chez Tantine“ spürt in 15 Kurzgeschichten der Lebensart der Lothringer im Grenzgebiet nach.

Im Mittelpunkt stehen die bodenständige Wirtin Florence Rausch und ihr Gasthaus auf den Spicherer Höhen, wo Saarländer und Lothringer, erfahren im Hin-und-Her, Tisch an Tisch Schnecken und Paté speisen und auch sonst erstaunlich viele Gemeinsamkeiten aufweisen, wie etwa die Fähigkeit, nützliche Dinge aus dem Bergbau zu „organisieren“ und zu verwerten. Vom Wirtshaus unternimmt Schwarz-Paqué Ausflüge in die Geschichte und die Dorfpolitik, die noch schlimmer sei als die Stadtpolitik, wie er bei der Buchvorstellung im Haus der Architekten vor nahezu 100 Zuhörern sagte. Kundig und mit köstlichem Humor erzählt er vom Alltag, von historischen Ereignissen und Anekdoten, eingebildeten Architekten, anarchischen Protestaktionen und natürlich vom Essen. Alles basiere auf wahren Begebenheiten, die er nur etwas literarisch überhöht und von einem Ort zum anderen „verlegt“ habe, erklärt der Autor, der mit einem Bein im Saarland und mit dem anderen in Lothringen lebt.



Erschienen ist „Chez Tantine“ im Saarbrücker Geistkirch-Verlag und im Buchhandel erhältlich.