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Unterricht mit weltpolitischem Hintergrund
14 neue Fairtrade-Klassen aus Saarbrücken

Saarbrücken. Die Klassen mussten Aspekte des fairen Handels im Unterricht behandeln, eine Aktion dazu auf die Beine stellen und dafür sorgen, dass die Öffentlichkeit davon erfuhr.

„Eine schöne Veranstaltung“, so hört man es aus der Vorhalle des Rathauses am Donnerstagvormittag. Da sind sich die meisten einig: Fairtrade-Mitglieder, Politiker, Lehrer, Schüler und andere Akteure im Bereich Nachhaltigkeit geben sich die Hand und beglückwünschen sich. Im Schuljahr 2016/17 haben sich 59 Klassen um die Auszeichnung als Fairtrade-Klasse beworben und es auch geschafft, diesen Titel zu erhalten. 14 Klassen kommen dieses Jahr aus Saarbrücken, über 100 Faire-Klasse Auszeichnungen gab es in der Landeshauptstadt bisher, mittlerweile finden sich Nachahmer in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Nur durch besonderes Engagement im Bereich fairer Handel wird den Schülern die Ehre zuteil, eine der Urkunden zu erhalten. Die Auflagen der Fairtrade-Initiative sind: „Themenaspekte des fairen Handels sind im Unterricht zu behandeln, und eine entsprechende Aktion ist durchzuführen. Über diese Tätigkeit muss öffentlich berichtet werden, damit der Fairtrade-Gedanke so auch in der Schule und zu Hause verbreitet wird.“ Und das haben die Klassen alle bewerkstelligt. Am Donnerstagmorgen stellten sie sich alle kurz auf die Bühne und ließen sich mit der Oberbürgermeisterin fotografieren. Bei jeder Klasse wiederholte sich diese Prozedur. Was die Klassen von ihren Projekten berichteten, änderte  sich. „Wir haben uns zuerst mit Kinderrechten und Sklaverei beschäftigt und dann Mango-Lassis aus fairen Produkten hergestellt“, erklärte die Lehrerin einer 8. Klasse der Weißgerber-Schule Saarbrücken-Klarenthal, „das hat viel Spaß gemacht.“  Stolz halten sie das Banner hoch auf dem klar und deutlich steht: Wir sind eine Fairtrade-Klasse. „Wir haben dafür gesorgt, dass die Lehrer im Lehrerzimmer Fairtrade-Kaffee trinken“, erzählt einer der Schüler auf der Bühne. Von einer anderen Klasse sah man aufgeregt vier Schüler im Flur stehen mit Mikrofon und Kamera. Für ihr Medienprojekt hatten sie gerade ein Interview mit der Oberbürgermeisterin über fairen Handel und überlegten sich dann ihr weiteres Vorgehen. Auch die Ganztagsgemeinschaftsschule in Neunkirchen hatte sich etwas Besonderes ausgedacht. Ein Theaterstück, von dem sie auch an diesem Tag einen Ausschnitt präsentierte. Das Thema: Mobbing und Rassismus in der Schule. Kombiniert mit Gesang und Klavier berührte und faszinierte die kurze Einlage auch die jüngeren Schüler, die während der offiziellen Reden schon unruhig wurden. „Ich hatte Tränen in den Augen, als ich das Stück zum ersten Mal gesehen habe“, erinnert sich Katrin Frey vom Ministerium für Bildung und Kultur. Sie hatte das Stück schon bei einer vorherigen Veranstaltung gesehen. Die Kulisse und die Flyer zum Theaterstück wurden wiederum von anderen Schulen gestaltet. Von der Kreativität und Begeisterungsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen war auch der Projektkoordinator Peter Weichardt beeindruckt: „Vor sieben Jahren haben wir angefangen und sind auf die Schulen zugegangen und haben unsere bereits bestehenden Kontakte genutzt“, erinnerte er sich, „jetzt kommen die Klassen teilweise selbstständig auf uns zu und brauchen selten noch Hilfe von uns.“ So konnten mittlerweile 250 Fairtrade-Klassen insgesamt ausgezeichnet werden. Nach der offiziellen Veranstaltung, der Urkundenübergabe und etlichen Fotos gab es neben einem „Give away“, einem Bleisift in Plastikverpackung von der Stadt, auch einen fairen Umtrunk aus To-Go-Wegwerfbechern der Landeshauptstadt.



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