10 Jahre Montessori-Pädagogik im Saarland

Eine saarländische Erfolgssory : Montessori-Schule feiert zehnjähriges Bestehen

Zehn Jahre Montessori-Pädagogik: Feierlichkeiten in der Gemeinschaftsschule mit Bildungsminister und vielen anderen Gästen.

Da bewiesen die Montessori-Schüler viel Selbstironie: In einem kurzen Sketch, eingeübt während der Projektwoche Ende vergangenen Jahres, stellten sie am Samstagmorgen den Alltag in ihrer Schule mit der besonderen Pädagogik vor. Dabei kamen die Schüler pünktlich, aber auch mal zu spät in den Unterricht zur Wochenend-Erzählrunde. Die Tränen einer Schülerin quittierte die Lehrerin mit den einfühlsamen Worten „Wollt ihr eine Mädels-Runde?“. Ein anderer Schüler hatte eine Pflanze im Arm und erzählte: „Ich war mit meinem Baum Hans-Günther unterwegs“. Gleichzeitig freute er sich, dass eine Blumenwiese angelegt werden sollte. So bekomme Hans-Günther ebenfalls ein paar Freunde. „Mehr Montessori geht nicht“, kommentierte ein Mitschüler.

Eingebettet war die Szene in die Feier zum zehnjährigen Bestehen des Montessori-Zentrums Saar. Dabei habe es anfangs durchaus große Widerstände gegeben, wie Uli Basselli erzählte. Der ehemalige Leiter und Mitgründer der Gemeinschaftsschule/Gesamtschule, die vor wenigen Jahren von Schafbrücke nach Friedrichsthal zog, rekapitulierte, dass es bereits Ende der 70er/Anfang der 80er Bestrebungen gab, eine solche Pädagogik zu unterrichten. Seinerzeit hieß es noch, dass das Saarland kein Montessori brauche. Nach einigen Foren, die man veranstaltete, und als die Schule am Matzenberg geschlossen werden sollte, reichte man erneut einen Antrag ein, der diesmal zu seiner Verwunderung angenommen wurde. Letztlich öffnete die Schule vor zehn Jahren in Schafbrücke. „Man müsste viel mehr Kindern wünschen, dass sie so lernen könnten“, sagte Basselli.

Was genau die Pädagogik ausmacht, erläuterte Anette Dragan, die jetzige Schulleiterin: „Es geht darum, integre und reflektierte Kinder zu entlassen.“ Sie sollten praktisch lernen, Verantwortung zu übernehmen und sich ihrer freien Gedanken zu bedienen. Sie bedankte sich bei dem Trägerverein: „Ihr sichert uns die Schule und die Arbeitsplätze.“

Bildungsminister Ulrich Commerçon erklärte, er finde es schade, dass es nicht gelungen sei, den Montessori-Gedanken ins öffentliche Schulsystem zu transportieren. Er habe den Werdegang der Schule seit der Öffnung fest im Blick. Zwar seien zehn Jahre für eine Schule kein großes Alter, doch  in diesem Fall sei es eine sehr erfolgreiche Zeit. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass man mit dem Umzug von Schafbrücke nach Friedrichsthal „gemeinsam einen cleveren Schachzug“ gemacht habe. Denn so habe die Stadt noch eine weiterführende Schule.

Genauso sah es auch Bürgermeister Rolf Schultheis: „Das war ein Gewinn für die Stadt.“ Nach dem Umzug der Edith-Stein-Schule nach Quierschied hätte das Gebäude sonst leer gestanden. So habe man direkt eine neue Nutzung gefunden, wie er abseits des offiziellen Teils erzählte. Schüler, Lehrer und Eltern brächten sich auch sehr gut ins Stadtleben ein. Er hob hervor, dass die kleinste Stadt des Saarlandes mit fünf Schulen sehr gut aufgestellt sei.

„Die Montessori-Schule ergänzt das bereits bestehende Schulangebot“, stimmte Manfred Maurer zu. Der Erste ehrenamtliche Beigeordnete im Regionalverband Saarbrücken wies darauf hin, dass es wichtig für das Sulzbach- und Fischbachtal sei, dass es diese weiterführende Schule gebe und man so noch einen weiteren Bildungsweg anbieten könne.

Neben dem eingangs erwähnten Theaterstück hatten sich Schüler, Lehrer und Eltern auch noch weitere Aktionen einfallen lassen, um das runde Jubiläum standesgemäß zu feiern. So wurde Flammkuchen, Pizza und Domola angeboten – ein Reisgericht mit Gemüse und Erdnusssoße. Neben Kinderschminken und einem kleinen Spiele-Parcours stellte sich auch die Unified-Floor-Schulmannschaft vor. Diese wiesen auf den 4. Special Run in St. Ingbert am 23. September hin. Dabei können Menschen mit und ohne Behinderung Laufabzeichen verschiedenster Leistungsstufen ablegen.

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