Tag der Organspende: Saarbrücken wird „Treffpunkt des Lebens“

Tag der Organspende : Saarbrücken wird „Treffpunkt des Lebens“

Am 2. Juni findet die bundesweit zentrale Veranstaltung zum „Tag der Organspende“ im Saarland statt und lockt mit Aktionen und Musik.

Sind Saarländer überdurchschnittlich mitfühlende Menschen? Als Organspender jedenfalls haben sie die Nase extrem weit vorn. Mit 16 Organspendern pro einer Million Einwohner liegt das Saarland deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 9,7 Spendern. Dementsprechend positiv ist die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) auf das Saarland zu sprechen. Wer dort anruft, hört viel Gutes über die Rührigkeit hiesiger Initiativen, etwa des Infoteams Organspende Saar e.V. oder von Niere Saar e.V.

„Das Saarland ist super vernetzt und das Engagement sehr groß, deshalb funktioniert es mit den Organspenden so gut“, sagt Dr. Ana Barreiros, Geschäftsführende Ärztin der DSO-Region Mitte, zu der auch das Saarland gehört. Man darf das so sehen: Das Saarland macht zumindest in Ansätzen vor, wie eine „Kultur der Organspende“ aussehen könnte, die der Vorstand der DSO, Dr. Axel Rahmel, für das beste Instrument hält, um die 2017 auf einen historischen Tiefstand gesackten Organspende-Zahlen zu steigern. Dazu dient auch die Institution des „Tages der Organspende“, mit dem die DSO motivierende Signale aussenden möchte.

Am 2. Juni kommt diese Zentralveranstaltung nun ins Saarland, mit Dankgottesdient in der Ludwigskirche, Info-Zelten und Aktionen auf dem Saarbrücker Tbilisser Platz („Treffpunkt des Lebens“), inklusive Bühnen-Musikprogramm. Unter anderem treten Elaiza, Fools Garden und Detlev Schönauer auf. Getragen wird der „Tag der Organspende“ von der DSO, Patientenverbänden, der Deutschen Transplantationsgesellschaft und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung; die Schirmherrschaft hat Ministerpräsident Tobias Hans (CDU).

Der evangelische Seelsorger am Saarbrücker Winterberg-Klinikum, Peter Sorg, der den Gottesdienst am 2. Juni mitgestalten wird, kennt die Gewissensnöte der Angehörigen, an die die Ärzte den Vorschlag einer Organentnahme herantragen. Die Angehörigen müssen auch dann zustimmen, wenn ein Organspendeausweis oder eine Patientenverfügung mit einer ausdrücklichen Erlaubnis vorliegt. „Die meisten Angehörigen sind von der Situation überfordert“, sagt Sorg. Er ist zwar ein Organspende-Verfechter, doch für ihn steht bei Gesprächen im Vordergrund, herauszufinden, womit die Hinterbliebenen klar kommen: „Ich sage den Menschen: Nicht der Tote, ihr müsst den Rest eures Lebens damit leben können. In diesem Sinn müsst ihr euch entscheiden.“

Deshalb sagt Sorg, jeder, der seine Familie liebe, solle ihr die Situation erleichtern: „Entscheidet euch zu Lebzeiten, egal wie, auch dagegen, wenn es sich für euch richtig anfühlt. Aber entscheidet euch.“ Die meisten Menschen wüssten nicht, dass man im Organspendeausweis just auch diese Option ankreuzen könne, eben keine Organspende zuzulassen. Sorg hält die Organspende  für einen christlich-selbstlosen Akt: „Ein Organ zu spenden, heißt die Liebe und das Leben nach seinem Tod weiterzutragen“, so Sorg.

Um Einschätzungen wie diese zu hören, um mit Angehörigen und transplantierten „Geretteten“ in Kontakt zu kommen, dafür ist der „Tag der Organspende“ gedacht. Es ist ein Mutmach- und Mitmach-Tag, die  gesundheitspolitische Problem- und Konfliktlage wird von den Veranstaltern nicht in den Vordergrund gerückt. Etwa die Frage, ob die Transplantationsbeauftragten an den Entnahme-Kliniken – 20 gibt es hier zu Lande – womöglich zu wenig Zeit haben, um ihre Aufgabe zu erfüllen. Auch wird politisch diskutiert, warum Organentnahmen in Deutschland weniger gut honoriert werden als in anderen Ländern. Auch müssten „Blockaden“ in Patientenverfügungen entfallen, denn die halten oft fest, der Patient wünsche „keinerlei lebensverlängernde Maßnahmen“. Doch just die sind zumindest kurzzeitig notwendig, damit das Organ zum Spender gelangen kann. Wahrlich, es gäbe noch viele Stellschrauben, um das Wachsen der „Kultur der Organspende“ zu fördern.

Akut ist Folgendes: Gestern hat der Deutsche Ärztetag eine Änderung des Bundes-Transplantationsgesetzes gefordert. Die Ärzte wollen die „Widerspruchslösung“ durchsetzen: Menschen sollen automatisch als Organspender gelten, es sei denn, sie haben einer Entnahme aktiv widersprochen. Bundes-Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) spricht sich allerdings gegen diese „Zwangslösung“ aus.