Austausch mit Politikern Bürgerdialog zur Europawahl: Saarländer wollen zweisprachige Schilder, mehr Französisch und Klimaschutz

Saarbrücken · Beim Bürgerdialog der Europa-Union in Saarbrücken diskutierten Politiker und Besucher über die Zukunft der EU, Gefahren von Rechts und warum Sprachpolitik in unserer Region weiter gefördert werden muss.

 Am 9. Juni findet die Europawahl statt.

Am 9. Juni findet die Europawahl statt.

Foto: dpa/Patrick Pleul

In rund vier Monaten wird das neue Europäische Parlament gewählt. Ein Blick auf aktuelle Umfragen lässt erahnen, dass in vielen EU-Mitgliedsstaaten derzeit nationalistische und rechtsextremistische Parteien gute Chancen haben, die Stimmenmehrheit zu erreichen. Diese Entwicklung beobachtet die überparteiliche Vereinigung Europa-Union Deutschland mit Sorge. Mit sogenannten europäischen Bürgerdialogen möchte sie die pro-europäische Haltung in der Bevölkerung stärken.

Der Auftakt der bundesweiten Veranstaltungsreihe fand am Wochenende im Festsaal des Saarbrücker Schlosses in Kooperation mit der Europa-Union Saar statt. Mehr als 100 Menschen waren gekommen, um mit EU-Parlamentsmitglied Manuela Ripa (ÖDP), Regionalverbandsdirektor Peter Gillo (SPD) und Roland Theis, Spitzenkandidat der CDU-Saar für die Europa-Wahl, über ihre Anliegen zu diskutieren.

Grenzregion ist gelebtes Europa

Worum es bei der Wahl am 9. Juni geht, fasste Theis zu Beginn zusammen. Es stehe die Entscheidung zwischen „der europäischen Gründungsidee Robert Schumans oder dem Rückentwicklungsprojekt der Rechten“ an, sagte er. Alle Diskussionsteilnehmer waren sich darüber einig, dass die Grenzregion zwischen dem Saarland, Moselle und Luxemburg gelebtes Europa ist. Problematisch seien jedoch hohe bürokratische Hürden, die die Zusammenarbeit erschweren und politisch bisher zu wenig angegangen würden. „Manche Journalisten beim SR haben mehr grenzüberschreitende Expertise als einige Ministerien,“ kritisierte Theis die Landesregierung scharf. Manuela Ripa, machte sich Sorgen über den Ausgang der Wahl. Zukünftig könne die Zusammenarbeit in der Grenzregion unter dem Erfolg des rechtspopulistischen Rassemblement National (RN) leiden, so Ripa. Dessen Kandidatin Marine Le Pen hatte 2022 bei den französischen Präsidentschaftswahlen im ersten Wahlgang die Stimmenmehrheit im Département Moselle erreicht.

Sprachpolitik liegt besonders am Herzen

Besonders am Herzen lag vielen Bürgern die Sprachpolitik in der Grenzregion. Im Saarland müsse das Französische mehr gefördert werden, insbesondere im Alltag durch Schüleraustausche, zweisprachige öffentliche Beschilderung und Veranstaltungen, wünschten sich die Teilnehmer im Publikum. Danach gefragt, welche Prioritäten die EU-Politik nach den Wahlen setzen müsste, nannten sie am häufigsten Demokratiebildung, Spracherwerb und Klimaschutz. Dass sich die Besucher des Bürgerdialogs für die Belange der EU interessieren, stand außer Frage. Doch es gelte auch, die anderen zu erreichen. „Wir, Pro-Europäer, müssen mit den Menschen in Diskurs treten, denen Europa nicht so wichtig ist“, appellierte Regionalverbandsdirektor Gillo abschließend.

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