Saarbrücken und Ottweiler lehnen Feuerwerksverbot ab

Feinstaubbelastung : Saarbrücken und Ottweiler lehnen Feuerwerksverbot ab

Trotz hoher Feinstaubbelastung in der Silvesternacht sehen die Städte keinen Handlungsbedarf. Das Umweltbundesamt warnt vor den Gefahren.

Zu einem Feuerwerksverbot wegen der Feinstaubbelastung wird es in Saarbrücken und Ottweiler nicht kommen. Nachdem die Werte für die Feinstaubbelastung an manchen Messstationen während des Jahreswechsels drastisch gestiegen waren (wir berichteten), haben sich nun die Städte dazu geäußert. „Es war zu erwarten, dass sich durch das Feuerwerk die Messwerte für Feinstaub in Saarbrücken kurzzeitig erhöhen werden“, erklärt Thomas Blug, Pressesprecher der Stadt Saarbrücken. In Ottweiler sieht es ähnlich aus. „Die Feinstaubbelastung in der Silvesternacht ist ein singuläres Ereignis und besitzt keine repräsentative Aussage für die gesamte Stadt“, teilt Bürgermeister Holger Schäfer (CDU) mit.

Beide Städte haben auf das Jahr gesehen keine Probleme mit erhöhten Feinstaubwerten. „Der erwähnte Grenzwert darf, aufs Jahr betrachtet, laut der gesetzlichen Grundlagen sogar 35 Mal überschritten werden“, sagt der Bürgermeister aus Ottweiler. Gleiches gilt auch für die Landeshauptstadt. „Der Tagesmittelwert lag am 1. Januar wegen des Feuerwerks zwar über dem Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft“, sagt Blug. Doch von den 35 Tagesüberschreitungen im Jahr sei Saarbrücken auch 2018 wieder „weit entfernt“ gewesen.

Allerdings wird in einem Artikel des Umweltbundesamtes auf die Zusammenhänge zwischen Feuerwerk und Feinstaubbelastung verwiesen. Jedes Jahr steigen bundesweit die Zahlen der Feinstaubbelastung während der Silvesternacht massiv an. Meist werden die Jahresdurchschnittswerte punktuell um ein Vielfaches überschritten. So auch an den Messpunkten in der Mainzer Straße in Saarbrücken und an der Martin-Luther-Straße in Ottweiler.

Dabei verweist das Umweltbundesamt auf die Gefahren durch die erhöhten Feinstaubwerte. So kann das Einatmen zu einer vorübergehenden Beeinträchtigung der Atemwege führen. Aber auch der Medikamentenkonsum von Asthmatikern kann steigen. In extremen Fällen können Atemwegserkrankungen oder Herz-Kreislauf-Probleme die Folge sein. Diese Belastung für die Atemwege und den Kreislauf bilden zusätzliche Risiken neben den üblichen Verletzungen, die jedes Jahr beim Feuerwerkzünden passieren.

Wie schnell sich die Feinstaubwerte normalisieren hängt, nach Angaben des Umweltbundesamtes von der jeweiligen Wetterlage ab. So verteilen sich die Schadstoffe bei starken Windverhältnissen schneller als bei windschwachen Wettersituationen – was eine zusätzliche Belastung darstellt. In Saarbrücken normalisierten sich die Werte nach drei Stunden wieder. In Ottweiler dauerte die Normalisierung aufgrund der Wetterlage etwas länger an.

Auch in der Gesellschaft werden Forderungen zumindest nach teilweise greifenden Böllerverboten laut. So sprechen sich laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag des Redaktionsnetzwerks Deutschland ungefähr drei Viertel der Deutschen für ein solches Verbot aus. Rund 75 Prozent der Befragten befürworten ein lokales, innerstädtisches oder sogar vollständiges Verbot von Feuerwerkskörpern an Silvester. In einigen Innenstädten Deutschlands bestehen bereits solche partiellen Verbote. So wurden zum Jahreswechsel Feuerwerksverbote in Teilen der Innenstädte von Hannover, Dortmund, Göttingen und München ausgesprochen. In der Düsseldorfer Altstadt war alleine das Mitführen von Feuerwerkskörpern verboten.

Allerdings stehen die Verbote nicht im direkten Zusammenhang mit der Feinstaubbelastung, denn vor allem der bleibende Müll und das hohe Verletzungsrisiko werden als Hauptprobleme der Feuerwerksgegner angeführt. Dennoch rät das Umweltbundesamt, auf das private Feuerwerk zu verzichten, um allen Risiken und der Feinstaubbelastung entgegenzuwirken.

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