Saarbrücken: Angeklagte gibt Tötung von Ex-Freund zu

Kostenpflichtiger Inhalt: Geständnis in Mord-Prozess : Tödliche Schüsse auf Familienvater in Püttlingen aus Wut und Eifersucht

Eine 58 Jahre alte Saarländerin hat vor dem Landgericht zugegeben, dass sie ihren langjährigen Ex-Freund „aus Wut und Eifersucht“ erschossen hat. Der Mann hatte sich 2012 einer anderen Frau zugewandt und mit ihr eine Familie mit Kindern gegründet.

Warum erschießt eine damals 57 Jahre alte Frau mitten in Püttlingen auf offener Straße einen Familienvater (46) vor der Tür von dessen Massage-Praxis? Seit Bekanntwerden der spektakulären Bluttat vom Februar dieses Jahres warten die Angehörigen des Opfers, Freunde, Bekannte und weite Teile der Öffentlichkeit auf die Antwort nach dem „warum nur?“ Jetzt wurde die Frage im mit Zuschauern und Medienvertretern voll besetzten Sitzungssaal des Schwurgerichts in Saarbrücken beantwortet.

In diesem wuchtigen, mit Holz verkleideten Saal aus der Kaiserzeit muss sich die Schützin, sie ist mittlerweile 58 Jahre alt, wegen Mordes verantworten. Der Oberstaatsanwalt wirft ihr konkret vor, am Abend des 7. Februar in Püttlingen-Köllerbach dem 46-Jährigen vor dessen Praxis aufgelauert zu haben. Dabei sei die Sportschützin mit einer Pistole der Marke Heckler und Koch bewaffnet gewesen. Als der Mann seine Praxis gegen 19.22 verließ und die Tür absperren wollte, sei seine frühere Lebensgefährtin auf ihn zugegangen und habe vier Schüsse auf ihr arg- und wehrloses Opfer abgegeben. Anschließend habe sie sich in die Nachbarschaft des Anwesens begeben, die Pistole abgelegt und die Polizei informieren lassen. Dann sei sie zurück zum Opfer gegangen, habe dort auf die Polizei gewartet und sich widerstandslos festnehmen lassen.

Zum Prozessauftakt Ende Juli war diese Anklageschrift verlesen worden. Danach wurde der Prozess vertagt. Am heutigen zweiten Tag war die Einlassung der Angeklagten zu ihrer Person und zur Sache geplant. Viele Medienvertreter und Zuschauern waren deshalb in den altehrwürdigen Sitzungssaal gekommen. Die Angeklagte – und damit die eigentliche Hauptperson dieses Tages – wirkte in dem großen Raum seltsam verloren. Sie machte sich ganz klein auf der Anklagebank in ihrem schwarzen T-Shirt. Mit verschränkten Armen und in Richtung Tisch gebeugt saß sie da. Die langen Haare mit Mittelscheitel fielen nach vorne und bedeckten das Gesicht der Frau. Sie bewegte sich kaum und sagte kein lautes Wort.

Stattdessen redete ihr Pflichtverteidiger für die 58-Jährige. Der Anwalt kündigte an, dass er sich im Namen seiner Mandantin äußern werde. Und diese Äußerungen waren denkbar kurz: Zur Person verweise man auf die umfassenden Angaben beim psychiatrischen Sachverständigen, der die Schuldfähigkeit der Angeklagten zur Tatzeit untersucht habe. Und mit Blick auf die Sache gebe die Beschuldigte folgende Erklärung ab: Sie räume den Tatvorwurf so ein, wie in der Anklage beschrieben. Das Motiv seien „Wut und Eifersucht“ gewesen. Und weiter, nach einer kurzen Pause zum Luftholen: „Sie bereut das, was passiert ist.“ Mehr möchte sie dazu nicht sagen.

Nach diesem kurzen Geständnis bleibt unklar, woher „Wut und Eifersucht“ gekommen sein könnten. Erste mögliche Anhaltspunkte für die Ursachen lieferte die Mutter des erschossenen Saarländers. Sie lebt seit 1991 in Niedersachen, hielt aber regelmäßig Kontakt zu ihrem Sohn und tritt vor Gericht als Nebenklägerin auf. Sie kennt die Angeklagte persönlich aus der Zeit von deren Beziehung mit ihrem Sohn. Zu dieser früheren Partnerschaft zwischen Täterin und Opfer sagte die 61-Jährige: Die beiden seien 16 Jahre lang ein Paar gewesen. Ihr damaliger Eindruck aus der Ferne: „Ich kenne die beiden nur in einer harmonischen Beziehung.“ Sie sei deshalb überrascht gewesen, dass „da plötzlich ein Bruch war“. Das sei Ende 2012 gewesen.

Damals habe die allgemein als sehr verschlossen beschriebene, spätere Todesschützin von jemand außerhalb der Familie erfahren, dass ihr Partner eine andere Beziehung zu einer Frau eingegangen sei. Die damals 51 Jahre Angeklagte habe sich daraufhin von dem Mann getrennt, sich eine eigene Wohnung gesucht und das gemeinsame Haus verlassen. Das habe etwa ein/zwei Monate gedauert, so die Mutter des Getöteten weiter. Unmittelbar nach dem Auszug sei die neue Partnerin ihres Sohnes in das Haus eingezogen. Die heutige Angeklagte sei damals „am Boden zerstört und tief schockiert gewesen.“ Seit jener Zeit – so die Mutter als Zeugin weiter – habe sie keinen Kontakt mehr zu der Ex-Partnerin ihres Sohnes gehabt. Diese habe zwar gesagt, sie melde sich bei ihr. Aber das sei nicht passiert.

Nach dem Auszug der Frau passierte aber etwa anders – das bis heute rätselhaft bleibt. Es gab einem Einbruch in das Haus, in dem ihr Sohn nun mit seiner neuen Partnerin lebte. Dabei seien wohl zielgerichtet Sachen ihres Sohnes zerstört worden. Es wurde aber nie geklärt, wer für diese Tat verantwortlich gewesen ist. Das Haus sei später verkauft, der Erlös zwischen ihrem Sohn und seiner Ex-Partnerin aufgeteilt worden. Damals – das dürfte 2015 gewesen sein – hätten beide schon lange nicht mehr direkt miteinander geredet sondern nur noch über ihre Anwälte. Ihr Sohn und seine neue Familie seien dann in ein anders Haus gezogen. Zwei gemeinsame Kinder habe das Paar bekommen. Beide sind noch klein und gehen noch nicht zur Schule. Es war offenbar eine glückliche Familie.

Vielleicht war es dieses Glück, das die allein und völlig zurückgezogen lebende Angeklagte wütend und eifersüchtig gemacht hat. So wütend, dass sie ihren mehr als zehn Jahre jüngeren Ex-Lebensgefährten am Abend des 7. Februar vor dessen Praxis erschossen hat. Danach setzte sie sich in der Nähe des Toten mit dem Rücken an einem Schaufenster auf den Boden und machte nichts. Sie wartete auf die Polizei. Und jetzt wartet die Angeklagte in dem großen Sitzungssaal des Schwurgerichts offenbar erneut. Sie wartet mit gesenktem Kopf auf das Urteil des Gerichts und auf ihre Strafe. Der Prozess wird fortgesetzt.

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