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Zugausfälle auf den Strecken der Vlexx im Saarland wohl nur bis Februar

Kostenpflichtiger Inhalt: Springt die Deutsche Bahn ein? : Hoffnung für Vlexx-Kunden im Saarland

Möglicherweise springt die Deutsche Bahn ein, damit die Züge auf den eigentlich von Vlexx betriebenen Strecken wieder fahrplanmäßig rollen.

Für Vlexx-Kunden hat der Ärger über Zugausfälle wohl bald ein Ende. Unter anderem wegen Personalmangels sind seit Dezember viele Verbindungen auf den Strecken der Privatbahn Vier-Länder-Express im Saarland ausgefallen. Es gilt ein Ersatzfahrplan. Nun sollen ab Februar die Züge wieder nach dem regulären Plan fahren. Allerdings ist wohl nicht klar, wer diese stellen wird: die Privatbahn Vlexx oder überraschenderweise wieder vermehrt die Deutsche-Bahn-Tochter DB Regio.

Denn nach SZ-Informationen soll die Vlexx einige Verbindungen abgeben. Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember könnten somit einige Fahrten wieder von der DB Regio übernommen werden, die 2017 Ausschreibungen an das Mainzer Unternehmen verloren hatte. Vlexx wollte auf Anfrage nur bestätigen, dass das Ziel sei, den „Regelfahrbetrieb ab Februar wieder zu gewährleisten“. Ob durch Vlexx oder DB? Darauf gab die Sprecherin keine Antwort. Die Geschäftsführung war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Das saarländische Verkehrsministerium bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung nur: „Verhandlungen laufen auf Hochtouren, dass ab 1. Februar das Verkehrsangebot wieder in vollem Umfang gefahren werden kann. Die dafür notwendigen Verhandlungen zwischen Vlexx und DB Regio mit dem Verkehrsministerium als Vermittler sind auf einem guten Weg und stehen kurz vor dem Abschluss.“ Details wollte man nicht nennen.

Seit einigen Jahren sind zwei unterschiedliche Eisenbahnunternehmen im saarländischen Schienennetz unterwegs. Ende 2014 begann Vlexx mit der Strecke von Saarbrücken zum Flughafen Frankfurt. Nicht zuletzt wegen Zugausfällen und Verspätungen, auch damals wegen Personalmangels, war die Kritik einiger Politiker groß, als Vlexx sich 2017 als billigster Anbieter auf einigen Strecken gegen die DB durchsetzte.

Auf der Strecke Schweich – Trier – Saarbrücken – Kaiserslautern fährt weiterhin die bisherige Betreiberin DB Regio. Vlexx bedient seit Dezember vergangenen Jahres die Strecken Saarbrücken – Lebach-Jarbach, Saarbrücken – Neubrücke, Saarbrücken – Homburg und Homburg – Illingen. Allerdings mit teilweise abgespecktem Fahrplan. Etwa die Linie RB 76 (Saarbrücken – Neunkirchen – Homburg) wurde wohl ersatzlos gestrichen. Das hatte im Landkreis Neunkirchen für erheblichen Unmut gesorgt. Es dürfe nicht sein, dass die Menschen, die auf den ÖPNV angewiesen sind, die Verfehlungen eines Privatunternehmens ausbaden müssten, sagte Oberbürgermeister Jörg Aumann (SPD) damals zur SZ. Ein Unternehmen habe – wenn es so eine wichtige Aufgabe wie den ÖPNV übernimmt – auch dafür Sorge zu tragen, dass es diese Aufgabe mit ausreichend Personal leisten kann. Aumanns Unmut hatten sich weitere Bürgermeister von Gemeinden angeschlossen.

Als Grund für Ausfälle gibt Vlexx, die über die Muttergesellschaft Netinera zur italienischen Staatsbahn gehört, aber nicht nur Personalprobleme an, sondern auch Produktions- und Lieferschwierigkeiten bei neuen Zügen vom kanadischen Zug- und Flugzeughersteller Bombardier. Vlexx musste in der Zwischenzeit vom Land 20 Züge mieten. Die Deutsche Bahn hatte diese vom Land geförderten Bahnen bis dahin genutzt. Sie gingen im Dezember wieder in den Besitz des Saarlandes über. Problem dabei: Jedes Modell fährt sich anders. Lokführer müssen also erst einmal auf den neuen Zügen geschult werden. Das verstärkt laut Vlexx die ohnehin knappe Personallage.

Vlexx dürfte zurzeit sowohl auf den Kosten für die Miete der Ersatzfahrzeuge als auch auf Strafzahlungen an das Land für die Ausfälle sitzen. Das hatte Staatssekretär Jürgen Barke (SPD) im Sommer bereits angekündigt, ohne genaue Summen zu nennen. Vlexx dürfte damit ein Interesse daran haben, einige Fahrten abzugeben. Wie die Verhandlungen ausgehen, ob der Regelfahrplan wirklich ab 1. Februar wieder gilt und wer ihn schließlich bedient, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.