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Zimmer von Hotels im Saarland als Büroräume und Quarantäne-Stationen

Wege aus der Krise : Corona bringt Saar-Hotels auf neue Ideen

Häuser bieten ihre Zimmer unter anderem als Büroräume für Geschäftsleute oder als Quarantäne-Standort für die Landesregierung an.

Die saarländische Gastronomie und Hotellerie hat unter den Folgen der Corona-Krise heftig zu leiden. Vielen ist über Nacht ihr komplettes Geschäftsmodell weggebrochen. Und je länger die staatlich verordneten Einschränkungen andauern, desto unklarer ist auch, wie viele Betriebe nach einer schrittweisen Phase der Normalisierung des gewohnten Lebens überhaupt noch einmal werden öffnen können. Zumal es vielen Betreibern von Restaurants, Gaststätten, Freiluftlokalen und Hotels, die oft von Familien betrieben werden, häufig auch an finanziellen Reserven fehlt. Vieles ist Spitz auf Knopf genäht, nicht auf längere Durststrecken ausgelegt. Da kann es trotz staatlicher Finanzhilfe schnell eng werden, zumal in diesem Jahr trotz besten Wetters auch große Teile der Freiluftsaison als Einnahmequelle verloren gehen. Corona macht alle Planungen zunichte.

Es gibt jedoch auch in Krisenzeiten pfiffige Geschäftsleute in der Saar-Gastronomie und Hotellerie, die hohe Flexibilität und Kreativität an den Tag legen. Einer davon ist der Saarbrücker Hotellier Björn Gehl-Bumb, der zusammen mit seiner Frau Michaela das Hotel am Triller betreibt. Gehl-Bumb, der auch Mitglied im Vorstand des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Saarland (Dehoga) ist, sieht für Hoteliers derzeit eine gute Möglichkeit, einen aktiven Beitrag zur Bewältigung der Corona-Krise zu leisten.

So kann Gehl-Bumb nicht verstehen, wieso im Saarland mitten in der Corona-Krise angesichts einer Bettenverknappung in Krankenhäusern Turnhallen als Alternativen angemietet werden, während die Hotels im Land geschlossen bleiben müssen. Menschen, die für 14 Tage von einer Quarantäne betroffen sind, könne man in einem Hotel einen angemesseneren Lebensstandard bieten als in einer Turnhalle. „Die Zimmer stehen doch leer. Warum soll man die nicht nutzen?“, fragt Gehl-Bumb. Eine Voraussetzung sei allerdings, dass das Land oder die jeweils zuständige Kommune als Mieter eines Hotels die Risiken trägt, also das Fach- und Pflegepersonal bereitstellt und die Kosten übernimmt. „Die Hotels können die Immobilie anbieten. Das ist der Beitrag der Hoteliers inmitten der Corona-Krise“, so Gehl-Bumb. Ebenso sollte es seiner Ansicht nach möglich sein, Pflegepersonal in einem Hotel unterzubringen, was die Wege zu ihren Einsatzorten in Krankenhäusern erheblich verkürze und zugleich Pendlerverkehr einschränke.

Auch andere Modelle hält Gehl-Bumb jetzt in der Saar-Hotellerie für denkbar. So könnten für einen Übergangszeitraum Betreuungs-Einrichtungen Hotelzimmer anmieten zum Schutz für Frauen und Kinder, die zuvor Opfer von Gewalt geworden sind. Dies habe zum Beispiel der Berliner Senat bereits getan. Eine weitere Möglichkeit für Saar-Hoteliers sieht Gehl-Bumb darin, „Hotel-Office“ als Alternative zum Home-Office anzubieten. So könne man beispielsweise ein Paket aus Zimmer mit Schreibtisch, Internetanbindung, Badezimmer, Parkplatz und Verpflegung über „To-Go“-Pakete mit Frühstück, Lunch sowie Getränkeversorgung zur Verfügung stellen. In vielen Fällen könne man so ruhiger arbeiten als zu Hause. Das Hotel am Triller bietet diese Möglichkeit jetzt an, weitere Hotels im Saarland folgen.

Und noch einen weiteren Vorschlag hat Hotelier Gehl-Bumb der saarländischen Landesregierung gemacht. Da das Hotel am Triller nur wenige Minuten von der Staatskanzlei beziehungsweise dem Regierungsviertel entfernt ist, bietet Gehl-Bumb der Regierung an, für die Dauer der Corona-Krise mit allen systemrelevanten Entscheidern im Hotel am Triller in eine sichere Quarantäne-Atmosphäre einzuziehen. Vom Ministerpräsidenten über die Minister bis hin zu Krisenstäben. Dieser Personenkreis könne dann dort arbeiten und wohnen. Er müsse auch nicht nach Hause fahren. Zahlreiche Wege würden überflüssig, was die Gefahr erheblich minimiere, sich in der Öffentlichkeit mit dem Coronavirus zu infizieren.

Arbeitsräume, Konferenzschaltungen, eine eigene Glasfaser-Anbindung sowie Verpflegung stünden jederzeit zur Verfügung. Gehl-Bumb habe das Angebot per E-Mail an die Verantwortlichen im Land und im Regionalverband gesendet. Antworten stünden noch aus, sagt er.

Antworten auf andere Fragen hätte auch gerne Angelika Hießerich-Peter, die in Mettlach das Haus Schons mit insgesamt neun Zimmer betreibt. Warum es zum Beispiel so lange dauert, bis die bereits zugesagten finanziellen Soforthilfen des Landes und des Bundes eintreffen. Entsprechende Anträge habe sie schon am 26. März beziehungsweise 2. April gestellt und bisher nichts gehört. „Den Namen Soforthilfe verdienen sie nicht“, sagt Hießerich-Peter. Sehr schnell habe dagegen das Finanzamt geholfen. Hießerich-Peter versucht ebenfalls, Geschäftsleuten und Arbeitnehmern ein „Hotel-Office“ zur Verfügung zu stellen, um wenigstens etwas tun zu können. Denn sie muss zugleich hilflos mit ansehen, wie ihre wichtigsten Gäste ausbleiben: Rad- und Wandertouristen.

Jetzt würde eigentlich die Saison beginnen. Doch auch für die Zeit im Sommer und danach sieht sie eher schwarz. Denn längst nicht jeder werde sich nach der Corona-Krise und einer Phase von Kurzarbeit gleich einen Urlaub leisten können oder wollen. Zudem kämen Rad- und Wandertouristen als Alternative nicht plötzlich im November oder Dezember.

Hießerich-Peter setzt deshalb angesichts der großen Herausforderung durch Corona auch auf eine besondere Flexibilität an anderer Stelle. Ihrer Ansicht nach sollen Tourismus-Schaffende und Veranstalter von Festen sowie anderer Kulturereignisse jetzt die Köpfe zusammenstecken. Im Mittelpunkt müssten Überlegungen stehen, ob man solche Ereignisse ausnahmsweise im Herbst oder Winter nachholen könne, vielleicht dann in einer Halle statt draußen. Über eine Begrenzung der Teilnehmerzahl zum Schutz könne man ja auch nachdenken. Eine solche Verlegung helfe auch dem Tourismus sowie den Gastronomen und Hoteliers, da dann mehr Gäste kämen als sonst im Herbst und Winter. Denn vor einer Entwicklung warnt Hießerich-Peter: „Jeder Tag, den wir jetzt wegen Corona länger warten müssen, bringt viele von uns an den Rand des Total-Stillstands. Nicht wenige Betriebe würden dann für immer vom Markt verschwinden.“ Dies könne niemand wollen.