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ZF stoppt Produktion in Saarbrücken komplett

Kostenpflichtiger Inhalt: Folgen der Corona-Krise : ZF stoppt Produktion in Saarbrücken komplett, Bosch in Homburg teilweise

Beide Konzerne wollen damit die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus für die Mitarbeiter reduzieren und reagieren auf den Nachfragerückgang aus der Autoindustrie. Insgesamt 30 000 Mitarbeiter in der saarländischen Automobilbranche könnten von Kurzarbeit betroffen sein.

Der Automobilzulieferer ZF wird seine Produktion am Standort Saarbrücken ab kommenden Montag vollständig einstellen. „Diese Unterbrechung wird vorerst zwei Wochen dauern“, erklärte Alexander Wortberg, Standortleiter in Saarbrücken am Freitag. Eine Vereinbarung zwischen Unternehmen und Betriebsrat erlaube, „weite Teile von Produktion und Verwaltung ruhen zu lassen und dabei die Einkommen der Mitarbeiter weitgehend abzusichern“. Mit der Maßnahme will der Konzern seine „Mitarbeiter vor dem Coronavirus schützen und auf Produktionsstopps von Kunden reagieren“.

Der Produktionsstopp betreffe nahezu alle Mitarbeiter. Nur eine „Notbesetzung mit wichtigen Funktionen, die sich unter anderem aus Werkschutz, Werksärztlichem Dienst und IT zusammensetzt“, solle vor Ort bleiben, bis das Werk wieder hochgefahren werde. Ob das wirklich in zwei Wochen der Fall sei, sei derzeit aber noch unklar, sagte Wortberg. Aktuell sei noch nicht absehbar, wie lange die Maßnahme dauern werde.

Wegen der Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus und der sinkenden Nachfrage aus der Automobilindustrie hat auch Bosch angekündigt, „Teile von Produktion und Verwaltung“ vorerst auf Eis zu legen. Am Standort Homburg sollten dazu „einzelne Bereiche komplett, andere nur teilweise geschlossen“ werden.  „Betroffen sind Fertigung und die zugehörigen indirekten Bereiche“, sagte ein Sprecher. „Für die Schließung werden zunächst Zeitkonten und Urlaubnahme genutzt.“ Daneben liefen Verhandlungen zwischen Unternehmen und Betriebsrat „mit dem Ziel ab April in den betroffenen Bereichen in Kurzarbeit zu gehen“, so der Sprecher. Auch bei Bosch bleibe zunächst „nur eine Notbesetzung“ vor Ort. „Die Dauer der Maßnahme ist derzeit noch offen und abhängig vom weiteren Verlauf der Entwicklungen“, erklärte der Konzern.

Die beiden großen Zulieferer sind mit ihren Maßnahmen nicht allein. Laut einer Umfrage des Netzwerkes Autoregion und der saarländischen Industrie- und Handelskammer (IHK) werden in der saarländischen Automobilbranche spätestens ab April 25 000 bis 30 000 Menschen von Kurzarbeit betroffen sein. In der Großregion könnten es demnach bis zu 50 000 werden. Zudem habe die Hälfte der befragten Unternehmen angegeben, mit „massiven Liquiditätsengpässen“ konfrontiert zu sein.

„Die Lage in den Betrieben ist ernst“ sagte Autoregion-Geschäftsführer Armin Gehl. „Ausnahmslos haben alle der von uns befragten Unternehmen bisher Kurzarbeit angekündigt.“ Eines der befragten Unternehmen rechne bereits mit Entlassungen. Hauptursache sei zwar der Produktionsrückgang der großen Autohersteller, die hiesigen Zulieferer meldeten aber auch „fast ausnahmslos erhebliche Störungen der neuralgischen globalen Lieferketten“, erklärte Gehl. Alle befragten Zulieferer-Unternehmen hätten angegeben, geplante Investitionen vorerst zurückzustellen