ZF investiert in Saarbrücken 14 Millionen in neues Ausbildungszentrum

Wichtiger Schritt zur Industrie 4.0 : ZF eröffnet Ausbildungszentrum in Saarbrücken

14 Millionen Euro hat der Konzern in das Gebäude investiert. Azubis sollen dort fit für die Industrie der Zukunft gemacht werden.

Nach rund einem Jahr Bauzeit wurde am Donnerstag das neue ZF-Ausbildungszentrum eingeweiht. Es soll auf rund 6700 Quadratmetern bis zu 300 Azubis des Unternehmens Platz bieten. Insgesamt 14 Millionen Euro ließ sich der Getriebehersteller das Projekt kosten. Der Neubau sei „ein klares Bekenntnis zum Standort Saarbrücken“ vonseiten der Konzernführung, sagt Herrmann Becker, Standortchef des Saarbrücker ZF-Werkes. Entstanden sei eine der modernsten Ausbildungsstätten Südwestdeutschland, sagt Becker, und ein Meilenstein für die zukünftige Ausrichtung des Konzerns.

Im Fokus steht dabei die Ausbildung von Fachkräften für die sogenannte Industrie 4.0, also der Digitalisierung der industriellen Produktion. Neben Schulungs- und Seminarräumen verfügt der Neubau daher auch über einen Modellraum, in dem eine digitalisierte Produktionslinie aufgebaut ist. Mit einem Industrieroboter und einem 3D-Drucker können sich die Azubis mit den Produktionsmethoden vertraut machen, auf die ZF künftig setzen will. „Wir haben unser Ausbildungszentrum an den sich veränderten Bedarf der Industrie angepasst“, sagt Michael Fromme, Personalleiter der Division Pkw-Antriebstechnik.

Vanessa Pütz, die eine Ausbildung zur Metalltechnikerin absolviert, lernt in dem Modellraum bereits die Handgriffe, die sie später im Werk anwenden wird. In der Produktionslinie fertigt sie mit anderen Azubis einen Minicomputer. Die Metalltechniker setzen die fertigen Komponenten zusammen. „Das sind im Grunde die gleichen Arbeitsschritte wie beim Zusammenbau eines Getriebes im Werk“, erklärt Pütz. Wie in der späteren Produktion erfasst eine spezielle Kamera dabei jedes Werkstück, das aus dem Regal genommen wird. Wird etwas falsch platziert, schlägt die Elektronik sofort Alarm. „Daher kann eigentlich kein Fehler passieren“, sagt Pütz. „Im Grunde kann jeder an diesen Tisch kommen und weiterarbeiten.“

In diesem Übungsraum lernen auch die Produktionstechnologen, ein vergleichsweise neuer Ausbildungsberuf, den im Saarland nur ZF anbietet. „Wir schreiben den Code für die Maschinen und optimieren Prozessstraßen“, erklärt Maurice Schleuning, der sich im ersten Lehrjahr befindet. „Das bedeutet, dass wir schauen, wo sich Material, Zeit und Geld einsparen lässt.“

Frank Siegel, der die Produktionstechnologen in Saarbrücken ausbildet, ist vom neuen Ausbildungszentrum überzeugt. „Wir sind hier plötzlich viel besser aufgestellt“, sagt der gelernte Werkzeugmacher, der sich zum „Fachwirt Industrie 4.0“ weitergebildet hat. „Die Produktionsräume sind viel besser, wir haben jetzt mehr als doppelt so viel Platz.“ Die Produktionslinien seien bewusst so gestaltet worden, dass man sie nachträglich leicht verändern könne. „Wir wissen noch nicht, wie genau sich die Anforderungen der Industrie verändern werden, so können wir schnell reagieren“, erklärt Siegel. „Hier haben wir auf jeden Fall den Spielraum, um flexibel zu unterrichten.“

Mehr von Saarbrücker Zeitung