Zastrau: Nanogate aus Göttelborn will die Kosten senken

Kostenpflichtiger Inhalt: Sparkurs : Göttelborner Nanogate tritt auf die Bremse

Der Oberflächenveredler Nanogate rechnet für 2019 mit höheren Verlusten. Jetzt will das Göttelborner Unternehmen Kosten senken.

Nanogate ist über Jahre rasant gewachsen. Das ging oft auf Kosten des Gewinns. Jetzt steuert der saarländische Spezialist für die Veredelung von Oberflächen um. „Marge vor Umsatz“ – dieser Grundsatz soll jetzt maßgeblich sein, heißt es am Donnerstag in einer Mitteilung des Göttelborner Unternehmens. „Nanogate ist etwas schnell gewachsen, jetzt müssen wir das Augenmerk auf Konsolidierung richten“, sagte Vorstandschef Ralf Zastrau. „Wir müssen zwei Jahre ein bisschen auf die Bremse treten, um unsere internen Prozesse zu verbessern.“

Der Konzern rechnet zwar immer noch für dieses Jahr mit einem Anstieg des Umsatzes auf 245 bis 250 Millionen Euro. Das bedeutet ein Wachstum von 2,5 bis 4,6 Prozent – was wenig ist im Vergleich zu früheren Jahren. Doch muss Nanogate seine Ergebnisprognose erneut senken – auf acht bis elf Millionen Euro vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda). Unterm Strich werde ein Minus im „niedrigen zweistelligen Millionenbereich“ stehen, heißt es. Mit anderen Worten: Nanogate erwartet höhere Verluste. Mehrere Gründe nennt das Unternehmen dafür: höhere Ausschuss-Raten beim Anlauf neuer Projekte und gestiegene Kosten für Umbau und Zukunftsprogramm im Konzern.

Daraus zieht das Unternehmen nun Konsequenzen. „Mit einem verbesserten Projektmanagement sowie standardisierten Prozessen sollen Kosten und Komplexität in der Fertigung sowie ungeplante Mehraufwendungen beim Anlauf neuer Aufträge vermieden werden“, sagte Zastrau. Darüber hinaus werde überprüft, ob Teile des Unternehmens aufgegeben oder verkauft werden. Auch die ein oder andere Immobilie könnte veräußert werden, kündigte der Vorstandschef an.

Die Anleger bekommen die Folgen der roten Zahlen unmittelbar zu spüren. Der Konzern streicht die Dividende für das Jahr 2019. Die rund 1800 Mitarbeiter sollen allerdings bei dem Sparkurs von Jobabbau nahezu ganz verschont bleiben. „Ein nennenswerter Stellenabbau ist nicht geplant“, heißt es in der Mitteilung. Die Beschäftigten würden wegen der hohen Auslastung der Produktion und der vielen Aufträge gebraucht. Nanogate fertigt an mehreren Standorten in Deutschland sowie in den USA, den Niederlanden und der Slowakei. Die Auftragsbasis beläuft sich laut Nanogate auf mehr als 600 Millionen Euro.

Im Saarland sollen sogar weiter Arbeitsplätze entstehen. Hier „werden weiter Leute eingestellt“, kündigt Zastrau an. Mehr als 140 Menschen beschäftige das Unternehmen gegenwärtig hierzulande, zu Anfang des Jahres waren es erst rund 100. Dieser Stellenaufbau hängt stark mit der forcierten Zentralisierung zusammen. Der Göttelborner Firmensitz entwickelt sich zu einer echten Konzernzentrale. Auch dadurch sollen Abläufe gestrafft und letztlich Kosten gesenkt werden. Zastrau ist optimistisch, dass sich die angestoßenen Veränderungen schnell positiv auswirken. Sie „werden sich bereits im Jahr 2020 positiv auf das operative Ergebnis auswirken“, sagte der Vorstandschef. Das bisherige langfristige Ziel wird erst einmal verschoben. Wann es erreicht werden kann, ist offen. Zastrau peilte noch im Frühjahr an, bis 2025 eine halbe Milliarde Euro Umsatz zu erzielen – bei einer Marge von mindestens 15 Prozent für den Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen.

Ralf Zastrau, Vorstandschef von Nanogate. Foto: Nanogate

Veränderungen gibt es auch im Konzernvorstand. Am 1. Dezember soll Robert Wittmann das operative Geschäft führen. Der 53-Jährige bringe langjährige Erfahrungen aus internationalen Konzernen und Kompetenzen im Automotive-Bereich mit, heißt es in der Unternehmensmitteilung. Wittmann löst damit Michael Jung ab, der viele Jahre diese Position innehatte. Von einem Ausscheiden Jungs ist bisher nicht die Rede. Es liefen Gespräche über seine künftige Rolle im Konzern, hieß es.

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