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Zahl der Arbeitslosen im Saarland ist im Februar 2020 erneut gestiegen

Kostenpflichtiger Inhalt: Konjunkturschwäche hinterlässt Spuren : Mehr Arbeitslose im Saarland als im Vorjahr

Laut Zahlen der Arbeitsagentur ist die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahresmonat zum wiederholten Mal gestiegen. Demgegenüber stehen weniger offene Stellen.

Die Konjunkturschwäche im Saarland zeigt weiterhin Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Wie schon in den vergangenen Monaten ist die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wieder gestiegen. Laut der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland waren im Februar 34 900 Saarländer arbeitslos gemeldet. Das entspreche einem Plus von 6,6 Prozent oder 2200 Menschen, so die Behörde. Im Vergleich zum Vormonat ging die Zahl der Arbeitslosen damit saisonbedingt um 0,7 Prozent zurück.

Die Arbeitslosenquote, die auf Basis aller Erwerbstätigen berechnet wird, lag bei 6,5 Prozent. Im Januar betrug sie der Arbeitsagentur zufolge 6,6 Prozent und vor einem Jahr 6,2 Prozent. Die Unterbeschäftigung, die auch Personen erfasst, die an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen oder aus anderen Gründen nicht mehr als Arbeitslose gezählt werden, lag im Februar bei 50 300 Personen. Das waren 1 100 oder 2,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Laut der Arbeitsagentur sind 20 800 der Arbeitslosen Männer und 14 200 Frauen. Bei den Männern bedeute das einen Anstieg von 1800 oder 9,3 Prozent im Vergleich zum Februar 2019 und einen Rückgang von 0,4 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Die Zahl der arbeitslosen Frauen erhöhte sich im Jahresverlauf um drei Prozent, im Vergleich zum Vormonat verringerte sie sich um 1,2 Prozent. 59,1 Prozent der arbeitslos gemeldeten Saarländer haben keine Berufsausbildung abgeschlossen.

Insgesamt waren im Dezember 2019, dem letzten erfassten Wert, 394 700 Saarländer sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das sind laut Arbeitsagentur 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr.

Foto: SZ/Müller, Astrid

Die schwächelnde Konjunktur zeigt sich auch daran, dass im Saarland 600 oder sieben Prozent weniger offene Stellen gemeldet wurden als im Vorjahresmonat. Ihre Zahl liegt der Arbeitsagentur zufolge derzeit bei 8 600. „Die meisten Stellen gab es in der Zeitarbeit (1840), im Gesundheits- und Sozialwesen (1120), im Handel (990), im Verarbeitenden Gewerbe (760) und bei den freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (640 Stellen)“, so die Behörde.

Vor allem die Zahl der Industriebeschäftigten ging deutlich zurück. Im Dezember 2019 beschäftigten nach Angaben des Statistischen Amtes die 233 auskunftspflichtigen Industriebetriebe – mit 50 und mehr Beschäftigten – insgesamt 78 500 Menschen. Das seien vier Prozent oder knapp 3300 Stellen weniger als ein Jahr zuvor.

„Der Saar-Arbeitsmarkt zeigt sich nach wie vor in robuster Verfassung, doch die Risiken nehmen weiter zu“, sagt Carsten Meier, Geschäftsführer der saarländischen Industrie und Handelskammer (IHK). Die Arbeitslosigkeit sei zwar etwas stärker gesunken als im langjährigen Durchschnitt. „Dies sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes inzwischen geringer geworden ist“, erklärt Meier. „Belastend wirken neben der konjunkturellen Schwäche zunehmend die strukturellen Probleme in Teilen der Saar-Industrie. Hinzu kommen jetzt auch noch die gegenwärtig nur schwer abschätzbaren Auswirkungen des Corona-Virus auf die Wirtschaft.“

Auch bundesweit ist die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Februar 2019 gestiegen – laut Bundesarbeitsagentur um 23 000 auf 2,396 Millionen Menschen. Im Vergleich zum Vormonat bedeutet das einen saisonbedingten Rückgang von 30 000. Die Arbeitslosenquote liegt im Bund weiterhin bei 5,3 Prozent.

Neben den Arbeitsmarktzahlen hat die Bundesagentur für Arbeit auch eine Studie des Saarbrücker Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufeforschung (IAB) veröffentlicht, die die „Qualität der Beschäftigung“ im Saarland beleuchtet. Daraus geht hervor, dass zum Stichtag (30. Juni 2018) 101 300 Saarländer in Teilzeit beschäftigt waren. „Die Teilzeitquote, dies ist der Anteil der Teilzeitbeschäftigten an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, lag bei 27,5 Prozent und somit 1,5 Prozentpunkte unter dem bundesweiten Wert“, so das Institut. Ein möglicher Grund dafür sei die Spezialisierung des Saarlandes auf das verarbeitende Gewerbe, in dem es weniger Teilzeitjobs gebe als in anderen Branchen. 82,3 Prozent der saarländischen Teilzeitbeschäftigen sind dem IAB zufolge Frauen.

Zum Stichtag seien im Saarland 50 100 Personen ausschließlich geringfügig beschäftigt gewesen, so das IAB. Hierbei handele es sich „vor allem um einfache Tätigkeiten mit geringem Anspruchsniveau“, erklären die Studienautoren. 47,0 Prozent der Tätigkeiten hätten auf Helferniveau gelegen. 64,9 Prozent der ausschließlich geringfügig Beschäftigten seien Frauen gewesen. 45,6 Prozent aller ausschließlich geringfügig Beschäftigten waren 50 Jahre und älter.

Die Leiharbeitsquote habe im Saarland 2018 bei 3,4 Prozent und damit 0,4 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt gelegen. 78,7 Prozent der 12 400 Leiharbeiter seien Männer gewesen. 19 Prozent der Leiharbeiter waren unter 25 Jahren alt.

Mit 19,2 Prozent gab es im Saarland 2016 (letzter erfasster Wert) mehr Beschäftigte, die weniger als die „untere Lohnschwelle“ verdienten, als im Bund (17,8 Prozent). Die Lohnschwelle berechnet sich laut der Arbeitsagentur aus dem mittleren Monatseinkommen aller Beschäftigten (2016: 3179 Euro). Wer 2016 weniger als 2098 Euro brutto im Monat verdiente, lag unter dieser Schwelle.