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Wolfspeed - Der Konzern hinter den Milliarden-Plänen für Chip-Werk im Saarland?​

Wolfspeed : Dieser Konzern steckt hinter den Milliarden-Plänen fürs Chip-Werk im Saarland

Wolfspeed wäre vor einigen Jahren beinahe vom größten Halbleiterhersteller Deutschlands übernommen worden – für 850 Millionen Dollar. Eine US-Behörde stufte dies aber als Risiko für die nationale Sicherheit der USA ein. Heute beträgt der Marktwert mehr als zehn Milliarden Dollar.

Wolfspeed Inc. ist ein börsennotiertes Unternehmen und sitzt in Durham im US-Bundesstaat North Carolina. Es beschäftigt nach eigenen Angaben 3500 Mitarbeiter in 17 Ländern. Der US-Konzern ist ein amerikanischer Entwickler und Hersteller von Halbleitern, der sich auf Produkte aus Siliziumkarbid- und Galliumnitridmaterialien für Strom- und Hochfrequenzanwendungen spezialisiert hat. Schwerpunkte liegen in den Bereichen Automobil, Luft- und Raumfahrt, Verteidigung und Kommunikationsinfrastruktur.

Aktie ist „Wolf“ an der New Yorker Börse

Wolfspeed Inc. ist an der New York Stock Exchange (NYSE), der New Yorker Börse, unter dem Kürzel „Wolf“ gelistet. Die aktuelle Marktkapitalisierung beträgt mehr als 10 Milliarden Dollar bei einem Jahresumsatz von zuletzt jeweils deutlich unter einer Milliarde Dollar.

Die Aktien des Unternehmens zählen zu den „Hot Stocks“, den „heißen Aktien“ unter den Technologie-Unternehmen, denen Experten und Anleger eine dynamische Entwicklung, deutlich höhere Umsätze und perspektivisch hohe Gewinne zutrauen, In den vergangenen Jahren schrieb der Konzern Verluste und zahlte keine Dividende.

Wolfspeed wurde 1987 gegründet

Das Unternehmen wurde 1987 gegründet. Fünf der sechs Gründer waren Absolventen der North Carolina State University. Ihr Unternehmen firmierte zuerst unter Cree, dann unter Cree-Wolfspeed und nach einer Restrukturierung mit Konzentration auf das heutige Geschäftsmodell unter Wolfspeed. 2019 und 2020 hatte sich Cree von seinem LED-Geschäfts getrennt, um künftig als reiner globaler Halbleiterhersteller zu arbeiten.

Die Wolfsspeed-Sparte hatte bereits 2016 das Interesse des größten deutschen Halbleiterherstellers, der Infineon Technologies AG, geweckt. Sie hatte Cree 850 Millionen Dollar geboten. Die geplante Übernahme durch den deutschen Dax-Konzern scheiterte aber 2017 wegen Sicherheitsbedenken von US-Behörden. Weil Wolfspeed-Produkte auch für militärische Anwendungen eingesetzt werden, hatte die US-Regierung nationale Sicherheitsinteressen angemeldet.

2018 kaufte US-Konzern Teile von Infineon

Cree kaufte dann 2018 für 345 Millionen Euro den größten Teil des Geschäfts für Hochfrequenz-Leistungskomponenten von Infineon, Die Transaktion stärkte die Wolfspeed-Sparte im Markt für Mobilfunk-Infrastruktur.

Cree-Mitbegründer und Chief Technology Officer John Palmour starb im November vergangenen Jahres. Er war für Wolfspeed der Treiber für Halbleiter aus Siliziumkarbid. Als Mitinhaber von 46 US-Patenten und 135 entsprechenden ausländischen Patenten galt er in der Branche als einer der Erfolgsgaranten von Cree und Wolfspeed.

Wolfspeed in Europa schon länger auf Standortsuche

An Selbstbewusstsein mangelt es auch dem aktuellen Management nicht. „Unser Unternehmen steht für mehr als 35 Jahre Innovation. Mit unermüdlicher Leidenschaft und Einfallsreichtum an die Grenzen des Möglichen zu gehen, wird in unserer DNA bleiben, wenn wir in die nächste Wachstumsphase unseres Unternehmens eintreten“, sagt der CEO von Wolfspeed, Gregg Lowe. Dafür habe das Unternehmen das „beste Halbleiterteam der Branche zusammengestellt“.

In Europa ist Wolfspeed bereits seit längerem auf der Suche nach einem Produktionsstandort. „Europa ist für uns eine gute Möglichkeit für eine weitere Fabrik, aber am Ende kommt es auf die Bedingungen für die Finanzierung an“, hatte Lowe bereits im vergangenen Jahr in einem Interview mit der FAZ gesagt.

Kanzler Scholz plant Saarland-Besuch zur Bekanntgabe

Mit der offiziellen Bestätigung der Planungen für das Milliarden-Projekt in Ensdorf wird Anfang Februar gerechnet. Dann sollen nach SZ-Informationen auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) zur Verkündung ins Saarland kommen, um das Projekt gemeinsam mit Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) und Vertretern des Managements von Wolfspeed und seines Partners ZF vorzustellen.

Für Rehlinger, die bereits als Wirtschaftsministerin in der Koalition mit der CDU mit dem Thema betraut war, wäre die Bekanntgabe ein herausragender Erfolg, der nach Meinung von Experten ein „Meilenstein der Transformation“ und „Meisterstück der Ansiedlungspolitik“ ist.