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Wirtschaft im Saarland hofft auf Lockerung der Corona-Beschränkungen

Forderungen an die Politik : Saar-Wirtschaft erwartet konkrete Wege aus der Krise

Die saarländische Wirtschaft erhofft sich von den Gesprächen zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten zu möglichen Lockerungen der Corona-Beschränkungen vor allem eines: Klarheit.

„Wir erwarten Signale, wo das Ganze hingeht“, sagt etwa Fabian Schulz, Hauptgeschäftsführer des saarländischen Handelsverbands (HDE). „Jeder Tag, an dem man nicht verkaufen kann, bedeutet einen wirtschaftlichen Schaden.“ Die staatlichen Hilfen seien zwar sinnvoll, „aber auch die sind natürlich irgendwann aufgebraucht“, sagt Schulz. Insbesondere das weggefallene Ostergeschäft habe bereits vielerorts für „herbe Umsatzeinbußen“ gesorgt.

Für den saarländischen Einzelhandel sei es in erster Linie wichtig, dass eine bundesweit geltende Lösung gefunden werde. Die unterschiedlichen Regelungen sorgten vor allem bei Händlern, die Filialen in verschieden Bundesländern unterhalten, für Verwirrung, berichtet Schulz. „Wir bekommen sehr viele Anfragen, was denn jetzt wo geöffnet werden darf.“

Klare und bundeseinheitliche Regelungen wünscht sich auch der saarländische Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). „Wir müssen da geordnet raus“, fordert Dehoga-Hauptgeschäftsführer Frank Hohrath. „Als die Betriebe noch öffnen durften, gab es etwa die Regel, dass die Wirte ‚geeignete Maßnahmen‘ zum Schutz der Gäste ergreifen mussten. Aber wie sollen die denn überhaupt aussehen?“ Auch dass nur Menschen, die im gleichen Haushalt leben, zusammen an einem Tisch sitzen dürfen, ist laut Hohrath wenig praktikabel. „Soll der Wirt dann die die Ausweise kontrollieren?“ Sinnvoller seien klare Richtlinien zu Tischabstand, Maskenpflicht oder den Öffnungszeiten. „Nur so können die Inhaber planen, wann sie wie viele Gäste aufnehmen können.“

Auch die saarländische Industrie- und Handelskammer (IHK) erwartet konkrete Vorgaben. „Es muss klar sein, wann eine Lockerung kommt, und wie sie aussehen soll“, fordert IHK-Hauptgeschäftsführer Heino Klingen. Viele Firmen könnten den Betrieb zudem nur dann wieder aufnehmen, wenn parallel zumindest Grundschulen und Kitas geöffnet würden, gibt Klingen zu bedenken. „Kinder in diesem Alter kann man ja nicht allein zu Hause lassen.“

Laut IHK müssen für alle die gleichen Regeln gelten. „Es darf nicht heißen, die dürfen öffnen und die nicht“, sagt Klingen. Auch dem österreichischen Modell, nach dem zunächst nur Geschäfte mit einer bestimmten Ladenfläche wieder aufmachen dürfen, erteilt der IHK-Hauptgeschäftsführer eine Absage: „Das diskriminiert die, die größer sind und sorgt außerdem für eine Menge zusätzlichen Verwaltungsaufwand. Wer soll das alles kontrollieren?“ Stattdessen müssten Hygiene- und Abstandsregeln konsequent eingehalten werden. Bei Betrieben, in denen der direkte Kontakt zum Kunden unumgänglich sei, müsse zusätzlich ein Mundschutz getragen werden.

Im Handwerk seien das etwa Geschäfte von Frisören oder Kosmetikern, berichtet Arnd Klein-Zirbes, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer des Saarlandes (HWK). Diese litten daher besonders unter den Beschränkungen. „Aber auch andere Handwerker werden oft nicht mehr in die Wohnung gelassen.“ Von den Gesprächen am Mittwoch erhofft sich Klein-Zirbes „einen strukturierten Fahrplan oder zumindest konkrete Eckpunkte“. So müsse beispielsweise geklärt werden, wie viele Kunden sich gleichzeitig in einem Geschäft aufhalten dürfen. Sollten die Berufsschulen ihren Betrieb wieder aufnehmen, seien zudem Regelungen zum Ablauf der Prüfungen nötig, fordert der HWK-Hauptgeschäftsführer.

„Um den Schaden so gering wie möglich zu halten, ist es als erster Schritt wichtig, nach und nach die Unternehmen wieder hochzufahren“, sagt Jens Colling, Geschäftsführer der Vereinigung der Saarländischen Unternehmensverbände (VSU). Er warnt allerdings vor Schnellschüssen: „Aus Sicht der Wirtschaft ist bei allen weiteren Schritten Augenmaß gefragt“, sagt Colling. Die Beschränkungen seien zwar belastend, dennoch sollten sie „lieber einen Tag zu viel als einen Tag zu wenig“ gelten. „Es ist keinem von uns geholfen, wenn durch übereilte Entscheidungen die Ausbreitung des Virus wieder unnötig beschleunigt wird und damit auch die Erholung der Wirtschaft nachhaltig zurückwirft.“