Wichtige Betriebsversammlung bei Gusswerke Saarbrücken, Ex-Halberg-Guss

Kostenpflichtiger Inhalt: Autozulieferer in der Krise : Entscheidet sich heute die Zukunft der Gusswerke Saarbrücken?

Zum Schichtwechsel heute Mittag ist bei den insolventen Gusswerken Saarbrücken eine Betriebsversammlung angesetzt. Wird Insolvenzverwalter Franz Abel gute Nachrichten haben oder eine Hiobsbotschaft verkünden?

Heute könnte ein entscheidender Tag in der langen Geschichte der insolventen Traditionsgießerei Gusswerke Saarbrücken werden. In dem Unternehmen, das besser unter seinem alten Namen Halberg Guss bekannt ist, ist für heute Mittag zum Schichtwechsel eine Betriebsversammlung angesetzt. Insolvenzverwalter Franz Abel wird über die Lage berichten und vermutlich auch etwas dazu sagen, wie es weitergeht. Rund 1000 Arbeitsplätze stehen bei den Gusswerken auf dem Spiel.

Abel hatte vor Wochen betont, dass er nicht die Absicht habe, „die Gusswerke Saarbrücken abzuschließen“, also dichtzumachen, und sich vor der Herausforderung gesehen, „eine Zukunfts-Story“ für die Motorblock-Gießerei zu schreiben. Zwischenzeitlich hatte Patrick Selzer, der erste Bevollmächtigte der IG Metall Saarbrücken, etwas Hoffnung gemacht. „Wir haben ein sehr gutes Fortführungskonzept für die Zukunft in Saarbrücken“, hatte er vor vier Wochen gesagt. Die Umsetzung hänge aber noch von der Zustimmung der Kunden ab.

Viele Fragen stehen im Raum: Wie verhalten sich die alten Stammkunden General Motors und Deutz? Bleiben sie bei der Stange, oder verlieren sie die Geduld mit dem Sanierungsfall? Kommt Perkins, die Motorentochter des vor allem für Baumaschinen bekannten US-Konzerns Caterpillar, mit neuen größeren Aufträgen? Sollten gar VW und Daimler mit Aufträgen zurückkehren, oder sind solche Gedanken nur verzweifelte Wünsche? Steigt ein neuer, bisher unbekannter Investor, der auch frisches Geld mitbringt, bei den Gusswerken ein, oder schrecken alle potenziellen Interessenten vor der großen Sanierungsaufgabe zurück? Alle diese Fragen münden letztlich in eine große Frage: Wie viele Arbeitsplätze bleiben langfristig erhalten? Alle 1000, nur ein paar hundert oder keine?

Dazu kommen aber noch weitere ausstehende Punkte: Offen ist nach wie vor, was aus den Forderungen der rund 200 Mitarbeiter wird, die im Sommer einer Aufhebung ihrer Arbeitsverträge zugestimmt haben und seitdem auf ihre Abfindungen warten. Sie fürchten, nichts von den vereinbarten Summen zu erhalten oder nur einen Bruchteil.

Die Belegschaft hat schwierige Jahre hinter sich. Nach der Insolvenz 2009 ging es erst einmal wieder bergauf, Eigentümerwechsel brachten aber wieder Unsicherheit und schließlich die Beinahe-Katastrophe. Daran hatte, wie es von verschiedenen Seiten innerhalb und außerhalb des Unternehmens heißt, Volkswagen einigen Anteil. Allzu vage stellte der Wolfsburger Konzern Aufträge in Aussicht. Die Prevent-Gruppe, die seit Jahren im Streit mit VW lag, legte sich nach der Übernahme der Neuen Halberg Guss offen mit Volkswagen, dem damaligen Hauptkunden der Saarbrücker Gießerei, an, provozierte einen Riesenkrach mit Belegschaft und Gewerkschaft IG Metall und führte das Unternehmen fast in den Ruin. Die Übernahme durch die Sanierer von One Square Advisors schien zunächst die Rettung zu sein. Die Belegschaft wurde aber nur immer wieder vertröstet. Die in Aussicht gestellte Sanierungsvereinbarung der Großkunden VW, Deutz und General Motors, die die Unternehmenszukunft sichern sollte, kam nicht zustande, am Ende stand im September die erneute Insolvenz. Wieder geht es um das Überleben der Saarbrücker Gießerei.

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