Werkzeugbauer Lenzner aus Überherrn/Saarlouis ist nicht mehr insolvent

Kostenpflichtiger Inhalt: Ende der Insolvenz für Lenzner in Überherrn : Ein Traditionsunternehmen in neuen Händen

Der Werkzeugbauer Lenzner aus Überherrn ist gerettet. Zwei Käufer aus dem Saarland haben die insolvente Firma übernommen.

Die Zahl der geretteten Arbeitsplätze mag mit knapp 30 zwar gering erscheinen. Doch wäre die Überherrner Firma Lenzner im vergangenen Jahr aus der Insolvenz heraus geschlossen worden, „hätten wir unglaublich viel technisches Verständnis und Wissen verloren“. Das sagt Andreas Liebaug, der vom Amtsgericht für das Insolvenz-Verfahren, das im Juli eröffnet wurde, als Sachwalter eingesetzt worden war. Zusammen mit dem Sanierungsgeschäftsführer Jean-Olivier Boghossian suchte er nach Investoren. 300 potenzielle Käufer wurden angesprochen, „doch am Ende waren nur zwei Interessenten übrig geblieben, die jetzt den Zuschlag erhielten – und es konnte eine saarländische Lösung gefunden werden“. Bei den beiden handelt sich um die Unternehmer Klaus Becker und Torsten Rebmann, die den Werkzeugbauer zu gleichen Teilen übernehmen wollen.

Doch was ist das Besondere an Lenzner? „Wir haben ein sehr hohes Know-how beim Herstellen von Werkzeugen, mit denen Gummi- oder Plastikteile gegossen werden können“, sagt Werksleiter Gerhard Weis. Der 63-Jährige, der schon mit 14 bei Lenzner anfing, kennt die Raffinessen des Werkzeugbaus in- und auswendig. „Von den Kunden, die Kunststoff- oder Gummiteile fertigen wollen, erhalten wir einen Datensatz sowie eine dreidimensionale Computergrafik und müssen aufgrund dieser Angaben das Werkzeug um die gewünschte Form herumkonstruieren“, erzählt Weis. Als Rohlinge dienen Stahlblöcke, die von Bohr-, Span- und Fräsmaschinen so lange bearbeitet werden, bis sie mikrometergenau die Aussparungen, Kanäle und Löcher haben, um die gewünschte Plastik- oder Gummiform zu gießen. „Das ist technische Feinarbeit“, sagt Weis. „Allein beim Gummi, der in der Werkzeugform erhitzt und dann gebacken wird, gibt es mehr als 1000 verschiedene Mischungen mit jeweils speziellen Eigenschaften.“ Beim Kunststoff, der heiß in die Form gespritzt wird und dann kontrolliert erkaltet, verhalte es sich ähnlich. „Es gibt in Deutschland höchstens noch sechs Firmen, die über ein ähnliches Spezialwissen verfügen wie wir“, so der Lenzner-Werksleiter. Die Konstruktion und die Stahl-Bearbeitung bis zum fertigen Werkzeug kann vier Wochen, aber auch sechs Monate dauern, und die Werkzeuge können bis zu 7,5 Tonnen schwer sein.

Die Firma war 1964 von Siegfried Lenzner gegründet worden. Zuletzt hatte sie dessen Enkel Norbert Lenzner geleitet, der sie im vergangenen Jahr jedoch aus Gesundheitsgründen verkaufen wollte. Dieser Prozess zog sich. Hinzu kam, dass rund die Hälfte der Lenzner-Kunden Zulieferer der kriselnden Automobilindustrie sind, deren Absatz im vergangenen Jahr schwächelte und deswegen auch die Erlöse von Lenzner unter Druck gerieten. Daher entschied man sich für eine sogenannte Plan-Insolvenz, um das Unternehmen sanieren und verkaufen zu können. „Die Liquidität war stets sichergestellt“, sagt Sachwalter Liebaug. „Doch die Zahlungsunfähigkeit wäre spätestens Ende des Jahres eingetreten.“

Die beiden Käufer glauben an die Zukunft von Lenzner. Becker und Rebmann haben ihre ersten beruflichen Erfahrungen in Industriebetrieben gesammelt, bevor sie sich dazu entschlossen, Firmen, für die ein Nachfolger gesucht wurde, aufzukaufen. Beide haben Unternehmen übernommen, die bereits im Werkzeug- und Vorrichtungsbau tätig sind. Dem Kaufmann Klaus Becker gehört die Firma Fuchs & Tausend aus Saarbrücken, und der Wirtschaftsingenieur Torsten Rebmann ist Inhaber von WVB in Gersheim.

Erste Erfolge stellen sich bei der Firma Lenzner, die rund drei Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet, bereits ein. „Seitdem die Kunden wissen, dass es mit Lenzner weitergeht, kommen wieder mehr Aufträge rein“, sagt Rebmann. Außerdem sei es gut, „dass die Hälfte der Firmen, für die Lenzner Werkzeuge herstellt, keinen Bezug zur Automobilindustrie haben“. Das Unternehmen beliefere auch Kunden, die beispielsweise Gummi- oder Kunststoff-Komponenten für die Bahn, die Schuhproduktion, die Ausrüster von Bundeswehr und Feuerwehr oder die Windrad-Bauer gießen. Außerdem könne Lenzner zusammen mit den beiden anderen Firmen jetzt als Gruppe auftreten, „sodass wir künftig mehr Produkte und Dienstleistungen anbieten können als bisher“, sagt Rebmann.

Die Gläubigerversammlung hat das Konzept bereits abgesegnet. Liebaug erwartet, dass das Amtsgericht das Insolvenzverfahren Mitte Februar aufhebt. „Dann können wir durchstarten“, sagt Becker. Dass er und sein Mitgesellschafter Rebmann irgendwann uneins werden, hält er für unwahrscheinlich. Die beiden sind Cousins – und Familienbanden schmieden bekanntlich besonders eng zusammen.