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Weniger Umsatz für VSE im Saarland - Windkraft und Solardeckel problematisch

Umsatz schon vor Corona zurückgegangen : Saar-Konzern VSE zieht durchwachsene Bilanz

Der Absatz von Strom- und Gas ist im vergangenen Jahr zurückgegangen. Das macht sich auch beim Umsatz bemerkbar.

Das Coronavirus macht auch vor der VSE nicht halt. So fand die Vorstellung der Jahresbilanz des saarländischen Energie- und Telekommunikationskonzerns am Dienstag nicht nur erstmals per Videokonferenz statt – auch inhaltlich drehte sich vieles um die Folgen der Pandemie und die Versorgungssicherheit der Bevölkerung mit Strom und Gas.

Durch die Krise seien viele Kunden mit „wirtschaftlichen Herausforderungen“ konfrontiert, sagte VSE-Vorstand Gabriël Clemens. Insgesamt seien Privatkunden und Unternehmen bisher Rechnungen in Höhe von „unter einer Million“ gestundet worden. Auch der Stromverbrauch sei gesunken: „Wir sehen in der Industrie einen Rückgang von 20 bis 30 Prozent“, sagte VSE-Vorstand Hanno Dornseifer. Sollte die Wirtschaft wie geplant wieder anlaufen, erwartet er für das gesamte Jahr 2020 einen Rückgang des Stromverbrauchs von unter zehn Prozent.

Dabei musste der Energiekonzern beim Umsatz bereits vor der Corona-Krise Federn lassen. Der Erlös der gesamten VSE-Gruppe, zu der unter anderem die Töchter Energis und VSE Net gehören, fiel 2019 im Vergleich zum Vorjahr von 1,24 Milliarden auf 1,11 Milliarden Euro. 2017, als das VSE-Kohlekraftwerk in Ensdorf noch in Betrieb war, wurden 1,43 Milliarden Euro umgesetzt. Die Stromabgabe sank 2019 von 16,2 auf 14,4 Gigawatt (GW), die von Erdgas von 11,1 auf 9,1 GW. Der Rückgang beim Strom „lag nicht daran, dass deutlich weniger verbraucht worden ist, sondern daran, dass wir unsere Handelsaktivitäten zurückgefahren haben“, sagte Dornseifer. Kunden seien keine verloren worden. Die gesunkene Gasnachfrage erklärte der VSE-Vorstand mit dem warmen Winterwetter.

Der Umsatz der VSE AG allein fiel von 844,5 Millionen im Jahr 2018 auf 761,1 Millionen Euro. Zu der Frage, wie viel davon unter dem Strich als Gewinn übrig blieb, wollte sich Dornseifer nicht äußern. 2018 lag der Jahresüberschuss bei 17,9 Millionen Euro.

Laut Clemens steht der Klimaschutz im Zentrum der Konzernstrategie. „Durch Corona ist die ganze Diskussion ein wenig in den Hintergrund gedrückt worden. Trotzdem ist es ein langfristiges Thema, das uns sicherlich auch nach Corona weiter beschäftigen wird.“ Neben erneuerbaren Energien will die VSE daher auch die Netzinfrastruktur weiter ausbauen. „Damit nicht nur, wie das früher war, der Strom von den großen Kraftwerken zur Steckdose kommt, sondern von Windrädern und Photovoltaik-Anlagen zu den Verbrauchszentren.“

Doch dieser Wandel gestaltet sich aktuell gar nicht so einfach. „Es wird natürlich zusehends schwieriger, geeignete Flächen zu finden“, sagte Clemens. Die Gesamtkapazität der Windräder, die VSE im Saarland installiert hat, stagnierte daher 2019 bei 127,6 Megawatt (MW). Beim Solarstrom verbuchte das Unternehmen einen Zuwachs der Leistung von 22 MW im Jahr 2018 auf jetzt 24,8 MW, weitere Anlagen mit einer Kapazität von 7,7 MW seien projektiert.

Dem Ausbau der Windkraft stehen laut Clemens die Abstandsregeln für Windräder im Wege, bei der Solarenergie sei der „Solardeckel“ problematisch. Der Begriff meint die Obergrenze von 52 Gigawatt (GW) Gesamtleistung der Photovoltaik-Anlagen in Deutschland, nach deren Erreichen das „Erneuerbare-Energien-Gesetz“ (EEG) aus dem Jahr 2012 keine weiteren Förderungen von Solarstrom mehr vorsieht. Dieser Deckel wird voraussichtlich bereits im Laufe der kommenden Wochen erreicht sein. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte zwar bereits eine Aufhebung der Obergrenze angekündigt. Ob und wann diese tatsächlich umgesetzt wird, ist derzeit allerdings völlig unklar. „Hier ist wirklich Bedarf gegeben, dass die Politik zügig mit den entsprechenden Entscheidungen kommt“, forderte Clemens.

Da erneuerbare Energieträger im Gegensatz zu fossilen Brennstoffen natürlichen Schwankungen unterworfen sind, spielt auch das Thema Energiespeicherung eine große Rolle für die VSE. Dafür will der Konzern auf Wasserstoff setzen. Dieser kann in Zeiten, in denen Wind und Sonne im Übermaß vorhanden sind, aus Wasser gewonnen werden. Wenn später – etwa in der Nacht oder bei Windstille – kein Strom aus erneuerbaren Quellen zur Verfügung steht, wird der Wasserstoff verbrannt, um Energie zu gewinnen. Dabei entsteht wiederum lediglich reines Wasser.

Doch Wasserstoff stellt laut Clemens nicht nur eine Speicheroption dar. Mit seiner Hilfe könnten auch „Prozesse, die stark CO2-intensiv sind, vergrünt“ werden. „Ich denke da zum Beispiel an die Stahlindustrie.“ Auch um die Schiffe und Lkw der Zukunft anzutreiben, sei Wasserstoff geeignet.

Im Rahmen des Projekts „Wasserstoffregion Saarland“ will die VSE auf dem Gelände des stillgelegten Kohlekraftwerks Ensdorf ein „Wasserstoff-Distributionszentrum“ bauen. Dort soll der normalerweise gasförmige Wasserstoff verflüssigt werden, um dann so transportiert werden zu können, „wie wir das auch von Benzin, Öl oder Diesel kennen“. Das Projekt habe eigentlich bereits im April anlaufen sollen, „aufgrund der Corona-Pandemie“ sei es aber zu Verzögerungen gekommen, sagte Clemens. „Wir hoffen, dass der Kick-off im Juni 2020 stattfinden kann.“

Bis die Anlage wirtschaftlich nutzbar ist, will sich die VSE auf den Netzausbau im Saarland und die Digitalisierung der Infrastruktur konzentrieren. Letzeres laufe derzeit sehr erfolgreich. So konnte die Telekommunikationstochter VSE Net erstmals mehr als 100 000 Kunden vermelden. Das entspreche einem Zuwachs von mehr als 14 Prozent. „Wir gehen davon aus, dass dieses Wachstum in diesem Jahr noch stärker werden wird“, so Clemens.

Ein Grund dafür sei die neue Konzernmutter Eon, die nun auch zu den Kunden von VSE Net gehört. Eon hatte 2019 die RWE-Tochter Innogy und damit auch den Mehrheitsanteil an der VSE übernommen. „Damit haben wir sozusagen eine neue Oma“, erklärt Dornseifer. Momentan müssten aber noch die anderen Aktionäre von Innogy abgefunden werden. „Erst dann ist Eon unsere direkte Mutter“, so Dornseifer. Daher habe sich für die VSE bisher grundsätzlich noch nicht viel geändert. Die Übernahme solle im dritten Quartal 2020 abgeschlossen sein. Ziel sei „letztendlich, die besten Produkte aus beiden Häusern zu nutzen“.