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Was ZF-Mitarbeiter in Saarbrücken in Zeiten der Kurzarbeit beschäftigt.

ZF : ZF-Betriebsrat informiert per Video

Die Beschränkungen durch die Corona-Pandemie bringen wohl auch Betriebsräte dazu, ungewöhnliche Wege zu gehen. Da Versammlungen zurzeit nicht möglich sind, informierte der Betriebsrat des Autozulieferers ZF am Montag die Mitarbeiter des Saarbrücker Werks mit einem Video auf der Videoplattform Youtube.

Denn an Fragen mangelt es in der ZF-Truppe nicht: „Wie funktioniert die Aufstockung des Kurzarbeitergelds? Kann ich geplanten Urlaub stornieren?“, zählt der Betriebsratsvorsitzende Mario Kläs einige Fragen im Gespräch mit der SZ auf. Über eine Hotline konnten die Mitarbeiter sie loswerden. Der Betriebsrat habe die wichtigsten zusammengefasst und in einem 15-minütigen Video erläutert, sagt Kläs. Das Video ist jedoch „nicht gelistet“, das heißt, es kann nicht öffentlich eingesehen werden, denn wie eine reguläre Betriebsversammlung ist es nur für Mitarbeiter bestimmt.

Die Wiederaufnahme der Produktion im Saarbrücker Werk in der vergangenen Woche hatte einige Kollegen irritiert, sagt Kläs. Zurzeit arbeiten nach seinen Angaben pro Tag in etwa 1800 Menschen. Denn BMW ruft für Werke in China wieder Getriebe ab. Darüber ist der Arbeitnehmervertreter froh. Denn ohne die Kunden-Nachfrage käme kein Cent rein, es fließe aber eine Menge Geld raus. „Nicht zuletzt müssen die Gehälter gezahlt werden.“ Das könne auch für einen großen Konzern wie ZF zum Problem werden. Er freue sich daher, dass die verkleinerte Mannschaft einen Teil dazu beitrage, Arbeitsplätze zu sichern. Schließlich gebe es ein Leben nach der Krise. Vor dem Wiederanlauf vergangene Woche seien die Arbeitsplätze umgestaltet worden, sagt Kläs. So sei an einigen Bändern nur jeder zweite Arbeitsplatz besetzt worden, um den vom Robert-Koch-Institut empfohlenen Mindestabstand einzuhalten. Dort, wo das nicht möglich war, seien Spuckschutzvorrichtungen angebracht worden. Außerdem gebe es nun Markierungen am Boden, die den Abstand anzeigen. „Wir setzen alles Mögliche daran, dass die Gesundheit im Vordergrund steht“, sagt er. Zurzeit arbeite man auf Sicht. Diese und nächste Woche produziere man auf konstantem Niveau. Wie es danach weitergehe, lasse sich nicht sagen.

Ein weiterer Punkt, der die Mitarbeiter Kläs zufolge beschäftigt, ist der Umgang mit Grenzgängern aus Grand Est. Sie dürfen, seit die Region zum Risikogebiet erklärt wurde, nicht mehr aufs Gelände. Besonders zu Beginn habe das für einigen Unmut gesorgt, sagt Kläs. Die Entscheidung der Konzernführung beziehe sich auf alle Risikogebiete. So hätten zuerst Kollegen aus einem Shanghaier Werk nicht aufs Gelände gedurft, dann habe es Lieferanten aus Italien getroffen und zuletzt eben die Kollegen aus der Nachbarregion.

Alle Fragen konnte der Betriebsrat nicht beantworten. Deshalb plane er, in der Corona-Zeit einmal pro Woche eine Botschaft zu veröffentlichen. Das erste Video hat binnen eines Tages über 9000 Klicks generiert; das Feedback laut Kläs überwiegend positiv. Einige „Daumen nach unten“ gab es dennoch. „Die Maßnahmen müssen nicht jedem gefallen“, sagt er. Aber: „Wir wollen gemeinsam solidarisch durch die Krise kommen.“