Was die Saar-Stahlidnustrie für das Saarland bedeutet.

Kostenpflichtiger Inhalt: Saar-Stahlindustrie braucht noch mehr Hilfe : „Uns bleibt nicht mehr so viel Zeit“

Tagung der Arbeitskammer fordert noch mehr politisches Engagement zur Rettung der Arbeitsplätze in der Stahlindustrie.

Die saarländische Stahlindustrie darf beim künftigen Wandel der Industrielandschaft hin zu mehr ökologischer Produktion nicht unter die Räder kommen. Das forderte der Hauptgeschäftsführer der Arbeitskammer (AK) des Saarlandes, Thomas Otto, im Rahmen einer Arbeitstagung zum Thema „Transformation der saarländischen Stahlindustrie“ in Kirkel. „Es geht um die Existenz der saarländischen Stahlindustrie“, betonte Otto.  Die ökologische Wende „kann nur mit Stahl gelingen“. Stahl sei für zahlreiche Produkte zum Beispiel im Maschinenbau „der Basis-Werkstoff schlechthin“. Der AK-Chef forderte allerdings von der EU ein „Bekenntnis für eine wettbewerbsfähige Grundstoff-Industrie“.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Marc Speicher betonte in einer Diskussionsrunde, „dass uns nicht mehr so viel Zeit bleibt, um die europäische Stahlindustrie zu schützen“. China rüste als Stahlhersteller massiv auf und überschütte die Welt mit Stahl. „Doch wir müssen mit Nachdruck gegenhalten, um zu verhindern, dass uns irgendwann die Stahlpreise von Peking diktiert werden.“ Der SPD-Parlamentarier Eugen Roth rief dazu auf, noch mehr für die Anliegen der Stahlindustrie zu werben. Im Saarland würde die gesamte Bevölkerung hinter dieser Schlüsselindustrie stehen. Das sei im Bund und in Europa aber keineswegs der Fall. „Das saarländische Denken müssen wir auf die nationale und europäische Ebene bringen“, forderte er. Zudem sei es unter den Stahl-Beschäftigten unstreitig, „dass man die Herausforderung Klimawandel angehen muss“. Aber mit Wasserstoff und Gas die Kokskohle bei der Roheisenproduktion zu ersetzen, „ist schweineteuer“. Das könnten die saarländischen Stahlkonzerne allein nicht schaffen. Doch man benötige ein schlüssiges Konzept, „wenn man in Berlin aufschlägt und drei  Milliarden Euro fordert“. Darüber hinaus müssten die betroffenen Mitarbeiter mitgenommen werden und die Entscheidungen nicht über die Köpfe der Beschäftigten hinweg getroffen werden.  „Deswegen  brauchen wir ein klares Bekenntnis zur Mitbestimmung.“

Der parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion im Landtag, Jochen Flackus, kritisierte, dass sich die EU für Importstahl noch weiter geöffnet habe. Auch die Forderung, dass Stahl, der unter schlechten Umweltbedingungen hergestellt wird, von Brüssel mit einer Umweltabgabe belastet werden soll, werde von der EU bisher nicht weiterverfolgt. Deutschland produziere hochwertigen Stahl und das unter den besten Umweltbedingungen. „Das muss auch in Zukunft so bleiben.“ Deshalb müsse auch mehr in die Stahlforschung investiert werden.

Auch der Grünen-Politiker Professor Gerhard Wenz sprach sich gegen eine weitere Deindustralisierung des Saarlandes aus. „Die Industrie-Arbeitsplätze müssen erhalten bleiben.“ Er warnte aber davor, „dass wir beim Altbewährtem bleiben“. Die Stahlunternehmen müssten mutiger sein und neue Technologien einsetzen, „die sich jedoch schon bewährt haben“. Ein sinnvoller Zwischenschritt sei, bei der Roheisenproduktion Methangas statt Kokskohle einzusetzen. Dazu müssten im Saarland 500 Millionen Euro investiert werden. Das sei etwa der Preis eines neuen Hochofens. Aber es würden zwei Drittel an CO2 eingespart. Aus dem Publikum kam immer wieder der Vorwurf, dass die Politik zu wenig für die saarländische Stahlindustrie tut. Das ließ der stellvertretende Abteilungsleiter im Saar-Wirtschaftsministerium, Christian Ramelli, nicht gelten. „Die Landesregierung setzt sich auf vielen Ebenen für die Stahlindustrie ein.“ Doch dies sei kein kurzfristiges Projekt. „Das ist mindestens ein Mittelstreckenlauf.“

Thomas Otto, Hauptgeschäftsführer der Arbeitskammer. Foto: Oliver Dietze

Die Stahlindustrie ist für die Saar-Wirtschaft von großer Bedeutung. 2018 steuerten die Konzerne 23,4 Prozent zum Industrieumsatz des Verarbeitenden Gewerbes bei. Der Stahlbereich stellt 27 Prozent aller Industrie-Arbeitsplätze. Die Dillinger Hütte und Saarstahl beschäftigen 14 000 Arbeitnehmer, davon über 12 000 an der Saar. Hinzu kommen 400 Beschäftigte der Stahlwerke Bous, die zum Konzern Georgsmarienhütte gehören. Nach Studien hängen weitere 9200 Arbeitsplätze von der Stahlindustrie ab – etwa im Maschinenbau, in der Energieversorgung, im Baubereich, im Handwerk und bei Dienstleistern. Die Bruttoverdienste der Stahlarbeiter lagen 2018 laut AK-Analyse bei 715 Millionen Euro, was einem Durchschnittseinkommen von über 58 000 Euro entspricht. Die Einkommen der Stahlkocher liegen rund 22 Prozent über dem saarländischen Durchschnittsverdienst.