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Wagner Pizza führt den Nutri-Score als erstes Nestlé-Produkt ein

Kostenpflichtiger Inhalt: Jahresbilanz in Nonnweiler : Nestlé Wagner führt Lebensmittel-Ampel ein

Vor 35 Jahren wurde die Steinofen-Pizza von Wagner erstmals präsentiert. In diesem Jahr bekommt sie ein neues Design.

Wagner-Pizzen werden das erste Produkt des Nestlé-Konzerns sein, das mit der Lebensmittel-Ampel Nutri-Score ausgezeichnet wird. Das hat der Geschäftsführer von Nestlé Wagner, Thomas Göbel, am Freitag in Nonnweiler verkündet. Nach und nach sollen 75 Produkte der Marke die Kennzeichnung tragen. Gleichzeitig bekommt die Verpackung ein neues Design – und aus dem Spitzendeckchen auf dem Logo wird eine Pizzaschaufel.

Der Nutri-Score bezieht neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz auch empfehlenswerte Bestandteile wie Ballaststoffe oder Eiweiße in eine Gesamtbewertung ein. Die fünfstufige Skala reicht vom grünen A bis zum roten E als ungünstigstem Wert.

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) hatte sich Ende September 2019 auf das aus Frankreich stammende System festgelegt und einen Verordnungsentwurf für die Einführung des Nutri-Score in Deutschland auf den Weg gebracht. Es hatte zuvor auch in einer offiziellen Verbraucherbefragung am besten abgeschnitten.

Für die Hersteller ist die Kennzeichnung freiwillig. Wer sich jedoch bei der Marke anmeldet, muss alle angebotenen Produkte ausweisen, nicht nur ausgewählte. Für die Umstellung blieben zwei Jahre Zeit, sagt Annette Neubert, Leiterin der Abteilung Nutrition, Health und Wellness bei Nestlé.

Zwei Wagner-Pizzen haben einen grünen Score erreicht. Dafür sei die Rezeptur angepasst, Salz- und Fettgehalt reduziert worden, sagt Neubert. „Man kann sagen 40 Prozent unseres Sortiments hat jetzt einen besseren Nutri-Score als es die Vorgänger-Version gehabt hätte“, ergänzt Wagner-Marketingleiter Oliver Schoß. Der Verkaufsschlager Salami, weiterhin die meistverkaufte Sorte, landet im gelben Bereich. „Der Nutri-Score ist ein System, das hilft, am Regal eine Entscheidung für ein Produkt zu treffen im Vergleich zu den anderen. Aber er muss begleitet werden von Empfehlungen für eine ausgewogene Ernährung“, sagt Neubert. „Es ist nicht so, dass ich mich, wenn ich den ganzen Tag A-Produkte esse, gesund und ausgewogen ernähre.“ Geschäftsführer Göbel sagt: „Wir wissen, dass wir keine Äpfel verkaufen. Aber wir wollen in der Produkt-Kategorie in der wir tätig sind, eine gesündere Alternative anbieten.“

Den Trend zur vegetarischen Ernährung könne man mit unterschiedlichen Belägen bedienen. Es sei aber noch kein Rückgang im Wurst-Sortiment zu erkennen, sagt Göbel. Der Großteil der Fleischwaren kommt von Wurstwaren Haas ebenfalls aus Nonnweiler. Wagner versuche, Produkte regional zu beziehen. Bei Käse sei das aufgrund der Menge nicht möglich. Er komme daher überwiegend aus der Schweiz und Holland, die Tomaten aus Italien.

Die Geschäftspraktiken des Wagner-Mutterkonzerns Nestlé stehen immer wieder in der Kritik. Dazu sagt Göbel: „Wir fühlen uns schlecht behandelt. Wir sind nicht groß, weil wir böse sind, sondern weil wir gute Produkte anbieten.“ Man wolle sich aber der Diskussion stellen, dazu müsse man sich auch Fehler in der Vergangenheit eingestehen, insbesondere beim Thema Transparenz.

Über 100 Millionen Steinofen-Produkte hat Nestlé Wagner nach eigenen Angaben Im vergangenen Jahr verkauft. Das Unternehmen hat demnach seinen Umsatz um drei Prozent auf 400 Millionen Euro gesteigert. Der Pizzahersteller hatte im Herbst für 15 Millionen Euro eine neue Produktionsanlage in Nonnweiler installiert. Auch in diesem Jahr will Wagner 25 Millionen in den Standort investieren. Details wollte Göbel am Freitag aber noch nicht preisgeben. Nestlé Wagner beschäftigt zurzeit rund 1800 Mitarbeiter.

Ein kleines Jubiläum hat Wagner am Freitag gefeiert. Die Steinofen-Pizza wurde am 14. Februar 1985 zum ersten Mal auf der Lebensmittelmesse Anuga vorgestellt – also genau vor 35 Jahren.