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Vorstandschef Tim Hartmann: Saarstahl und Dillinger Hütte vor Umbruch

Tim Hartmann im SZ-Interview : Saar-Stahlindustrie steht vor großem Umbruch

Dillinger Hütte und Saarstahl müssen sich „grundlegend verändern“. Das fordert ihr Chef Tim Hartmann.

Die saarländische Stahlindustrie kann nach Auffassung ihres wichtigsten Managers nur überleben, wenn sie drastisch Kosten spart und wenn die Unternehmen Dillinger Hütte und Saarstahl deutlich enger zusammenrücken. Der Vorstandsvorsitzende beider Unternehmen, Tim Hartmann, sagte im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung, Ziel sei es, im immer härteren internationalen Wettbewerb als ein saarländisches Unternehmen zu denken und zu handeln. „Das wird ein anstrengender, teilweise auch schmerzhafter Prozess, der die saarländische Stahlindustrie grundlegend verändern wird.“ Am Ende dieses Prozesses werde diese jedoch betriebswirtschaftlich gut aufgestellt sein.

Doppelstrukturen in beiden Unternehmen sollen nach Hartmanns Worten gezielt abgebaut werden. Auch Personalabbau schließt er nicht aus. Allerdings gelte weiter das Prinzip, betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen. Das betonte Hartmann auch für Saarstahl, das derzeit wegen zurückgegangener Aufträge, insbesondere aus der Autoindustrie, Kurzarbeit fahren muss. „Die Kurzarbeit läuft ab September und ist für drei Monate beschlossen“, stellt Hartmann klar. Über die Gesamtdauer lasse sich im Augenblick verlässlich nicht urteilen. Mit ausschlaggebend sei, wie sich die Aufträge in der Autoindustrie entwickeln.

Für Dillingen rechnet Hartmann nicht mit Kurzarbeit. Dort sei man auf anderen Märkten unterwegs, etwa der Herstellung von Teilen für Offshore-Windkrafträder. Zu einem verschärften Sparkurs an den Saar-Standorten sieht Hartmann keine Alternative. Auch die Politik müsse deutlich mehr tun, damit die deutsche Stahlindustrie noch eine Überlebensperspektive habe. „Die sauberste Stahlindustrie der Welt muss sich fragen: Haben wir noch eine Zukunft am Standort Deutschland? Und können wir es unternehmerisch noch vertreten, in Deutschland zu investieren?“