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Vor einer Geldanlage sollte man einen Bankberater aufsuchen.

Geldanlage : Welche Geldanlage in der Krise passen kann

Bankexperten raten zur breiten Streuung des Betrags und erinnern auch an Aktien als langfristige Wertanlage über viele Jahre.

Die Bankexperten Heiko Neumann, Christian Greber und Steffen Hauck beantworteten bei einer SZ-Telefonaktion in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband deutscher Banken viele Fragen rund um die Geldanlage. Hier eine Zusammenfassung der Fragen und Antworten:

Ich überlege, meinen Sparplan mit Aktienfonds aufzulösen. Was meinen Sie dazu?

EXPERTE Wenn Sie langfristig Vermögen aufbauen möchten, sollten Sie sich das noch einmal gut überlegen. Denn gerade in tiefen Börsenphasen kaufen Sie doch bei unveränderter Sparrate mehr Anteile. Genau dies ist ja der Grundgedanke einer solchen Anlage. Sie könnten eher darüber nachdenken, die Sparrate vielleicht zu erhöhen, jetzt nicht zu stoppen, sondern eher weiterzusparen, die Schwankungen auszusitzen und aktiv zu nutzen.

Negativzinsen werden von meiner Bank an mich durchgereicht. Was kann ich dagegen unternehmen?

EXPERTE Sie sollten sich die Grundsatzfrage stellen, wie viel Liquidität Sie tatsächlich auf Ihren Konten benötigen. Besprechen Sie mit Ihrem Bankberater, welche Anlagen es bezogen auf Ihr persönliches Risikoprofil als Alternativen gibt und schichten Sie so um, dass es gut zu Ihrer Gesamtsituation passt und Sie sich damit wohlfühlen.

Die Corana-Krise und die Auswirkungen an den Finanzmärkten beunruhigen mich. Soll ich mein Wertpapier-Depot jetzt verkaufen?

EXPERTE Eine pauschale Aussage hierzu gibt es nicht. Dazu ist der genaue Blick zusammen mit Ihrem Berater unumgänglich. Grundsätzlich sind Wertpapiere wie Aktien und Fonds langfristige Anlagen und wer hier investiert, sollte Schwankungen aushalten können. Entscheidend bei Aktien sind eher die Zukunftsaussichten der Unternehmen, und es sind ja nicht alle Branchen durch Corona von heute auf morgen aus der Welt. Man könnte sogar überlegen, ob man nicht die Rücksetzer nutzt, um strategisch noch etwas nachzulegen, und so seinen durchschnittlichen Einstandskurs senkt.

Ich habe noch kein Depot und überlege, jetzt 15 000 Euro in Aktien zu investieren. Ist das der richtige Zeitpunkt?

EXPERTE Mit Blick auf die Dynamik an den Börsen und in der Nachrichtenlage kann das niemand seriös beantworten. Um das Investitionsrisiko nicht auf einen Tag oder eine Woche zu legen, könnten Sie in regelmäßigen Tranchen beispielsweise über einen Investmentsparplan monatlich investieren. Oder aber Sie teilen den Gesamtbetrag in mehrere Teilbeträge auf und legen diese eigenständig über die nächsten Wochen und Monate an. Für risikobereite und langfristig orientierte Anleger dürfte sich ein schrittweiser Einstieg lohnen. Legen Sie aber grundsätzlich nur einen Teil Ihrer Gesamtersparnisse in Aktien an und sorgen Sie für eine internationale, breite Aufteilung.

Wie kann ich langfristig einen größeren Betrag sinnvoll streuen?

EXPERTE Vielleicht hilft die Beschreibung anhand der Aufstellung einer Fußballmannschaft. Auf der Torlinie stehen konservative Anlagen wie Spareinlagen sowie eine Liquiditätsreserve. Diese bringen zwar keine Zinsen, sind aber sicher und kurzfristig verfügbar. Für die Verteidigung kommen offene Immobilienfonds infrage. Die Liberoposition könnte ein defensiver Mischfonds übernehmen. Dieser verteilt Ihr Geld aktiv auf verschiedene Anlageklassen wie Aktien, festverzinsliche Anlagen, Edelmetalle oder auch Liquidität und passt das Portfolio an Marktveränderungen an. Ins Mittelfeld passen etwa Dividendenfonds, Zertifikate mit Risikopuffer oder auch offensive Mischfonds. Als Stürmer eignen sich Themenfonds und spekulativere Anlagen. Dies sind natürlich nur Beispiele. Die Zusammenstellung Ihrer „Mannschaft“ erarbeiten Sie am besten mit Ihrem Berater unter Berücksichtigung Ihrer Risikobereitschaft, Anlageziele und Vermögenssituation. Wichtig ist eine gute Mischung.

Wie tief können die Aktienmärkte noch fallen?

EXPERTE Diese Frage kann derzeit niemand beantworten. Die Verunsicherung durch die rasante Ausbreitung des Coronavirus ist natürlich überall groß. Die Schwankungen werden voraussichtlich weiter hoch bleiben. Bedenken Sie jedoch auch, dass Aktien langfristig bis heute die renditestärkste Anlageform sind, obwohl es immer wieder kleine und große Börsencrashs gegeben hat. Auf lange Sicht haben sich die Börsen noch immer wieder erholt.

Ich habe schon vor einigen Jahren etwas Geld in offene Immobilienfonds angelegt. Nun wurde mir empfohlen, nachzukaufen. Ist das aktuell sinnvoll?

EXPERTE Sofern Sie noch weiteres Vermögen breit gestreut angelegt haben, bleiben offene Immobilienfonds als Beimischung auch weiterhin interessant. Offene Immobilienfonds bieten eine wertstabile Ergänzung bei schwankenden Märkten und erzielen durchschnittlich zwischen zwei und drei Prozent Rendite. Bei einer Neuanlage müssen Sie neben der einjährigen Kündigungsfrist eine zweijährige Mindesthaltedauer berücksichtigen – wobei während der Mindesthaltefrist gekündigt werden kann.

Soll ich zur Sicherheit noch Gold kaufen?

EXPERTE Wenn Sie sich mit Gold wohlfühlen, spricht nichts dagegen, quasi als Absicherung Ihrer restlichen Anlagen. Der Goldpreis ist allerdings starken Schwankungen ausgesetzt. Gold wirft auch keine Zinsen oder Dividenden ab. Ein Gewinn lässt sich nur dann erzielen, wenn Sie das Gold zu einem höheren Preis verkaufen können, als Sie es gekauft haben.

Ich möchte gerne „echtes“ Gold kaufen. Was ist besser: Münzen oder Barren?

EXPERTE Es ist eher eine Frage der Stückelung, weniger ob Barren oder Münzen besser sind. Bei kleinen Goldbarren und kleinen Goldmünzen ist der Aufpreis auf den Goldwert höher als bei größeren Stückelungen. Zehn kleine Goldbarren sind also teurer als dieselbe Menge Gold in einem Barren. Andererseits bieten mehrere Barren oder Münzen den Vorteil, dass Sie später das Gold auch stückweise wieder verkaufen könnten und Sie sich nicht komplett von Ihrem Goldbestand trennen müssten. Denken Sie auch daran, dass das Gold sicher verwahrt werden muss, also zu Hause im Safe oder in einem Bankschließfach.