Verteidigungsministerin stoppt Privatisierung von Hil-Werk St. Wendel

AKK setzt auf Investitionen in Millionenhöhe : Hil-Werk St. Wendel wird nicht privatisiert

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer setzt auf Investitionen in Millionenhöhe und einen Ausbau des Standortes.

Das Werk für Heeresinstandsetzungslogistik (Hil) in St. Wendel, das dem Bund gehört, wird entgegen der Pläne der damaligen Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) nicht privatisiert. Es wird sogar noch weiter ausgebaut. Das gab am Donnerstag Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) bekannt. Sie stoppte die Pläne ihrer Amtsvorgängerin, die drei Hil-Werke St. Wendel, Darmstadt und Doberlug-Kirchhein in Brandenburg zu verkaufen. Von der Entscheidung sind rund 1000 Mitarbeiter betroffen, davon 400 in St. Wendel. In der Belegschaft sowie in der Lokal- und Landespolitik sorgte die Entscheidung für große Erleichterung.

Nach Angaben von Matthias Moseler, Gesamtbetriebsrat und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Hil GmbH, plant der Bund bereits umfangreiche Investitionen an den Standorten. Es soll sich dabei nach den Worten von Moseler um 160 Millionen Euro handeln. In St. Wendel werde jetzt mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag kalkuliert. Es ständen eine Reihe größerer Baumaßnahmen an. Davon betroffen seien unter anderem verschiedene Werkstattbereiche. So bekomme etwa der unterirdische Schießstand eine neue Be- und Entlüftung. Darüber hinaus soll ein neues Gebäude für den Motorprüfstand gebaut werden. Komplett neu aufgebaut werden müsse zudem auch das Reinigungszentrum für Fahrzeuge und Kleinteile wie etwa Getriebe und Achsen. Die Werksfeuerwehr brauche ebenfalls ein neues Gebäude, zumal neue Feuerwehrwagen höher seien. Moseler rechnet zudem damit, dass es im Rahmen des neuen Konzeptes für das Werk St. Wendel auch wieder zu einem größeren Personalaufbau kommen wird.

Die Hil GmbH in St. Wendel kümmert sich um die Instandsetzung von Landsystemen der Bundeswehr mit Schwerpunkt gepanzerte und ungepanzerte Radfahrzeuge sowie Artilleriesysteme. Hinzu kommt die Instandsetzung von Geräten und Baugruppen, zum Beispiel Waffen, ABC-Material, Motoren, Achsen und Getriebe.
Für den Ausbau der Hil GmbH in St. Wendel seien jetzt auch Kooperationen mit Nachbar-Unternehmen angedacht wie etwa der Kraus-Maffei-Wegmann-Gruppe, die ebenfalls Instandhaltung betreibt. Sie wollte vor dem jetzt erfolgten Stopp des Privatisierungsbeschlusses das Gelände kaufen, auf dem auch die Hil GmbH steht. Man könne sich gut vorstellen, die Panzer-Teststrecke gemeinsam zu nutzen, sagt Moseler. Zudem sei im Umfeld des Industriegebietes genug Platz für weitere Betriebe aus der Rüstungsindustrie.

Dass der Bund seine Privatisierungspläne zurückgenommen hat, löste auch in der Landespolitik Freude aus. Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hob hervor, die Expertise der Hil-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „trägt maßgeblich zu einer effizienten Instandsetzung und Instandhaltung von Landsystemen bei – und damit zur Zukunft der Bundeswehr vor dem Hintergrund neuer sicherheitspolitischer Herausforderungen“. Annegret Kramp-Karrenbauer habe sich schon in ihrer Zeit als Saar-Ministerpräsidentin für die Hil-Werke in St. Wendel starkgemacht, dann auch als Verteidigungsministerin. Hans setze diesen Kurs im Land fort. SPD-Fraktionschef Ulrich Commerçon bedankt sich beim Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Matthias Moseler und seinen Kollegen für die Organisation des Widerstandes gegen die Privatisierungspläne. Nadine Schön, stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU Bundestagsfraktion, stellt fest: „Unser Werk bleibt bestehen. Die Beschäftigten haben Planungssicherheit.“ Nach Ansicht von Christian Petry, Europapolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, „muss der Bund auch finanziell einen umfangreichen Modernisierungs- und Aufbauplan für das Hil Werk in St. Wendel begleiten“.

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