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Vereinigte Volksbank plant nach zwei Fusionen in Folge keine weiteren

Kostenpflichtiger Inhalt: Bilanz : Die VVB kämpft mit den Niedrigzinsen

Zinsüberschüsse sind die Haupteinnahmequelle der Vereinigten Volksbank. Doch durch die Zinspolitik der EZB werden diese Erträge stetig kleiner.

Nach zwei großen Fusionen in Folge ist der Hunger nach Vergrößerung bei der Vereinigten Volksbank (VVB) nun erstmal gestillt. „Wir sind an einem Punkt angekommen, wo es uns gut zu Gesicht steht, etwas Ruhe und Konsolidierung in den Prozess zu bringen“, sagt der Vorstandsvorsitzende der VVB, Mathias Beers. Nachdem 2018 die Volksbank Saarlouis mit der in Sulzbach verschmolzen ist, kam 2019 noch die Volksbank Untere Saar aus Losheim am See dazu. „Das war schon heftig, für die Organisation, auch für die Mitarbeiter, im Jahr nach der Fusion nochmal zu fusionieren“, sagt Beers’ Stellvertreter Edgar Soester. „Man kann so eine Organisation auch überfordern.“ Mit der Fusion gibt es noch fünf Genossenschaftsbanken im Saarland. Neben der VVB sind das die Bank 1 Saar, die Lebacher Levo Bank, die Volks- und Raiffeisenbank Saarpfalz und die Volksbank Überherrn.

Die VVB kommt inzwischen auf 65 Standorte, überwiegend im Süden und Westen des Saarlandes – von Hanweiler bis Orscholz. In 40 Filialen sind Mitarbeiter vor Ort. In Quierschied will die VVB rund eine Million in eine neue Filiale investieren. Die Eröffnung ist laut Vorstand im Mai geplant.

Anfang 2019 hatte die VVB auf einen Schlag 14 Filialen geschlossen. Einen solchen großen Knall soll es erstmal nicht wieder geben. Dennoch würden nach und nach weitere Standorte wegfallen, sagt Soester. „Kunden können immer mehr Geschäfte am Handy, am Rechner, am Tablet abwickeln und müssen nicht mehr in die Filialen kommen.“

Selbst für Baufinanzierungen kämen Kunden häufig nicht mehr in die Niederlassungen, sagen Soester und Beers. Die VVB ist in diesem Bereich im vergangenen Jahr ins Plattformgeschäft eingestiegen. Ein Kunde wendet sich mit einem Baufinanzierungswunsch an Internetportale wie Interhyp, Dr. Klein oder Genopace. Ein Vermittler sucht die passende Bank. Die kann dann den Kredit gewähren. Prognosen zufolge werde in drei bis vier Jahren jede zweite Baufinanzierung über Plattformen abgeschlossen werden, sagt Soester.

Mit dem vergangenen Jahr zeigen sich die beiden Vorstände zufrieden. Die Bilanzsumme kletterte auf rund 2,6 Milliarden Euro. Das Kreditvolumen sei zwar nur um 0,8 Prozent und damit um 14 Millionen Euro auf 1,8 Milliarden Euro gestiegen. „Nicht die Welt“, wie Soester zugibt. Dahinter steckt nach seinem Bekunden aber ein Neugeschäft von 300 Millionen Euro. „Für Liquidität kriegen Sie faktisch gar nichts mehr“, sagt Soester. Entsprechend würden sich viele Kunden für Sondertilgungen entscheiden. Die Kundeneinlagen sind um 3,9 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro gewachsen. Das von der VVB-betreute Kundenvolumen stieg 2019 um 200 Millionen Euro auf 5,8 Milliarden Euro.

Seit 1. Januar hat die VVB Negativzinsen für gewerbliche Kunden eingeführt. Nach einem Freibetrag von 500 000 Euro werden Negativzinsen von 0,5 Prozent fällig. „Gewerbliche Kunden haben dafür Verständnis“, sagt Soester. Im Privatkundenbereich gibt es keine Negativzinsen. „Ob wir das durchhalten können, muss man sehen“, sagt er. Konkret sei die Einführung aber nicht geplant.

Hauptgeschäfte der Bank sind Zins- und Provisionsgeschäfte. Zwei Drittel des Ertrages komme nach wie vor aus dem Zinsüberschuss. „Er wird auch in den nächsten Jahren die dominierende Einnahmequelle der VVB bleiben“, sagt Beers. Die wird jedoch kontinuierlich kleiner. Aktuell liegt der Zinsüberschuss bei 50,8 Millionen Euro. 2018 lag er noch bei 52,3 Millionen.

Das Provisionsgeschäft ist hingegeben von 24,2 Millionen auf 25 Millionen Euro gestiegen. Dahinter stecken hauptsächlich Erträge aus der Vermittlung von Versicherungen, Bausparverträgen, Fonds oder Wertpapieren. „Die Mannschaft hat sich von unserer Fusionitis nicht irritieren lassen“, sagt Soester.

Die VVB beschäftigt zurzeit 510 Mitarbeiter. Die Personalkosten sind 2019 um eine Million reduziert worden, etwa durch Altersteilzeit. Betriebsbedingte Kündigungen sind laut Vereinbarung bis 2021 ausgeschlossen.

Zu Beginn des Jahres hat die VVB für ihre 175 000 Kunden das Kontomodell umgestellt. Seither ist unter anderem die monatliche Kontoführungsgebühr vom Grad der Zusammenarbeit mit der VVB abhängig. Kurz: Wer mehr Angebote der VVB nutzt, zahlt weniger.

Für das Jahr 2020 rechnen Beers und Soester mit einem deutlichem Absinken des Zinsüberschusses um gut fünf Millionen Euro. Denn dann laufen die letzten gutverzinsten eigenen Wertpapiere aus. Daher versuche man, das Provisionsgeschäft weiter zu stärken. „Wenn die Haupt­ertragsquelle runter geht, geht auch das Ergebnis runter“, sagt Beers. Daher rechne man mit einem Betriebsergebnis vor Bewertung der Risiken von 21,66 Millionen Euro. In diesem Jahr lag es bei 26,5 Millionen, nach Bewertung der Risiken bei 24,9 Millionen Euro. Geplant sei dann aber, dieses Niveau für die nächsten Jahre in etwa zu halten.

Im Sommer werden Mathias Beers und Manfred Ziegler den Vorstand verlassen. Vorstandsvorsitzender wird dann Edgar Soester. Ebenfalls dem Vorstand angehören werden dann Bernd Mayer und Andreas Heinz.