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Verbraucherzentrale Saarland beantwortet Fragen zu Wärmedämmstoffen

SZ-Telefonaktion : Was bei Wärmedämmstoffen wirklich gilt

Expertinnen der saarländischen Verbraucherzentrale beantworten Fragen zum Thema Gebäudedämmung.

In Zeiten des Klimawandels gerät die energetische Gebäudesanierung zunehmend in den Fokus. Christine Mörgen und Verena Feld, Energieberaterinnen bei der saarländischen Verbraucherzentrale, haben Fragen von SZ-Lesern zum Thema Dämmstoffe beantwortet:

Was ist eine ökologische Dämmung?

MÖRGEN Wichtig für die Ökobilanz ist, dass durch die verwendeten Dämmstoffe mehr Energie eingespart wird, als zu Ihrer Herstellung benötigt wurde. Weitere wichtige Aspekte sind die Ressourcenschonung (nachwachsende Dämmstoffe wie Hanf, Seegras oder Schafwolle) und die gesundheitliche Verträglichkeit. Darüber hinaus spielt das Herstellungsverfahren eine Rolle.

Wie kann ich feststellen, ob sich der Dämmstoff für den geplanten Einsatz eignet?

MÖRGEN Dämmstoffe haben eine Kennzeichnung – und die Anwendungsgebiete von Dämmstoffen sind genormt. Für Dach und Decke gelten zum Beispiel die Kurzzeichen: „DZ“ für Zwischensparrendämmung. Zusätzlich gibt es Kürzel für die Eigenschaften – wie „dh“ für hohe Druckbelastbarkeit.

Unsere Außenwand ist sehr dick. Sollte sie trotzdem gedämmt werden?

MÖRGEN Eine dicke Außenwand wirkt aufgrund Ihrer Speichermasse verzögernd auf den Temperaturverlauf im Haus, kann jedoch nicht die Energieverluste verringern. Ein dickes Bruchsteinmauerwerk kann sich positiv auf die Raumtemperaturen im Sommer auswirken, kühlt jedoch im Winter stark aus und leistet keinen Beitrag zur Energieeinsparung. Hier hilft nur Dämmen. Welcher Dämmstoff geeignet ist, hängt von der Zusammensetzung des Mauerwerks ab. Bei hohen Sandsteinanteilen und relativ viel gebundener Feuchtigkeit im Mauerwerk empfiehlt es sich, einen Mineralfaserdämmstoff zu wählen.

Welche Materialien eignen sich zur Dämmung der obersten Geschossdecke?

FELD Idealerweise kann der Speicherboden mit Matten aus Mineralwolle beziehungsweise Steinwolle ausgelegt werden, da diese in Bezug auf den Brandschutz gut abschneiden. Wenn die Decke immer noch begehbar sein oder zu Lagerzwecken genutzt werden soll, empfiehlt es sich, den Dämmstoff in eine Unterkonstruktion aus Holz einzubauen. Damit kein Wasserdampf durch die Decke in die Dämmung eindringen kann, wird bei den meisten Holz- oder Stahlträgerdecken eine Dampfbremse benötigt. Auch baubiologische Dämmstoffe wie etwa Hanf- oder Holzweichfasermatten können zum Einsatz auf dem Speicherboden kommen. Zellulosedämmung kann zum Beispiel in bestehende Gefächer eingeblasen werden.

Hat die vermehrte Algenbildung auf gedämmten Fassaden etwas mit der Auswahl der verwendeten Materialien zu tun?

FELD Nein. Die Tatsache, dass gedämmte Fassaden eher veralgen als ungedämmte Außenwände hat damit zu tun, dass die Oberflächen der Außenwände eben durch die Dämmung nach außen weniger Wärme abgeben und somit kälter sind. Demnach sind – und das kommt immer auf die Lage des Gebäudes an – die Fassaden unter Umständen länger feucht und trocknen weniger schnell ab. Häufig werden daher Pestizide den Anstrichen beigemischt um die unschönen Fleckenbildungen auf der Fassade zu vermeiden. Dies wiederum belastet unsere Böden und das Grundwasser und sollte tunlichst vermieden werden. Eine Alternative zur verputzten Fassade beziehungsweise des Wärmedämmverbundsystems bietet daher die hinterlüftete Fassade. Hier kann man als Dämmstoff Mineralwolle oder auch ökologische Materialien einsetzten. Als äußere Beplankung kann alternativ zur Putzträgerplatte hier ein anderes Material wie zum Beispiel eine Holzverschalung, Metall, Schiefer oder Faserzementplatten in allen möglichen Ausführungen gewählt werden. Diese Systeme bieten dem Gebäude nicht nur neue Gestaltungsmöglichkeiten, sondern sind auch wesentlich langlebiger und nachhaltiger. Zu konkreten Ausführungsbeispielen fragen Sie Ihren Berater der Verbraucherzentrale.

Die Verbraucherzentrale bietet individuelle Beratung zum Thema Wärmedämmstoffe an. Mehr Infos unter:
www.verbraucherzentrale-saarland.de