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Verband rechnet im Saarland mit geringem Absatz von Heizöl

Heizölpreise bleiben vorerst konstant : Heizöl-Branche rechnet mit Absatzflaute

Weil die Tanks der Kunden im Saarland gefüllt sind, wird die Nachfrage in diesem Jahr sinken, sagt der Verband für Energiehandel Südwest-Mitte.

Saarländer müssen keine langen Wartezeiten in Kauf nehmen, wenn sie sich in den kommenden Tagen und Wochen mit Heizöl versorgen wollen. Denn nach Angaben des Verbandes für Energiehandel Südwest-Mitte (VEH), dem rund 400 Mitgliedsfirmen angehören, verfügen rund 80 Prozent der Haushalte in der Region über „prall gefüllte Tanks“. Zahlreiche Verbraucher hätten sich insbesondere zum Jahresende 2020 hin wegen „einem zu diesem Zeitpunkt stark eingebrochenen Ölpreis, der zum Jahreswechsel wieder steigenden Mehrwertsteuer und dem Beginn der höheren CO2-Preise rechtzeitig mit Vorrat eingedeckt“, betonte am Freitag der Geschäftsführer des Verbandes Hans-Jürgen Funke.

Wegen der enorm hohen Nachfrage hätten manche Kunden Wartezeiten von zwei bis drei Monaten in Kauf nehmen müssen. „Das gab es bisher kaum“, sagte Funke. Zugleich prognostiziert er, dass man sich wegen der aktuell gesunkenen Nachfrage in den kommenden Wochen zu immer noch moderaten Preisen mit Heizöl versorgen kann. „Die Preise bleiben jetzt konstant.“

Für die Branche selbst fallen die Prognosen für 2021 wegen der vielfach noch vollen Öltanks bescheiden aus. „Das hängt natürlich auch von der weiteren Entwicklung des Winters ab. Und davon, wie die Organisation der Erdöl-exportierenden Länder OPEC mit den Fördermengen umgeht. Weil die meisten Verbraucher noch über große Vorräte verfügen, rechnen wir 2021 mit einem riesigen Loch und einem Absatzverlust von mindestens 20 Prozent gegenüber 2020. Es wird ein etwas dürres Jahr für die Branche “, prognostiziert Funke. Dadurch würden viele Verbraucher den gestiegenen CO2-Preis erst 2022 auf der Rechnung spüren.

Im Saarland werden nach Angaben des Verbandes 111 509  Ölheizungen genutzt, die 323 000 Menschen mit Wärme versorgen. Bundesweit wurden 2020 rund 15,9 Millionen Tonnen Heizöl verkauft. Die meisten saarländischen Haushalte  sind mit einer Ölheizung ausgestattet. Sie nimmt mit 37,2 Prozent die dominierende Stellung ein vor Erdgas mit 22,6 Prozent. Fernwärme macht einen Anteil von 12,5 Prozent aus.

Trotz gesetzlicher Vorgaben, den CO2-Verbrauch in den kommenden Jahren zu senken, legen sich Verbandspräsident Thomas Rundel und Geschäftsführer Hans-Jürgen Funke fest: Ölheizungen haben Zukunft. Dies stehe in keinerlei Gegensatz zum von der Bundesregierung verabschiedeten „Gebäude-Energie-Gesetz 2020“. Fakt sei demnach, dass Ölheizungen, die bis Ende 2025 modernisiert werden, auch weiter ohne Einbindung erneuerbarer Energien laufen dürfen. Diese Einschränkung greife erst 2026 und auch dann nicht, wenn es keine Möglichkeit des Anschlusses der Energieversorgung an ein Gas- oder Fernwärmenetz gibt. Im Saarland laufen laut Verband 55 Prozent der Ölheizungen schon länger als 20 Jahre. Ein Ersatz werde finanziell nicht mehr gefördert.

Allerdings entwickele die Branche selbst schon seit längerer Zeit Verfahren, die das Betreiben von Ölheizungen weiter attraktiv machten. Dazu gehöre eine neue Brennwerttechnik, die in verschiedensten Bauarten schon durch einen Kesseltausch den CO2-Verbrauch um 30 Prozent senke. Eine weitere Variante sind Hybridsysteme, bei denen Heizungen mit Anteilen aus erneuerbaren Energien verknüpft werden. Diese Kombinationen werden weiterhin vom Staat gefördert.  Ein Beispiel ist etwa die Kombination aus Ölheizung und Solarthermie. Die Solaranlage kann zum Beispiel von Frühjahr bis Herbst die Warmwasserbereitung übernehmen und in ertragreichen Zeiten die Heizung unterstützen. Ein anderes Beispiel ist die Ölheizung in Kombination mit einem wasserführenden Kamin- oder Pelletofen. Der speist zusätzliche Wärme ins zentrale Heizsystem ein, was die Ölheizung in den Übergangszeiten im Frühjahr und Herbst unterstützen kann.

Darüber hinaus arbeite die Branche bereits an CO2-neutralen Energieprodukten  bis hin zu flüssigen Energieträgern. Hier habe man sich jedoch in einem Punkt eine klare Grenze gesetzt:  Künftige Energieträger dürften keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion werden. Außerdem müsse die gleiche Betriebssicherheit gewahrt bleiben wie beim klassischen Heizöl.