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Transfergesellschaft gegen Arbeitslosigkeit in Corona-Krise im Saarland

Kostenpflichtiger Inhalt: Kampf gegen Arbeitslosigkeit in der Krise : Transfergesellschaften als Rettungsanker?

Im Zuge der Corona-Krise könnten viele Saarländer ihre Jobs verlieren. Transfergesellschaften könnten helfen, sie wieder in den Arbeitsmarkt zu vermitteln.

Die Gusswerke Saarbrücken und Saarstahl sind zwei prominente Beispiele für Firmen, die Personalabbau zum Teil über sogenannte Transfergesellschaften abfedern, die den Absturz in die Arbeitslosigkeit verhindern sollen. Es könnten so manche Unternehmen infolge der Corona-Krise dazukommen. Damit rechnet Theo Bilsdorfer, Geschäftsführer der Gesellschaft für Personalmanagement im Strukturwandel (PiS) aus Nalbach. Er erwartet, dass von der Krise gebeutelte Unternehmen Auftragseinbrüchen auf Dauer nicht nur mit Kurzarbeit begegnen, sondern auch Stellen streichen. „Mir fehlt der Glaube, dass der Wiederanlauf der Wirtschaft ohne größeren Personalabbau laufen wird“, prognostiziert Bilsdorfer. Und dann könnte eine Debatte darüber in Gang kommen, welchen Anteil Transfergesellschaften leisten können, um die Folgen des Jobabbaus abzufedern.

Bilsdorfer ist als Geschäftsführer eines Dienstleisters, der solche Gesellschaften zur Qualifizierung und Jobvermittlung betreut, von der Leistungsfähigkeit des Konzepts überzeugt. In 20 Jahren habe er noch nie ein Projekt gehabt, bei dem für weniger als 80 Prozent der Betroffenen eine Lösung gefunden worden sei: durch Vermittlung eines neuen Arbeitsplatzes oder eines Übergangs in die Rente.

Als Beispiel nennt er ein im Januar abgeschlossenes Projekt mit 31 Beschäftigten des Fördertechnik-Spezialisten FLSmidth aus Wadgassen, die ein Jahr zuvor in eine Transfergesellschaft eingetreten waren. Die Firma heißt heute Koch Solutions – in Anknüpfung an den Firmengründer Karl Koch. Der chinesische Firmenverbund Jiangsu Rainbow Heavy Industries (RHI) hatte das Unternehmen im Januar 2019 vom dänischen Anlagenbau-Konzern FLSmidth übernommen.

Für 27 der 31 früheren ­FLSmidth-Mitarbeiter wurde laut dem Abschlussbericht der PiS eine Lösung gefunden. Das bedeute eine Erfolgsquote von 87 Prozent – und das trotz eines dem Bericht zufolge „sehr schwierigen Arbeitsmarktes“ im Anlagenbau und eines Durchschnittsalters der Transfer-Teilnehmer von 50 Jahren. 20 Betroffenen wurde demnach ein neuer Arbeitsplatz vermittelt. Für sieben Beschäftigte ließ sich ein Übergang in die Rente erreichen. 318 Stellenangebote legte die PiS den Teilnehmern der Transfergesellschaft vor. Sie besuchten 26 verschiedene Kurse oder Qualifizierungsmaßnahmen. „Ohne das Instrument Transfermaßnahme hätte die Mehrzahl der Betroffenen im Betreuungszeitraum keine Stelle gefunden“, heißt es in dem Abschlussbericht. Wesentlich für die Vermittlung von Jobs sei, den verdeckten Arbeitsmarkt zu erschließen, sagt Bilsdorfer. Denn mehr als die Hälfte der freien Stellen im gewerblichen Bereich würden nicht der Arbeitsagentur gemeldet, sagt er. Bilsdorfer sieht die Aufgabe von Transfer-Dienstleistern vor allem darin, Stellenangebote aufzutreiben, „die man nicht durch Klicken im Internet finden kann“.

Theo Bilsdorfer, Geschäftsführer der Gesellschaft für Personalmanagement im Strukturwandel (PiS) GmbH Foto: PiS

Ein weiterer wichtiger Faktor für eine Vermittlung einer neuen Stelle sind laut dem PiS-Geschäftsführer Praktika beim möglichen künftigen Arbeitsgeber. Drei Viertel der ehemaligen FlSmidth-Mitarbeiter, die in einen neuen Job vermittelt wurden, hatten laut Abschlussbericht des Dienstleisters ein solches Praktikum absolviert.