Tipps zum richtigen Umgang mit Mängeln bei Handwerksarbeiten

Kostenpflichtiger Inhalt: Unnötige Konflikte mit Handwerkern : Der mangelhafte Umgang mit Mängeln

Saarländische Experten geben Ratschläge: So können Kunden und Handwerker den kostspieligen Streit vor Gericht vermeiden.

Wenn die Handwerksarbeit nicht den Vorstellungen des Kunden entspricht, sind Mängelrügen häufig die Folge. Meist bedeuten sie für beide Parteien eine Menge Ärger und bringen – besonders wenn sie vor Gericht landen – hohe Kosten mit sich. Doch wie können sich Handwerker und Kunden im Vorfeld absichern? Woran lassen sich unseriöse Anbieter erkennen? Und was ist zu tun, wenn sich beide Seiten nicht einig werden, ob und wie ein Mangel zu beheben ist?

Bei der Verbraucherzentrale (VZ) Saar gehen täglich Beschwerden von Kunden ein, die mit einem Handwerker unzufrieden sind. „Das ist ein stetiges Thema für uns“, sagt Désirée Fuchs, Juristin bei der VZ Saar. Ein klassischer Streitpunkt seien beispielsweise Einbauküchen, aber auch Handwerks-Notdienste seien immer wieder Thema für die Verbraucherschützer.

Die Juristin hat einige Tipps parat, die Kunden helfen sollen, unseriöse Handwerksbetriebe schon vorab zu erkennen. Diese seien sowohl auf Suchmaschinen als auch in den Gelben Seiten häufig weit vorne gelistet. „Die kostenpflichtigen Anzeigen bei Google verweisen oft auf dubiose Anbieter“, sagt Fuchs. „Die Kunden werden dann auf Seiten geleitet, die Ortsansässigkeit suggerieren, obwohl die Betriebe weit entfernt liegen.“ Diese Masche sei besonders bei Notdiensten beliebt. „Die verlangen dann allein für die Anfahrt 150 bis 200 Euro.“ Sie rät Verbrauchern, zunächst zu überprüfen, ob die Vorwahl auf ein Unternehmen in der Region hinweist. „Wenn die nur eine 0800-Nummer haben, sollte man Abstand nehmen.“ Im Internet helfe oft ein Blick ins Impressum der Webseite. Bei Firmen aus anderen Bundesländern sei generell Vorsicht angebracht, sagt Fuchs.

Einige Kunden seien bei Handwerksarbeiten grundsätzlich extrem kritisch, sagt Michael Peter, Rechtsanwalt und Geschäftsführer der Fachzeitschrift Wohnhandwerker. Aber ab welchem Punkt liegt tatsächlich ein Sachmangel vor? „Wenn der Ist- vom Sollzustand abweicht“, erklärt Peter. Das gewünschte Ergebnis müsse daher vorab möglichst genau vertraglich festgehalten werden.

Auch Verbraucherschützerin Fuchs betont, wie wichtig präzise Absprachen sind. „Wir erleben sehr oft, dass nicht ausreichend miteinander gesprochen wird.“ In den meisten Fällen hegten beide Seiten keine bösen Absichten, die mangelnde Kommunikation führe allerdings häufig zu Missverständnissen. Rechnungen fielen dann mitunter deutlich höher aus als erwartet, sagt Fuchs. Sie rät daher dringend zu einem detaillierten Kostenvoranschlag. „Handwerker sollten darüber hinaus sofort Bescheid geben, wenn Probleme auftreten, die weitere Kosten nach sich ziehen können.“ Die Kunden sollten ebenfalls darüber informiert werden, wie sie eine Handwerksarbeit pflegen müssen, sagt Rechtsanwalt Michael Peter. Auch dadurch könne späterer Ärger vermieden werden. „Pflege- und Wartungshinweise sollten selbstverständlich sein.“

Wenn ein Sachmangel vorliegt, stellt sich laut Fuchs in den meisten Fällen zunächst die Frage, wer die Schuld trägt. Diese könne beim Kunden, beim Handwerker oder bei dessen Lieferanten liegen, ergänzt Rechtsanwalt Michael Peter. Der Handwerker sitze dabei oft zwischen den Stühlen. Peter nennt ein Beispiel: Ein Bauherr beschwert sich über unterschiedliche Spaltmaße bei eingebauten Fenstern. Der Handwerker, der die Fenster gesetzt hat, leitet die Reklamation an seinen Lieferanten weiter. Der wiederum sieht die Verantwortung beim Kunden, weil dieser die Fenster unsachgemäß gelagert habe. „Das Gesetz ist hier eindeutig“, sagt Peter. Entscheidend sei, ob der Bauherr ein Abnahmeprotokoll unterschrieben habe. Sei das nicht geschehen, liege die Beweislast beim Wohnhandwerker, nach erfolgter Abnahme beim Bauherren. Der Lieferant sei dagegen „fein raus, denn er kann sich auf die ungünstigen Umweltverhältnisse auf der Baustelle berufen und der Wohnhandwerker muss ihm beweisen, dass produktionsbedingte Fehler vorliegen“, erklärt Peter.

Auch wenn sich die Parteien nicht sofort einig werden, raten die Experten vom juristischen Weg ab. Briefwechsel zwischen Anwälten seien teuer und brächten meist nicht den gewünschten Erfolg, erklärt Verbraucherschützerin Fuchs. „Schlichten ist besser als richten“, sagt auch Rechtsanwalt Michael Peter. Bei Sachmängeln laufe es vor Gericht meist auf einen Vergleich hinaus, so Peter. Zielführender und kostengünstiger seien Schlichtungsverfahren, wie sie beispielsweise die Innungen anbieten. „In der Regel kommt man zu einem einvernehmlichen Ergebnis, bei dem beide Parteien natürlich aufeinander zugehen müssen.“

Für das Bauhandwerk gibt es dazu auch die vom Justizministerium anerkannte Schieds- und Schlichtungsstelle des Arbeitgeberverbands der Bauwirtschaft des Saarlandes (AGV Bau Saar). „Wir kommen mit einem Berufsrichter, einem Sachverständigen der jeweiligen Innung und einem Vertreter der Verbraucherzentrale vor Ort vorbei“, erklärt der Geschäftsführer der Schiedsstelle, Christian Ullrich. Der Richter könne rechtskräftige Schiedsurteile fällen, falls sich die Parteien partout nicht einigen könnten. „Das kommt aber fast nie vor, in 90 bis 95 Prozent der Fälle finden wir beim ersten Termin eine Lösung“, so Ullrich. „Hier im Saarland kennen sich die Parteien ja häufig und sie wollen sich auch noch in die Augen blicken können, wenn sie sich auf der Straße begegnen“, erklärt der Rechtsanwalt. „In vielen Fällen gehen die Leute nach dem Schiedsverfahren gemeinsam ein Bier trinken.“

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