Thyssen-Krupp investiert 80 Millionen in Werk in Homburg

70 neue Arbeitsplätze : Thyssen-Krupp stärkt Homburger Werk

80 Millionen Euro investiert der Stahlriese. Mit dem Geld sollen Vorderachsen hergestellt werden. Das soll 70 Arbeitsplätze schaffen.

Der Stahl- und Technologiekonzern Thyssen-Krupp investiert rund 80 Millionen Euro in seinem Werk Thyssen-Krupp Gerlach in Homburg. Mit diesem Geld soll eine Schmiedelinie errichtet werden, mit der Vorderachsen für Nutzfahrzeuge hergestellt werden können. Das teilte der Essener Konzern am Mittwoch mit. Damit verbunden sei auch die Schaffung von 70 neuen Arbeitsplätzen. Mit verschiedenen Lkw-Herstellern seien zuvor langfristige Lieferverträge abgeschlossen worden.

Die Vorderachsen-Fertigung ist ein neues Geschäftsfeld für das saarländische Werk. Bisher werden in Homburg ausschließlich Kurbelwellen für Pkw und Lkw geschmiedet. „Unsere Kunden haben sich ganz bewusst für den Standort Homburg entschieden“, sagt Alexander Becker, Chef des Bereichs Schmiedetechnologie bei Thyssen-Krupp. „Sie haben ihre Aufträge dort platziert, um sich in Zeiten von internationalen Zollrisiken und steigenden Logistikkosten eine verlässliche Zulieferung dieser Spezialbauteile innerhalb Europas zu sichern“, betont er. Über die Kunden schweigt sich das Unternehmen aus.

Herzstück der neuen Schmiedelinie wird eine rund zehn Meter hohe und 1700 Tonnen schwere Schmiedepresse mit einer Presskraft von 16 000 Tonnen, heißt es in der Mitteilung. Das entspricht dem Gewicht von rund dreißig der größten heute verfügbaren Passagierflugzeugen. Die Druckkraft der bislang größten Presse bei Thyssen-Krupp Gerlach liegt bei 6500 Tonnen, was dem Gewicht von zwölf voll besetzten Passagierflugzeugen gleichkommt. Sie wurde erst vor zwei Jahren für 30 Millionen Euro in Homburg eingebaut. Derzeit sind im gesamten Werk sechs Schmiedelinien in Betrieb.

Der Bau der neuen Linie soll Anfang 2020 starten. Sie wird auf einer Fläche von 12 000 Quadratmetern errichtet und in das bestehende Werksareal integriert. Sie soll Anfang 2021 fertig sein. Dann soll auch mit der Serienlieferung der Achsen begonnen werden.

„Die Hauptpresse der neuen Schmiedelinie ist die erste Presse, die weltweit in dieser Größenordnung, Leistungskraft und mit dieser Umsetzungsgeschwindigkeit in Betrieb geht“, erläutert Werksleiter Franz Eckl. „Mit diesem Aggregat können wir jährlich rund 360 000 Schmiedekomponenten herstellen.“ Die neue Linie sei nicht auf ein Produkt begrenzt. „Neben Vorderachs-Systemen können auf dieser Schmiedelinie je nach Bedarf auch Kurbelwellen oder andere Schmiedebauteile produziert werden“, betont der Werksleiter.

Für Ralf Reinstädtler, 1. Bevollmächtiger der IG-Metall-Verwaltungsstelle Saarpfalz, „ist diese Investitionszusage auch ein großes Kompliment an die Kompetenz der Belegschaft“. Sie sei nicht nur in der Lage, einen hochkomplexen und anspruchsvollen Schmiedeprozess zu steuern. Die Mitarbeiter benötigten bei Stillständen und Reparaturen auch kein Know-how von außen. „Sie können das alles selbst machen.“ Er erinnert zudem daran, dass die geschmiedeten Achsen bislang in Indien und China gefertigt worden seien. „Auch das ist ein Beleg dafür, dass in einem hoch automatisierten Fertigungsprozess das Wissen und die Erfahrung der Belegschaft am Ende den Ausschlag geben.“

Positiv sei auch, dass mit den Vorderachsen erstmals ein Aggregat bei Thyssen-Krupp Gerlach geschmiedet werde, „das unabhängig von der künftigen Entwicklung des Verbrennungsmotors ist“. Thyssen-Krupp fertigt seit 1947 geschmiedete Komponenten in Homburg. Im Werk arbeiten derzeit 750 Frauen und Männer.

Die Geschäftseinheit Schmiedetechnologie bei Thyssen-Krupp betreibt an weltweit 17 Standorten rund 50 Schmiedelinien. Dort rund 7500 Mitarbeiter beschäftigt. Der Umsatz beläuft sich auf mehr als eine Milliarde Euro.

Mehr von Saarbrücker Zeitung