Tarifstreit im Saarland und in Rheinland-Pfalz Nach massivem Warnstreik – heute neue Verhandlungsrunde für Einzelhandel

Mainz/Saarbrücken · Noch immer sind Verdi und Arbeitgeber bei Forderungen und Angeboten für einen neuen Tarifvertrag in der Einzelund Versandhandelsbranche weit auseinander. Das bekamen Kunden durch zahlreiche Warnstreiks seit April zu spüren. Heute gehen die Verhandlungen in Mainz weiter – und könnten für das Saarland wichtig werden.

 Heute gehen nach massiven Warnstreiks die Tarifverhandlungen für den Einzel- und Versandhandel weiter. (Symbolbild)

Heute gehen nach massiven Warnstreiks die Tarifverhandlungen für den Einzel- und Versandhandel weiter. (Symbolbild)

Foto: dpa/Arne Dedert

Etliche Male schauten Kunden im Saarland die vergangenen Monate in leere Regale, mussten eingeschränkte Dienstleistungen in Kauf nehmen oder standen vor verschlossenen Ladentüren. Grund dafür: die Auseinandersetzungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern im Einzel- und Versandhandel.

Heute neue Runde bei Tarifverhandlung für Einzelhandel

Am heutigen Mittwoch, 30. August, kommen Vertreter der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) und des Handelsverbands Deutschland (HDE) erneut zusammen. Wieder geht es um höhere Löhne, Inflationsausgleich, bessere Ausbildungsvergütung und um Tarifverträge auch für jene Unternehmen, die bislang keinen haben. Im Mainzer Intercity-Hotel soll um 11 Uhr der Auftakt sein.

Warnstreik bei Ikea in Saarlouis mit Stau bis auf die A620
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Zuletzt lagen beide Seiten noch weit auseinander, was Forderungen und Angebote anbelangt . Gewerkschafter und Arbeitgeber kamen auf keinen grünen Nenner. Das zollten Beschäftigte mit Warnstreiks. Und die weiteten sich vielerorts zu mehrtägigen Arbeitsniederlegungen aus.

Regelmäßig Warnstreik bei Ikea, Rewe, Kaufland und Globus

Seit April war beispielsweise Ikea in Saarlouis mehrfach davon betroffen. Kollegen bei der Filiale des schwedischen Möbelhauses in Kaiserslautern taten es ihnen gleich. Und auch bei Einzelhändlern wie Rewe und Edeka kam es zum Arbeitskampf. Zudem beteiligten sich in der Region Belegschaften bei Kaufland daran. Bei dem Versandhändler Amazon ging zeitweise auch relativ wenig.

Sogar bei Globus folgten Mitarbeiter dem Verdi-Aufruf zum zeitbefristeten Streik, um den Druck auf HDE zu erhöhen. Zum ersten Mal seit Jahren habe es dort wegen fehlender Tarife Warnstreik gegeben, heißt es dazu von Verdi-Seite. Im Kaiserslauterner Warenhaus des Saar-Konzerns mit Sitz in St. Wendel beteiligten sich Angestellte daran. Globus hat bislang keinen Tarifvertrag.

Signalwirkung aus Rheinland-Pfalz für das Saarland?

Um diesen Tarifkonflikt beizulegen, verhandeln Verdi und HDE in verschiedenen Bezirken zu unterschiedlichen Zeiten. Nun steht die fünfte Runde in Mainz an. Einem möglichen Durchbruch in Rheinland-Pfalz komme eine Signalwirkung für die Verhandlungsführer im Saarland zu. Denn in der Regel übernehmen die Beteiligten anderer Bezirke im Kern die Vereinbarungen aus der Region, die als Erstes zum Ergebnis kommt.

Im Saarland wollen beide Seiten nach den Sommerferien Anfang September wieder verhandeln. Dann wird feststehen, ob sich die Kollegen im Nachbarbundesland einigten.

Verdi-Forderungen und HDE-Angebote

Zuletzt verlangte Verdi von den Arbeitgebern:

  • Tariflaufzeit von einem Jahr
  • 2,50 Euro mehr Gehalt pro Arbeitsstunde, das entspricht je nach Berufsstaffel ein Plus von bis zu zwölf Prozent
  • 250 Euro mehr Ausbildungsvergütung pro Ausbildungsjahr
  • Tarifverträge sollen für alle Unternehmen der Branche gelten.

Der Handelsverband stellte bislang folgenden Abschluss in Aussicht:

  • zwei Jahre Laufzeit des neuen Tarifvertrags
  • 8,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt sowie Einmalzahlungen
  • Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge für alle Unternehmen im Einzel- und Versandhandel wird abgelehnt.

Einige Betriebe preschten bereits vor Abschluss vor und erhöhten von sich aus den Lohn. Insbesondere in Norddeutschland machte der Einzelhandel damit von sich reden. Verdi indes wertet dies als Mittel, um die Streikbereitschaft zu torpedieren.

Im Saarland sind nach HDE-Angaben 43 000 Menschen in den beiden Sparten Einzel- und Versandhandel beschäftigt.