SVQ hat eine automatisierte Produktionslinie für Gabelstapler entwickelt

Karosserie-Fertigung : Lebacher treiben Automatisierung voran

Dank der Firma SVQ Maschinenbau müssen Gabelstapler-Teile nicht mehr von Hand verschweißt werden.

Die Automatisierung der Produktion dringt inzwischen auch in Bereiche ein, wo derzeit noch vieles in Handarbeit gemacht wird. Ein Beispiel ist die Karosserie-Fertigung von Gabelstaplern. Bislang wurden der Rahmen, der Mittelteil mit den Kotflügel-Ausbuchtungen für die Vorderräder sowie die Fahrerkabine weitgehend von Hand verschweißt und mit dem Gegengewicht am Heck des Staplers verbunden.

Doch damit scheint es vorbei zu sein. „Wir haben als erste eine automatisierte Produktionslinie für einen großen Gabelstapler-Hersteller entwickelt und fertiggestellt“, sagt Jörg Moses, Geschäftsführer der Lebacher Firma SVQ, die diesen Auftrag an Land gezogen hat. „Vor zwei Jahren startete dieser einen Ideenwettbewerb mit dem Ziel,die manuelle durch eine automatisierte Fertigung zu ersetzen“, erzählt Moses. „Wir haben uns gegen ein knappes Dutzend Wettbewerber durchgesetzt und vor einem halben Jahr den Auftrag bekommen.“ Derzeit werden die Spann-Vorrichtungen, in denen die Karosserieteile zum Bearbeiten fixiert werden, sowie die Transport- und Schweißroboter ins Gabelstaplerwerk dieses Herstellers gebracht.

Im Unterschied zu einer Autokarosse „sind die Bleche um einiges dicker, und sie werden nicht punktuell, sondern per Lichtbogen-Schweißverfahren unlösbar miteinander verbunden“, erläutert der SVQ-Geschäftsführer. „Die bekommt niemand mehr auseinander.“ Die jetzt fertiggestellte Produktionsstraße ist für Lasttransporter ausgelegt, die bis zu 3,5 Tonnen schaffen. Doch es sind schon Folgeprojekte für die gleiche, weltweit tätige Gruppe in Vorbereitung – nämlich Fertigungslinien für Stapler ab fünf Tonnen Lastgewicht und für solche, die weniger als 3,5 Tonnen wuchten können.

SVQ ist eines von mehreren Unternehmen eines Firmenverbunds, der unter Global Retool Group firmiert. Dieser wurde vor rund 15 Jahren von dem Ingenieur Andreas Quak, der heute noch geschäftsführender Gesellschafter ist, in Erkrath bei Düsseldorf gegründet. Vor zwölf Jahren zog die Gruppe nach Lebach, kaufte die leerstehende Halle des insolventen Maschinenbauers Michels und übernahm die Saarwellinger Vorrichtungsbau-Firma Mavor, die 2007 in die Pleite gerutscht war.

Das Hauptgeschäft und die Wurzel der Unternehmensgruppe ist das Umbauen und Überholen gebrauchter Werkzeugmaschinen (englisch Retool) speziell für die Automobilindustrie und ihre Zulieferer. Auch die Verlagerung von Maschinen in andere Fabriken bis hin zum Umzug ganzer Werke gehören zum Leistungsangebot. Dieser Geschäftszweig ist bei der Firma Wema Vogtland Technology (Plauen) angesiedelt.

Zum Produktspektrum der in Lebach beheimateten SVQ gehört noch das Einrichten von Vorrichtungs- und Schweiß-Stationen für Auto-Abgasanlagen. „Diese sind mit einem Auspuff früherer Jahre nicht mehr zu vergleichen“, sagt Moses. „Inzwischen sind das kleine Chemiewerke, in die Katalysatoren und Filter eingebaut werden, die Rußpartikel, Feinstaub oder Stickoxide aus den Abgasen herausfiltern oder – wie beim Diesel – Harnstoff hineinspritzen.“ Entsprechend hohe Anforderungen „werden an die Produktionslinien gestellt“.

Ebenfalls in Lebach zu Hause, ist die ebenfalls zur Gruppe gehörende Marke Siepmann, die von Solingen an die Saar verlegt wurde. Sie ist auf das vollautomatische Schleifen und Polieren von Messern, Scheren oder Handwerkszeugen spezialisiert.

Als die Global Retool Group vor zwölf Jahren, nach Lebach zog, „kamen wir uns in der 8000 Quadratmeter großen Michels-Halle etwas verloren vor“, erinnert sich der SVQ-Chef. Inzwischen ist sie gut gefüllt, und in Sulzbach-Neuweiler wurde eine zweite Halle von 3000 Quadratmetern hinzugemietet. Insgesamt beschäftigt der Unternehmensverbund 500 Mitarbeiter, davon 200 im Saarland. Außerhalb Deutschlands befinden sich noch Standorte in Luxemburg, Italien, der Slowakei, in den USA und in China. Der Umsatz liegt bei etwa 100 Millionen Euro.

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