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Streit im Saarland über SIKB-Kredit für 66-jährigen Gründer in Merzig

Kostenpflichtiger Inhalt: „Ich will arbeiten“ : Streit um Kredit für 66-jährigen Gründer

Ein Senior will ein Geschäft in Merzig kaufen und dafür einen Kredit aufnehmen. Die Landesförderbank SIKB lehnt ab – aber nicht wegen des Alters, sagt sie.

Peter ­Krafczyk will es noch einmal wissen. Der 66-Jährige möchte im Merziger Stadtteil Hilbringen einem leerstehenden „Nah und gut“-Markt neues Leben einhauchen und dort Brot, Fleisch, Obst und Gemüse, Schnittblumen, Presseartikel sowie Bier und Wein verkaufen. 30 Mitarbeiter sollen bei seinem Unternehmen Piratolux Deutschland arbeiten.

Das Ganze soll schon im Februar starten, doch noch fehlt ihm das nötige Geld. Dieses wollte er sich bei der landeseigenen Förderbank SIKB im Rahmen des Startkapitalprogramms Saarland leihen. 25 000 Euro, der Höchstbetrag, der in diesem Programm möglich ist, sollten es sein, um den Laden auf Vordermann zu bringen und ihn mit Waren zu füllen.

Doch die SIKB lehnte den Antrag ab. Zur Begründung führte sie unter anderem an, dass Qualifikations-Unterlagen fehlen würden. Krafczyk ist seitdem im Kampfmodus. „Einer Förderbank kann es doch nicht egal sein, wenn jemand 30 Arbeitsplätze schaffen will“, schimpft er. Der gebürtige Hamburger, den es im Sommer 2019 ins Saarland verschlug, hat sich an die Bürgerbeauftragte des Landes gewandt und den Saarlouiser Wirtschaftsanwalt Werner Vanghel eingeschaltet. Der macht mächtig Druck und legt dar, dass sein Mandant durchaus über das Wissen und die Fähigkeiten verfüge, einen solchen Markt aufzubauen und zu leiten. In den vergangenen vier Jahren habe er bereits Nahversorgungsmärkte geführt – nämlich in Frankreich, Deutschland und Belgien. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Saar attestiert ihm aufgrund diverser Bescheinigungen, beispielsweise von anderen Kammern, ebenfalls eine berufliche Expertise im Einzelhandel.

Doch der SIKB fehlen zu viele Dokumente, die seine Angaben stützen könnten. Seinem Lebenslauf zufolge hat er Jura und Betriebswirtschaftslehre in Deutschland und den USA studiert – „alle Studien mit Abschluss, promoviert“. Danach habe er für die Pariser Rothschild-Bank und mehr als 30 Jahre in führenden Positionen bei chinesischen Großbanken gearbeitet. Nach der Scheidung von seiner chinesischen Frau sei er 2014 von China nach Europa zurückgekehrt.

Dummerweise will der Spediteur, den Krafczyk mit seinem letzten Umzug von Belgien an die Saar beauftragt hatte, die Kartons, in denen diese Belege sein sollen, nicht herausrücken. Es geht offenbar um Geld. Beim Landgericht Trier liegt eine Klage mit dem Ziel, den Spediteur zur Herausgabe von Krafczyks Hab und Gut zu verurteilen.

Die Förderbank, die ebenfalls eine Anwaltskanzlei eingeschaltet hat, bleibt bei ihrer Entscheidung. „Wir sehen uns als Partner der Gründer in einer besonderen Verantwortung, einen größtmöglichen und nachhaltigen Erfolg des Gründungsvorhabens zu ermöglichen“, teilte SIKB-Vorstand Achim Köhler auf Anfrage mit. „Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, benötigen wir Unterlagen und Nachweise.“ Lägen diese nicht vor, seien bereits die formalen Voraussetzungen für den Antrag auf einen Gründungskredit nicht erfüllt. „Eine weitere Bearbeitung kann dann nicht vorgenommen werden.“

Der 66-jährige Peter ­Krafczyk lebte lange in China und kehrte 2014 nach Europa zurück. Foto: Lothar Warscheid

Krafczyk zufolge sind seine 66 Lebensjahre auch ein Grund für die Ablehnung gewesen – „ein klassischer Fall von Altersdiskriminierung.“ „Doch ich will arbeiten“, beteuert er. Die chinesische Scheidung sei teuer gewesen und seine deutschen Rentenansprüche seien aufgrund der Auslandstätigkeiten bescheiden. „Finanziell von Sozialbehörden abhängig zu sein, ist sehr entwürdigend.“