1. Saarland
  2. Saar-Wirtschaft

Steag will Kohlekraftwerk Völklingen-Fenne stilllegen

Kostenpflichtiger Inhalt: Strom- und Wärmeversorgung im Saarland : Steag will Kohlekraftwerk Völklingen-Fenne stilllegen

Das Essener Energieunternehmen setzt den Kohleausstieg fort. In Völklingen-Fenne soll die Kohleverstromung bald enden. Doch was wird aus den Mitarbeitern? Und wie sicher ist die Versorgung mit Fernwärme?

Der Energiekonzern Steag macht den nächsten Schritt zum Abschied von der Kohleverstromung im Saarland. Das Essener Unternehmen hat am Dienstag beschlossen, bei der Bundesnetzagentur die vorläufige Stilllegung des sogenannten Heizkraftwerks in Völklingen-Fenne zu beantragen. Mitte April hatte Steag bereits den gleichen Antrag für das Modellkraftwerk gestellt. Damit ist das Aus für beide Kraftwerksblöcke vorgezeichnet, die zusammen eine elektrische Leistung von 390 Megawatt haben.

Die Bundesnetzagentur könnte sie jedoch als systemrelevant für die Versorgungssicherheit einstufen und die Stilllegung untersagen. Die Prüfung, ob die beiden Kohlemeiler für die Stabilität des Stromnetzes gebraucht werden, dauert in der Regel mehrere Monate.

 Steag-Vorstandschef Joachim Rumstadt setzt den Weg des Kohleausstiegs fort.
Steag-Vorstandschef Joachim Rumstadt setzt den Weg des Kohleausstiegs fort. Foto: imago images / sepp spiegl/imago stock

Steag begründet die Pläne mit fehlenden Chancen, mit den Kohlekraftwerken noch Geld zu verdienen. Zudem „ist ein Weiterbetrieb der Anlagen über das Jahr 2026 hinaus durch die gesetzlichen Regelungen für den Ausstieg aus der Steinkohleverstromung praktisch ausgeschlossen“, sagte Vorstandschef Joachim Rumstadt.

Die Kohle-Blöcke liefern schon seit einigen Jahren viel weniger Strom als in früheren Jahren. Sie werden von erneuerbaren Energien aus dem Markt verdrängt. Das Modellkraftwerk ist seit Anfang April abgeschaltet und soll bis Ende September auch nicht mehr ans Netz gehen. Es ist nach Steag-Angaben nun das vierte Jahr in Folge, dass diese Steinkohle-Verstromungs-Anlage im Frühjahr und Sommer nicht läuft. Das Heizkraftwerk „ist zwar nicht im Saisonbetrieb, aber die Zahl der Betriebsstunden ist nicht sehr hoch“, sagte ein Steag-Sprecher. Offenbar sind sie zu niedrig, um Gewinne zu erzielen.

Von der vorläufigen Stilllegung wären rund 120 Mitarbeiter betroffen. Daraus folgt aber nicht, dass der Belegschaft gekündigt wird. Vorläufige Schließung heiße, dass das Kraftwerk auch wieder ans Netz gehen könne. Dafür müsse das Gros der Belegschaft gehalten werden, erläuterte der Sprecher. Nur ein relativ geringer Personalabbau sei damit verbunden. Ein Teil der Beschäftigten werde auch aus Altergründen ausscheiden. Weitere Mitarbeiter könnten an die Standorte Weiher (Quierschied) oder Bexbach wechseln, versicherte Steag-Arbeitsdirektor Andreas Reichel. Sie haben dort noch für mindestens vier Jahre eine Perspektive. Diese beiden Kraftwerke sind seit Jahren in der Netzreserve, und die Bundesnetzagentur habe die Einstufung als systemrelevant erst kürzlich bis Frühjahr 2025 verlängert, sagte der Steag-Sprecher. Die Steinkohlekraftwerke müssen ständig bereitstehen, um einspringen zu können, wenn Wind und Sonne nicht genügend Energie liefern und zu wenig Strom im Netz ist.

Der große Stellenabbau wäre erst mit einer endgültigen Schließung der Kraftwerke in Fenne verbunden, die vielleicht in einigen Jahren ansteht. Der vorläufige Stopp ist ein Schritt in diese Richtung. Wenn die Bundesnetzagentur dafür grünes Licht gibt, kann sich Steag mit den Völklinger Anlagen an Stilllegungs-Auktionen für Steinkohlekraftwerke beteiligen, die das Gesetz zur Beendigung der Kohleverstromung vorsehe, sagte ein Sprecher. Dabei bewerben sich Betreiber von Kohlekraftwerken um eine Entschädigung vom Staat für die endgültige Schließung. Diese Entschädigungen schließen auch Gelder für Mitarbeiter ein, um die Zeit bis zum Renteneintritt zu überbrücken.

Auch wenn beide Kohleblöcke vorläufig vom Netz gehen, sei die Fernwärmeversorgung im Raum Völklingen und Saarlouis gesichert, teilte Steag mit. „Wir haben hier frühzeitig begonnen, alternative Wärmequellen zu erschließen, als absehbar war, dass wegen des Kohleausstieg die Leistung der beiden Anlagen auf Dauer nicht mehr zur Verfügung stehen wird“, sagte Thomas Billotet, Sprecher der Geschäftsführung der Steag-Tochter Steag New Energies mit Sitz in Saarbrücken.

So seien in Völklingen und Saarlouis neue Heizwerke mit zusammen 40 Megawatt Wärmeleistung im Bau, um die Wärmeversorgung garantieren zu können. Im vierten Quartal dieses Jahres sollen sie in Betrieb gehen. Dazu kommt noch Wärme vom Motoren-Heizkraftwerks in Fenne, das mit Erd- und Grubengas befeuert wird. Außerdem soll ab Ende 2022 Abwärme der Abfallverwertungsanlage Velsen für die Fernwärmeversorgung zur Verfügung stehen. Jährlich soll sie 170 000 Megawattstunden Wärme für die Fernwärmeschiene Saar beisteuern.

Neben Wärme will Steag in Fenne auch weiterhin Strom erzeugen. Das Gasmotoren-Kraftwerk mit seinen 42 Megawatt Leistung soll in Betrieb bleiben. Auch plant das Essener Energieunternehmen dort unter dem Projekttitel „Hydro-Hub Fenne“ den Bau eines Elektrolyseurs zur Erzeugung grünen Wasserstoffs, der einen Beitrag zur Dekarbonisierung der Stahlindustrie und des Mobilitätssektors im Saarland leisten soll. Bisher sollte dieser Hydro-Hub 2023 fertig sein. Doch die Fertigstellung könne sich laut Steag bis 2026 hinauszögern. Insgesamt sieht sich der Konzern in einem Wandel weg von der Kohle hin zu erneuerbaren Energien und Wasserstoffwirtschaft. Dabei spielt die saarländische Steag New Energies eine wichtige Rolle.