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Steag plant, die Kraftwerke an der Saar auf Gasbetrieb umzurüsten

Kraftwerke werden umgerüstet : Steag setzt im Saarland auf Gas

Unternehmenschef Joachim Rumstadt hofft auf finanzielle Unterstützung vom Bund für Kraftwerkumrüstung.

Der Energiekonzern Steag plant, die Kraftwerke an der Saar auf Gasbetrieb umzurüsten. Das sagte Steag-Vorstandschef Joachim Rumstadt gestern am Rande der Bilanzpressekonferenz des Konzerns in Essen. Im Rahmen des Beschlusses der Kommission „Wachstum Strukturwandel Beschäftigung” zum Kohleausstieg seien entsprechende Hilfen bei der Umwandlung von Kohlestandorten auf Gasbetrieb ausdrücklich vorgesehen. „Wir warten nun ab, was die Bundesregierung konkret an Hilfen anbietet“, sagte der Steag-Chef. Aktuell unterhält Steag drei Kraftwerksstandorte im Saarland auf der Basis von Steinkohle: Bexbach, Weiher bei Quierschied und das Kraftwerk Fenne bei Völklingen. Bexbach und Weiher sind vorübergehend stillgelegt, aber als Reservekraftwerke weiter am Netz, da sie benötigt werden, wenn die Stromerzeugung in Wind- und sonnenarmen Zeiten nicht ausreicht. Aktiv ist weiterhin der Standort Fenne, der auch die Fernwärmeschiene Saar bedient.

Perspektivisch sieht Rumstadt für alle drei Standorte eine Zukunft. Er geht davon aus, dass der Strompreis in den kommenden Jahren angesichts abnehmender Kraftwerkskapazität in Deutschland wieder steigt. Bexbach und Weiher könnten dann auch so wieder reaktiviert werden. Er geht davon aus, dass diese Kraftwerke ab etwa 2022 „wieder im Geld sind“, also profitabel arbeiten könnten.

Sinnvoller sei aber im Rahmen des Klimaschutzes eine Umrüstung auf Gasbetrieb. Für Weiher und Bexbach rechnet der Konzern mit einem Einsatz von je zwei Turbinen mit jeweils 300 MW Leistung. In Fenne ist ein Ersatz der bisherigen Kohlekapazität von rund 400 MW durch eine moderne Gasturbine geplant. „Damit ist das Saarland dann wieder ein bedeutender Erzeugungsstandort“, sagt Rumstadt. Bei einer Realisierung baut Rumstadt auf entsprechende Förderung des Bundes. „Ein solches Kraftwerk kostet rund 500 Millionen Euro”, sagt Rumstadt. „Meine Phantasie, was eine Beteiligung des Bundes angeht, ist recht groß.“

Die Idee, etwa am Standort Weiher ein Gaskraftwerk zu bauen, kam bereits 2004 zur Sprache. Das zuständige Ministerium hat den Bau anschließend zwar geprüft und genehmigt, die Pläne wurden aufgrund hoher Gaspreise aber zunächst auf Seite gelegt. 2012 begann das Unternehmen schließlich eine Gasleitung zum Kraftwerk zu legen. Nun könnte das Vorhaben konkret werden.

Mit dem Umbau in Fenne könnte dann auch die Fernwärmeschiene Saar zwischen Völklingen und Saarbrücken reaktiviert werden. Aktuell ist die Leitung wegen erheblicher Schäden stillgelegt. Saarbrücken muss deshalb zurzeit vom Kraftwerk Römerbrücke versorgt werden, Energie Saar-Lor-Lux (ESLL) hatte als Betreiber des Kraftwerks erst vor wenigen Wochen angekündigt, dieses weiter auszubauen. Das wäre bei einer Umrüstung in Fenne und einer Sanierung der Leitung zwischen Saarbrücken und Völklingen nicht mehr nötig, sagte Wolfgang Cieslik, Geschäftsführer Technik und Erzeugung. Wie es nun weitergehe, hänge allerdings von Verhandlungen mit dem Partner ESLL ab. Für die Sanierung der Leitungen geht Cieslik von einem Investitionsvolumen von zehn bis zwölf Millionen Euro aus.

Grundsätzlich bezeichnete Rumstadt die Entscheidungen zum Kohleausstieg gestern als „schmerzlich”. Die Betreiber von Steinkohlekraftwerken müssten dabei die Hauptlast tragen. „Die deutlich bessere CO2-Bilanz und die höhere Flexibilität der Steinkohleblöcke im Vergleich zu Braunkohlekraftwerken haben sich in den Empfehlungen der Kommission leider nicht durchgesetzt”, sagt Rumstadt. „Von den 12,5 Gigawatt Leistung, die schon 2022 vom Netz gehen sollen, entfallen fast zwei Drittel auf Steinkohlekraftwerke.“

Steag betreibt in Deutschland Kraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 7,7 Gigawatt. 4,9 Gigawatt davon Kohle. Beim operativen Ergebnis (Ebit) des Konzerns von 160,6 Millionen Euro machen diese Kraftwerke allerdings nur noch einen Anteil von sechs Prozent aus. Deutlich mehr erwirtschaftet die Steag mittlerweile mit Kraftwerken im Ausland, unter anderen in der Türkei, Kolumbien und den Philippinen. Sie machen 38 Prozent des Ebit aus. 30 Prozent entfallen auf Dezentrale Anlagen und Erneuerbare Energien, 26 Prozent auf Dienstleistungen.

Sowohl Umsatz als auch Ergebnis sind bei Steag vor allem im Zuge von Kraftwerksstilllegungen im vergangenen Jahr zurückgegangen. Der Umsatz sank um 20 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro, das operative Ergebnis um 19 Prozent auf 160,6 Millionen Euro. „Damit hat sich der Gewinn besser entwickelt als erwartet“, sagt Finanzchef Michael Baumgärtner. Geplant hatte Steag mit einem Rückgang von 30 Prozent.