Statistisches Amt: Jahresrückblick belegt Industriekrise

Industriekrise : So schlecht lief die Saar-Wirtschaft in diesem Jahr

Der Jahresrückblick des Statistischen Amtes des Saarlandes belegt die Ausmaße der Industriekrise.

Die saarländische Wirtschaft hat in diesem Jahr deutlich an Schwung verloren. Vor allem in der Industrie ging es bergab, wie der am Freitag vom Statistischen Amt des Saarlandes vorgestellte Jahresrückblick auf die Entwicklung der Saar-Wirtschaft zeigt. „Aufgrund ihrer starken Verflechtung auf den globalen Märkten bekommt sie die Auswirkungen des Brexit, der internationalen Handelskriege und der weltweiten Nachfrageschwäche deutlich zu spüren“, sagte karl Schneider, der stellvertretende Leiter des Statistischen Amtes.

Konkret heißt das: Die Aufträge für die Saar-Industrie gingen von Januar bis September demnach um 8,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück. Die Produktion verringerte sich um 3,4 Prozent, und die Umsätze blieben mit 20 Milliarden Euro 3,6 Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Die Auto- und Autozulieferindustrie hatte besonders zu leiden. Die Auftragseinbußen lagen in den ersten neun Monaten 2019 laut Jahresrückblick bei 7,8 Prozent. Die Produktion wurde um 7,6 Prozent heruntergefahren. Die Umsätze fielen mit 6,8 Milliarden Euro um 4,9 Prozent geringer aus.

Im Maschinenbau lief es nicht viel besser. Die Unternehmen drosselten den Daten der Statistiker zufolge ihre Produktion um 6,7 Prozent, die Erlöse gingen um 4,2 Prozent auf vier Milliarden Euro zurück, und die Aufträge verringerten sich um 9,5 Prozent.

Die Stahlindustrie produzierte laut Behörde zwar noch 0,7 Prozent mehr, aber die Umsätze fielen um 3,2 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Vor allem gingen aber deutlich weniger Aufträge ein: Ihr Wert ging um 15,9 Prozent zurück. Aus der Entwicklung hatten Saarstahl und Dillinger Hütte Konsequenzen gezogen und Ende September den Abbau von 1500 Stellen angekündigt.

In anderen Branchen lief es dagegen besser. Das Baugewerbe steigerte seine Umsätze in den ersten neun Monaten um fast zehn Prozent auf eine Milliarde Euro. Das größte Plus erreichte den Statistikern zufolge das Ausbaugewerbe, also das Handwerk von den Elektrikern bis zu den Fliesenlegern. Um 28,1 Prozent gingen die Umsätze nach oben – auf 338 Millionen Euro.

Darüber hinaus waren die Saarländer konsumfreudig. Im Einzelhandel – ohne Auto-Handel – legten die Umsätze von Januar bis September um drei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Der Handel mit Kraftfahrzeugen stieg um 5,3 Prozent. Im Gastgewerbe sanken die Umsätze jedoch um 4,1 Prozent.

Nimmt man die schlechte Entwicklung der Industrie und die positive im Handel zusammen, ergibt sich, dass die Saar-Wirtschaft weiter schrumpft. Die gesamte Wirtschaftsleistung, das sogenannte Bruttoinlandsprodukt, ging im ersten Halbjahr um 0,4 Prozent zurück. Bundesweit stieg es dagegen um 0,4 Prozent. Die schwache Konjunktur­entwicklung im Saarland schlug auch auf den Arbeitsmarkt durch. Im Saarland waren Ende November 32 309 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 2247 Betroffene oder 7,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, für die das Statistikamt sich auf die aktuellsten Zahlen der Arbeitsagentur vom September berief, gingen die Zahlen speziell in der Industrie stark herunter – um 2400 auf 96 100 Beschäftigte. In der Zeitarbeit, die besonders in der Industrie tätig ist, sank die Zahl der Beschäftigten um 1800 auf 10 300.

Die schwierige Situation der Auto- und Stahlindustrie sowie des Maschinenbaus spiegelt sich auch im Außenhandel. Wegen der Schwäche dieser stark vom Export abhängigen Wirtschaftszweige gingen die Ausfuhren zurück: bis September um 3,2 Prozent auf 11,7 Milliarden Euro, so das Statistische Amt. Der Exportüberschuss ist fast auf Null geschrumpft. Denn die Importe stiegen um 6,9 Prozent auf 11,6 Milliarden Euro.