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Start-up 2Log aus Saarbrücken entwickelt System zu Werkstattüberwachung

Start-up aus Saarbrücken : Werkstatt-Kontrolleur aus der Steckdose

Das Saarbrücker Start-up 2Log entwickelt ein System, das Unbefugten den Zugang zu Maschinen im Betrieb verwehren soll.

Ob betriebliche oder überbetriebliche Ausbildungszentren, Ingenieurfakultäten an Hochschulen, Industrie- oder Handwerksunternehmen – wer eine Werkstatt besitzt, kennt das Problem: Viele Leute haben Zugang zu ihr, aber nicht alle können oder dürfen die Maschinen bedienen, die dort stehen. Ein neugieriger Lehrling könnte in einem unbeaufsichtigten Moment kaum daran gehindert werden, mal kurz eine Fräsmaschine anzuwerfen, um ein Metallstück zu bearbeiten. „Künftig wird unsere Hard- und Software hier einen Riegel vorschieben“, ist Tim Vollmer überzeugt. Er ist neben Friedemann Metzger Geschäftsführer und Mitbegründer der Firma 2Log.io.

Das noch junge Unternehmen, das derzeit im Starterzentrum der Saar-Universität zu Hause ist, kann mit einer unscheinbar wirkenden Zusatz-Einrichtung ohne großen Aufwand sicherstellen, dass in einer Werkstatt nur derjenige eine Maschine oder einen 3-D-Drucker bedienen darf, der dafür autorisiert ist. Dazu wird zwischen Stromstecker und Steckdose als Adapter der 2Log-Switch gesteckt. Dieser ist über ein lokales drahtloses Netzwerk mit dem 2Log-Dot verbunden, der einem Eishockey-Puck ähnelt. Wer in der Werkstatt arbeiten will, identifiziert sich mit seinem Ausweis, den er nahe an den 2log-Dot hält. Dieser erkennt über ein Funksignal seine Berechtigung. Erst dann kann er die Maschine einschalten, weil der 2Log-Switch an der Steckdose ab diesem Moment die Stromzufuhr freischaltet.

 Künftige Nutzer des 2log-Systems müssen ihre Lehrlinge, Studenten oder Mitarbeiter nicht mit neuen Identifikations-Karten ausrüsten. „Diese Funktechnologie ist in jedem normalen Hochschul- oder Firmenausweis integriert, mit dem beispielsweise auch die Arbeitszeit erfasst wird“, sagt Vollmer. „Damit erfüllen die Betreiber der Werkstatt nicht nur die Sicherheits-Vorgaben des Arbeitsschutzgesetzes, weil wirklich nur berechtigte Bediener dort arbeiten können und Unfälle vermieden werden. Sie verhindern auch, dass ein teurer Apparat durch unsachgemäße Bedienung beschädigt wird“, sagt er.

Doch 2Log.io hat noch mehr zu bieten. „Mit unserem 2Log-System können wir auch den Stromverbrauch sowie die Nutzungs- und Auslastungsdaten jeder einzelnen Maschine messen und genau dokumentieren, wann sie im Einsatz war.“ Dies sei unter anderem für Betriebe interessant, die Teile in Lohnfertigung bearbeiten. „Diese können aufgrund der Verbrauchsdaten wesentlich besser als bisher eine Kalkulation erstellen, da die Maschinenlaufzeit exakt dokumentiert werden kann“, erläutert Vollmer. Auch die Wartungs-Intervalle lassen sich damit besser eingrenzen.“ Was allerdings nicht geht, ist die Überprüfung der Mitarbeiter über das 2Log-System. „Es erteilt und verwehrt zwar die Arbeitsberechtigung für die Maschine, aber alle anderen personenbezogenen Daten werden anonymisiert“, versichert Vollmer.

Der Werkstattleiter kann das Geschehen vor Ort auf seinem stationären Computer verfolgen. Da es sich bei dem 2Log-System um eine Cloud-Lösung handelt und für die grafische Darstellung ein Internet-Browser verwendet wird, „können die Daten überall abgerufen werden – auch als App auf einem Smartphone“, erläutert er.

Im Gründerteam ist Metzger der Informatiker. Vollmer hat als Lehrer für Kunst und Geschichte gearbeitet und danach an der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK) Produktdesign studiert. „Ich war als wissenschaftlicher Assistent für das Digitales Produktionszentrum der HBK zuständig“, erzählt er. Dort können Studierende mithilfe digitaler Verfahren Modelle, Prototypen und Kleinserien fertigen. „Im Blick zu haben, wer dort arbeiten durfte, war sehr aufwändig und zeitraubend.“ Irgendwann lernte er den IT-Fachmann Friedemann Metzger kennen – „beim Grillen am Saarbrücker Staden“. Der beschäftigte sich mit ähnlichen Themen. Sie taten sich zusammen und heuerten Metzgers Studienfreund Sascha Münzberg an, der sich auf IT-Sicherheit spezialisiert hatte und „als bezahlter Hacker“ für eine Freiburger Firma arbeitete. Heute sorgt er bei 2Log.io dafür, dass kein Unbefugter die Daten abgreift. Die Vierte im Team ist die Elektrotechnikerin Amitha Mayya.

Inzwischen steht auch die mittelfristige Finanzierung. Das saarländische Netzwerk der Business Angels, in dem erfahrene Firmeninhaber und Führungskräfte junge Unternehmer mit Potenzial unterstützen, hat ihnen einen Kredit gewährt. Außerdem erhalten sie aus dem Programm Exist des Bundeswirtschaftsministeriums ein Gründerstipendium. Noch kann man das 2log-System nicht kaufen. „Uns fehlt noch eine Zertifizierung“, sagt Vollmer. „Doch wir wollen Ende des Jahres loslegen.“ Kürzlich wurde 2Log.io auch beim Wettbewerb „Kreativsonar“ ausgezeichnet, bei dem clevere Geschäftsideen aus dem Saarland, Rheinland-Pfalz und Ostbelgien prämiert wurden.