Stahlindustrie im Saarland: Saarstahl und Dillinger Hütte bauen 1500 Stellen ab

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In der saarländischen Stahlindustrie werden 1500 Arbeitsplätze abgebaut. Außerdem sollen 1000 Stellen ausgelagert werden.

Das kündigte der Vorstandsvorsitzende der Dillinger Hütte und von Saarstahl, Tim Hartmann, an. Ziel soll sein, bis zu 250 Millionen pro Jahr einzusparen und langfristig profitabel zu werden. Die Stellenstreichungen soll unter anderem damit erreicht werden, indem Doppelstrukturen, die es bei den beiden Konzernen trotz er gemeinsamen Holding SHS immer noch gibt, abgebaut werden. Der Personalvorstand beider Konzerne, Peter Schweda, geht davon aus, dass noch in diesem Jahr mit den Arbeitnehmer-Vertretern eine Einigung erzielt werden kann.

Grund für die Anpassungen ist unter anderem die „langanhaltende und strukturelle Krise in der europäischen Stahlindustrie, verursacht durch Protektionismus und hohe Überkapazitäten“. Außerdem habe die saarländische Stahlindustrie, die rund 14 000 Mitarbeiter beschäftigt – davon 10 900 an der Saar, „im Vergleich zum Wettbewerb zu hohe Kosten“, sagte Hartmann. Dies gelte auch hinsichtlich der deutschen und europäischen Wettbewerber. Daher werde das Jahr 2019 mit Verlusten abschließen.

Gleichzeitig planen die saarländischen Stahlkonzerne ein gemeinsames Zukunftsprogramm, um die Produktion noch effizienter und CO2-frei zu machen. Außerdem müsse der Vertrieb internationaler und auf noch anspruchsvollere Kundengruppen zugeschnitten werden. „Die modernste und sauberste Stahlindustrie der Welt soll an der Saar entstehen“, so Hartmann. Mit dem Know-How der Mitarbeiter sei dies zu schaffen. Schon heute fertige die saarländische Stahlindustrie „Produkte auf weltweit sehr hohem Niveau“, erinnerte Technik-Vorstand Martin Baues. Neben der Top-Qualität werde auch die Liefertreue der Unternehmen von den Kunden sehr geschätzt.

Allerdings müssten auch die politischen Rahmenbedingungen stimmen. Derzeit seien die Kosten, die durch den Emissionshandel entstehen, „existenzbedrohend“, sagte Hartmann. Schmutziger Stahl aus dem Ausland müsste mit Aufschlägen belegt werden. Ansonsten würde die „sauberste Stahlindustrie der Welt an die Wand gedrängt, wohingegen in anderen Regionen Stahl unter wesentlich schlechteren Umweltbedingungen hergestellt wird“. Der Wettbewerbsrahmen müsse fair gestaltet sein. Zudem seien die Energie- und die Arbeitskosten, die die deutsche Stahlindustrie zahlen müsse, höher als bei den Wettbewerbern. Stahl habe weiter Zukunft, die Nachfrage steige, sagte Hartmann. Nur mit diesem Werkstoff seien die Herausforderungen der Zukunft zu schaffen, egal ob es es um Windparks auf dem Meer oder neue Formen der Mobilität handelt.

Das Ziel, Stahl frei von Kohlendioxid-Emissionen herstellen zu können, „muss allerdings staatlich unterstützt werden“, betonte Hartmann. Er rechnet allein für Deutschland mit Mehrkosten von 30 Milliarden Euro. Davon müsse die saarländische Stahlindustrie 2,5 Milliarden erhalten.

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