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Spargel-Bauern im Saarland wegen Corona vor Problemen mit Absatz und Ernte

Kostenpflichtiger Inhalt: Wegen Corona-Krise fehlen Erntehelfer : Spargelbauern befürchten Ernteausfälle

Einreisebeschränkungen für Erntehelfer und neue Regelungen während der Corona-Krise machen den Betrieben schwer zu schaffen.

Die Spargelernte steht vor der Tür. Doch in diesem Jahr überschattet die Corona-Pandemie selbst die kleinen Freuden des Alltags. In ganz Deutschland fehlen laut Deutschem Bauernverband (DBV) Erntehelfer. Das betrifft hauptsächlich Großbetriebe in Norddeutschland und in Rheinland-Pfalz. „Insgesamt kommen pro Saison 280 000 Erntehelfer vor allem aus osteuropäischen Ländern nach Deutschland, um bei der Ernte zu helfen. Derzeit gibt es da einen Engpass“, sagt Hans Lauer, Geschäftsführer des Bauernverbands Saar. Die Situation im Saarland sei jedoch nicht ganz so angespannt wie im Rest Deutschlands, weil bereits vor einigen Wochen viele der benötigten Helfer eingetroffen seien und der Bedarf hierzulande wegen der überschaubaren Anzahl an Betrieben nicht ganz so groß sei.

Einer dieser Betriebe ist das Erdbeerland Ernst in Heusweiler. „Wir arbeiten hier einen ganzen Tag, um uns der aktuellen Situation anzupassen, und dann kommt ein neuer politischer Erlass und wir müssen alles über den Haufen werfen“, sagt Betriebsleiter Mark Bernauer. Das Erdbeerland beschäftigt über das Jahr verteilt etwa 200 Erntehelfer, die vor allem aus Rumänien und Polen stammen und zwischen vier und 16 Wochen bleiben. „Viele dieser Arbeiter beschäftigen wir saisonweise schon seit 15, 20 Jahren.“

Diese Woche sollten sechs weitere eintreffen, doch seit Mittwoch gilt ein Erlass des Bundesinnenministeriums, der einen allgemeinen Einreisestop für Erntehelfer „bis auf Weiteres“ vorsieht. „Eigentlich sollten die Arbeiter per Bus anreisen. Dann wurde die österreichische Grenze dicht gemacht, und wir mussten umplanen. Danach hieß es, auch eine Einreise über Ungarn sei per Bus nicht mehr möglich, also sind wir dazu übergegangen, die Einreisen mit dem Flugzeug abzuwickeln.“ Auch das ist jetzt nicht mehr möglich, der Betrieb muss mit den Helfern auskommen, die er bis dato hat akquirieren können.

Zusätzlich müsse sein Betrieb dafür sorgen, dass die Gastarbeiter eine angemessene Unterkunft erhielten, sagt Bernauer. Diese müsse nicht von den Helfern von ihrem Mindestlohn bezahlt werden, sondern werde gestellt. Normalerweise kommen die Saisonarbeiter in Gemeinschaftsräumen mit je sechs Personen unter. Diese Belegung will er jetzt „entzerren“, indem weitere Häuser angemietet werden. Zielgröße seien vier Personen pro Unterkunft. Dies verringere auch im Falle einer Corona-Infektion eine unkontrollierte Ausbreitung und diene sowohl dem Mitarbeiterschutz wie auch der Aufrechterhaltung des laufenden Betriebs.

Eine weitere Vorgabe: „Normaler-
weise fahren wir unsere Arbeiter in Kleinbussen zu den Feldern. Eine Kolonne besteht aus neun Personen. Jetzt gibt es einen Erlass, dass maximal sechs Personen gleichzeitig in einem Bus sitzen dürfen“, erzählt Bernauer. Also brauche er jetzt kurzfristig zusätzliche Fahrzeuge, doch allein deren Zulassung sei nicht ohne Weiteres möglich, weil die Zulassungsstellen geschlossen sind. Er habe gerade mehrere Anhänger mit „Hygienestationen und Handwaschmöglichkeiten“ zugelassen. „Das alles kostet natürlich Geld und Zeit.“ Trotz aller Hürden rechne er für Samstag mit einer ersten Spargelernte – wenn das Wetter mitspielt. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor für die Bauern.

In der Landwirtschaft habe man nie richtige Planungssicherheit, sagt der Betriebsleiter. „In dieser Saison kämpfen wir an drei Fronten gleichzeitig: Wetter, Personal und Absatzmarkt.“ Denn auch dieser ist 2020 durch die flächendeckende Schließung von Gastronomiebetrieben eingeschränkt. „Wenn die Gastronomie wegbricht, müssen wir sehen, wie es weitergeht“, sagt Hans Lauer vom Bauernverband. Zwar könne Spargel eingefroren werden, allerdings stünden hierfür nicht ausreichend Kapazitäten in industriellem Maßstab zur Verfügung. Gleiches gelte für die Konservierung. „Vermutlich werden auch Endverbraucher sich keine 20 Kilo Spargel in die Tiefkühltruhe legen.“

Im Erdbeerland hat Betriebsleiter Bernauer bereits beschlossen, nicht alle Felder abzuernten. „Das können wir derzeit personell nicht leisten“, sagt er. Somit sei der wirtschaftliche Schaden absehbar. Mit Kurzarbeitern aus anderen Firmen als Erntehelfer habe man keine allzu guten Erfahrungen gemacht. Das bestätigt auch Hans Lauer: „Für viele Menschen ist das eine ungewohnte Arbeit. Das bedeutet aber nicht, dass es keine qualifizierten Helfer gibt.“ Bernauer selbst tendiert eher dazu, Kurzarbeiter in der Logistik und im Verkauf einzusetzen. Doch wie der sich entwickelt, steht ebenfalls in den Sternen.

Betriebsleiter Mark Bernauer im Erdbeerland in Heusweiler Foto: Raphael Pönicke. Foto: Raphael Pönicke

Durch den geringeren Pendlerverkehr und fehlende Laufkundschaft falle voraussichtlich auch der Straßenverkauf schlechter aus als in den Vorjahren. Bernauer hofft jetzt auf den lokalen Einzelhandel. Denn der komme durch voraussichtlich ausbleibende Importe aus Italien, Spanien und Frankreich ebenfalls in die Bredouille. „Die Frage der Einzelhändler an uns Produzenten wird dieses Jahr nicht lauten: ‚Was kostet Dein Spargel’, sondern eher: ‚Hast Du welchen’“, sagt Bernauer. Hans Lauer appelliert deshalb an die Verbraucher, verstärkt auf regionale und frische Produkte zurückzugreifen, sobald diese im Handel sind. „In dieser Zeit sollten wir uns gegenseitig unterstützen“, sagt der Geschäftsführer.„Ein totaler Einbruch des Verkaufs kann für Betriebe existenzbedrohend werden.“