So sollen Bus und Bahn im Saarland attraktiver werden

Kostenpflichtiger Inhalt: Pläne für den ÖPNV der Zukunft : So sollen Bus und Bahn attraktiver werden

Saar-Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) hat Pläne für den Ausbau des öffentlichen Bus-und Schienennetzes im Saarland vorgestellt.

Anke Rehlinger (SPD) hat Visionen, geht damit aber nicht, wie es Altkanzler Helmut Schmidt einst nahegelegt hatte, zum Arzt. Ganz im Gegenteil: Selbstbewusst trägt die saarländische Verkehrsministerin ihre Visionen für den öffentlichen Nahverkehr im Saarland am Dienstagmittag in der Staatskanzlei vor. Es sei nichts Geringeres als der „Ausgangspunkt einer Zeitenwende“. Das Gutachten, das sie per Powerpointfolie präsentiert, skizziert, wie der Bus- und Schienenverkehr in den kommenden Jahren im Saarland besser, günstiger und zuverlässiger werden soll. Kernstücke dieses großangelegten Verkehrsentwicklungsplans (VEP) sind ein erweitertes Schienennetz, neue Bus- und Bahnhaltestellen und attraktivere Ticketpreise – vor allem für Vielfahrer. Auch das Saarbahnnetz soll nach Bedarf wachsen. Der Teil des Plans, der nicht unter „Visionen“ läuft, sondern laut Rehlinger definitiv kommen soll: die Tarifreform mit günstigeren Bus- und Bahntickets ab Anfang 2021 und die Reaktivierung der Schienenstrecke Homburg-Zweibrücken (Kostenpunkt 28,5 Millionen Euro). Letzteres sei bereits „auf dem Gleis“, ab 2025 werde es dort eine Zugverbindung geben. Für den Schienenverkehr bekomme das Saarland bis 2031 insgesamt 62 Millionen Euro mehr aus der Bundeskasse. Bislang stünden jedes Jahr 100 Millionen Euro aus diesem Topf zur Verfügung, die jedoch bereits in Projekten mit teils 30 Jahren Laufzeit gebunden seien. Klar ist also: Wenn die ambitionierten Ziele aus dem Entwurf des Verkehrsentwicklungsplans in die Tat umgesetzt werden sollen, müssen noch einige Mittel in den kommenden Jahren fließen.

Auf der Grundlage des Gutachtens will die Landesregierung nur dort investieren, wo auch Nachfrage besteht. Neben der umfassenden ÖPNV-Tarifreform soll Folgendes in absehbarer Zeit entstehen: eine zusätzliche Saarbahnhaltestelle am Saarbasar (Saarbrücken-Eschberg), eine Ladeinfrastruktur für den Akku-Betrieb der Illtalstrecke und eine funktionierende Rosseltalbahn. Für den Ausbau der Saarbahnstrecke Römerkastell-Saarbasar sind acht Millionen Euro veranschlagt. Angedacht sind auch zwei neue Saarbahnlinien bis Forbach und Großrosseln. „Allerdings erfordern diese hohe Investitionen“, heißt es in der Zusammenfassung. Die Strecke nach Großrosseln könne für 27 Millionen Euro zunächst mit Dieselbetrieb reaktiviert, dann später elektrifiziert und als Saarbahn ausgebaut werden.

Teil des Entwurfs ist auch die Vision einer „S-Bahn Saarland“. Das Regionalbahnnetz soll sich schrittweise zu einem S-Bahn-Netz entwickeln. Tagsüber sollen dann im „Kernnetz“ mindestens im 30-Minuten-Takt Saar-S-Bahnen fahren – der Markenname „S-Bahn Saarland“ ist übrigens schon sicher. Auf den zentralen Strecken, beispielsweise Völklingen/Rohrbach, soll ein 15-Minuten-Takt-Angebot entstehen. Die Kosten für ein zusätzliches S-Bahn-Gleis zwischen Burbach und Rohrbach – ebenfalls Teil der Strategie – beziffert das Ministerium auf 23 Millionen Euro. Die angedachten zusätzlichen S-Bahn-Haltestellen der Zukunft – macht dann noch mal rund 16 Millionen Euro – wären Saarbrücken-Rotenbühl, Rußhütte, Saarbasar, Quierschied-Süd und Völklingen-Heidstock. Und da wo künftig keine Bahnen rollen, sollen Busse den Bedarf decken. Die im Entwurf vorgesehenen neuen Produkte heißen Plus-Bus und Express-Bus. Plus-Busse als ganztägiges Angebot für jedermann, Express-Bus als spezifische Schnell-Verbindung und Angebot für Berufspendler. Der Express-Bus soll nicht an jeder Milchkanne halten, sondern vor allem schnell und konkurrenzfähig im Vergleich zum Auto von A nach B befördern. Effizienz ist also das Ziel auf allen Ebenen. Um ihm näherzukommen, soll der Projektbeirat die VEP-Vorschläge in diesem Monat noch diskutieren. Für Anfang 2020 ist ein öffentliches Bürgerforum geplant. Im Anschluss wird das Kabinett darüber befinden, frühstens im Sommer 2020 sollen aus den Vorschlägen dann Beschlüsse werden.

Aber selbst dann bleibt noch unklar, ob die nötigen 339 Millionen Euro für alle VEP-Vorhaben zusammenkommen. Bislang sind nur 25 Millionen Euro sicher. Und die sollen wiederum dafür sorgen, dass zehn Prozent mehr Saarländer auf Bus und Bahn umsteigen – was im schlimmsten Fall auch nur eine Vision bleiben könnte.

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