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Schwere Vorwürfe gegen Hauptgeschäftsführung der IHK des Saarlandes

Kostenpflichtiger Inhalt: Steht Kurzarbeit an? : Saar-IHK will wohl Mitarbeitern ans Geld

Beschäftigte der Kammer erheben schwere Vorwürfe gegen die Hauptgeschäftsführung. Diskussion um Kurzarbeit.

Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) des Saarlandes ist Feuer unterm Dach. Wegen der Corona-Krise brechen die Einnahmen weg. Die Kammer hat allen Mitgliedsfirmen, die von der Virus-Pandemie betroffen sind, angeboten, die Beiträge zu stunden. Dadurch ist die Finanzlage angespannt. Um für Entlastung zu sorgen, sollen die Mitarbeiter in die Pflicht genommen werden. Informationen unserer Zeitung zufolge soll bei der IHK Kurzarbeit eingeführt werden. Eine entsprechende Dienstvereinbarung sei noch nicht abgeschlossen.

Beschäftigte bezweifeln, ob ein solcher Antrag bei der Arbeitsagentur überhaupt möglich ist. „Wir sind eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, doch das Kurzarbeitergeld ist für Betriebe gedacht, die ihre Leute nicht mehr beschäftigen können“, so die Kritik aus der IHK-Belegschaft. Für alle IHK-Mitarbeiter, die in der Beratung und Betreuung der mehr als 55 000 Mitgliedsunternehmen tätig sind, „wäre das Signal der Kurzarbeit fatal“, schimpft ein langgedienter Firmen-Frontmann. „Jetzt, wo unser Rat dringend gefragt ist, sollen wir untätig zu Hause sitzen; das geht doch gar nicht“. Allein in die Beratung kleiner und mittlerer Firmen rund um Corona seien derzeit 20 Mitarbeiter eingebunden.

Denkbar sei höchstens, dass die Mitarbeiter von Bildungseinrichtungen, die als eigenständige GmbH geführt werden, in Kurzarbeit geschickt werden können, heißt es. Überlegenswert sei eine solche Regelung beispielsweise für das Prüfungsamt oder den Veranstaltungsbereich, der derzeit ruhe.
IHK-Hauptgeschäftsführer Heino Klingen betont auf Anfrage, dass bislang noch „keine Entscheidungen getroffen wurden“. Angesichts der wegbrechenden Einnahmen fänden derzeit „intensive Gespräche zwischen der Hauptgeschäftsführung und dem Personalrat statt“. Ziel dieser Gespräche sei es, „mögliche Wege aufzuzeigen, wie die finanzielle Entwicklung der IHK in den kommenden Monaten stabilisiert werden kann. Dabei haben wir über alles offen gesprochen und auch vorausschauend Szenarien erörtert, wie die IHK auf Dauer handlungsfähig bleiben kann“, sagt Klingen.

Heino Klingen, Hauptgeschäftsführer der IHK Saarland Foto: IHK Saarland/BeckerBredel

Mitarbeiter erinnern daran, dass die rund 100 IHK-Beschäftigten schon in der Vergangenheit auf Einkommen verzichtet hätten, um den Umstrukturierungsprozess, den die Kammer vor mehr als einem Jahr angestoßen hatte, konstruktiv zu begleiten. Dieser Prozess war auf den Weg gebracht worden, um die Saar-IHK aus den roten Zahlen zu führen. Die Rede ist von mehreren Hunderttausend Euro, die die Kammer durch den Entgelt-Verzicht der Belegschaft bisher eingespart hat. Auch für dieses Jahr haben sich die Beschäftigten bereit erklärt, auf eine tariflich vereinbarte Einmalzahlung von 27 Prozent zu verzichten. Sollte die Belegschaft weitere Einsparbeschlüsse nicht mittragen, habe die Hauptgeschäftsführung angekündigt, das Urlaubs- und Weihnachtsgeld zu streichen, heißt es aus Mitarbeiter-Kreisen. Auch die Drohung, 20 Beschäftigten betriebsbedingt zu kündigen, stehe im Raum. „Das ärgert uns maßlos.“

Die Mitarbeiter sind davon überzeugt, dass Einnahmeverluste auch aufgefangen werden können, „ohne den Beschäftigten erneut ins Portemonnaie zu fassen.“ Reserven seien vorhanden. So existiere eine Liquiditätsrücklage für Krisenzeiten in Höhe von vier Millionen Euro. Weitere vier Millionen Euro seien hinterlegt worden, um einen vor Jahren noch geplanten Erweiterungsbau der IHK finanzieren zu können. Diese Baumaßnahme sei jedoch in weite Ferne gerückt. Außerdem plane die Kammer, das ehemalige Gebäude der Berufsgenossenschaft (BG) in der Saarbrücker Pestelstraße, das in den geplanten Neubau hätte integriert werden sollen, zu verkaufen.

Kritisch sehen die Mitarbeiter auch den IHK-Zuschuss zur Kampagne Saarland-Marketing („Großes entsteht immer im Kleinen“) von jährlich 620 000 Euro, der bis einschließlich 2022 vereinbart ist. „Dieser Vertrag muss sofort gekündigt werden“, so die Forderung aus der Belegschaft. Das Saarland-Marketing habe keinerlei Nutzen. Doch wegen der Corona-Krise sei in der Geschäftsführung Panik ausgebrochen. „Die haben keinen Plan“, so ein Mitarbeiter. Eine Liquiditätsplanung, wie sie die IHK-Fachleute notleidenden Firmen in einer solchen Situation empfehlen würden, „fehlt vollkommen“.

Ungelöst ist auch die Nachfolgefrage für IHK-Hauptgeschäftsführer Klingen, der Ende des Jahres in Rente geht. Die Agentur LAB & Company aus Düsseldorf war beauftragt worden, eine geeignete Person zu finden. Eigentlich sollten die Kandidaten in der IHK-Vollversammlung im April vorgestellt und im Sommer bestellt werden. Auch dieser Fahrplan ist wegen Corona durcheinandergeraten. Mitarbeiter fordern eine hausinterne Lösung. Auch dadurch lasse sich eine Menge Geld sparen. Die IHK brauche in der Krise einen Hauptgeschäftsführer, der die Verhältnisse im Saarland kenne und nicht noch lange eingearbeitet werden müsse.